TAPE FIVE/ MELVIN SPARKS/ EQUALLY STUPID/ THROTTLE ELEVATOR MUSIC/ NIHILS/ OVERCOATS/ TAMI NEILSON

Bevor ich es wieder vergesse: Am Freitag, den 19. Mai treffen sich Freunde der analogen (bevorzugt, aber nicht nur!) Musikwiedergabe zu gutem Hören und freundlichem Fachsimpeln in der Boheme Boulette am Hansaring, ca 19.00h. Fachkenntnisse im Verstärkerbau etc. sind gut, aber nicht Voraussetzung.

Feines Abendprogramm

Die Mit-Erfinder des Electro-Swing melden sich zurück. TAPE FIVE mit der Band-Grundausstattung und diversen, von den Vorgängern bekannten Gästen. Ihrem entspannten Swing mischen sie auf „Soiree Deluxe“ feine weitere Zutaten bei. Soulige Grooves, Anklänge an frühe Rap Muster und auch rhythmisch sind sie extra variabel. Neben temporeichen Nummern mit gewitzten Bläser-Arrangements findet sich die ein oder andere Ballade. In 15 Tracks und 3 Zwischenspielen führen sie gekonnt durch ihre buntes Abendprogramm.

Old School Guitar Licks

Gehört hat ihn vermutlich jede(r), seinen Namen kennt allerdings kaum jemand. MELVIN SPARKS veredelte mit seinem Gitarren-Stil die Musik von z.B. Curtis Mayfield, Marvin Gaye und mindestens einem ganzen Bündel legendärer Blue Note Soul-Groove Alben. Samples seines Sounds finden sich auf weit mehr als 100 Tracks. Fast 7 Jahre nach der Aufnahme und 6 Jahre nach seinem Tod kommt jetzt „Live at Nectar’s“. Auf 6 Titeln, eingespielt mit seinen Favoriten ‚Alt-Kollegen‘ an Hammond und Drums plus 2 Bläsern, zeigen diese ‚Oldtimer‘, wie m/f mit wenig Tönen, aber dem richtigen Gefühl auch ohne Gesang über eine ganze CD Spannung hält.

Eine sehr eigene Variante ProgRock exerzieren EQUALLY STUPID. Das Trio aus Saxofon(en), Bariton Gitarre und Drums. „Escape from the unhappy Society“ ist der wohl gewählte Titel für dieses sehr durchdachte Mischung aus jazzigem Musikverständnis, einem leichten Hang zu Melodien und Trotz gegenüber dem, was in der Medienlandschaft abgefeiert wird.

Von denen hatte ich auf dieser Seite schon mal eine, die meine nicht vorhandene Grundausbildung in Musik-Theorie überforderte. THROTTLE ELEVATOR MUSIC, mit Aushängeschild Kamasi Washington am Saxofon, lassen es aber auf „New Songs from Retrospective“ sehr gemächlich angehen. Der grössere Teil des Werks besteht aus erstklassigen Balladen, die jedoch nicht für Bar-Musik geeignet sind. Zwischendurch gibt es kürzere Tracks, für die dann etwas mehr aufs Gaspedal getreten wird. Also auch für Freunde des erkennbaren Songs, der erkennbaren Harmonien gut geeignet.

Die NIHILS aus Österreich kommen ohne ‚Wiener Schmäh‘ daher. Klingen für mich, wie ein zeitgemässes Update der Human League. Irgendwo zwischen Independent Produktion und sehr berechtigtem Pop-Anspruch pendelt „Perspectives“ sich ein.

Die OVERCOATS, Frauen-Duo aus NY, singen meist 2 stimmig, in bester Folk Tradition und begleiten sich dabei mit sparsamen Electronics. Melodisch, auch mal mit geraden Beats, aber immer weit weg von gefällig. Das Album heisst zwar „Young“, doch nach den Texten zu urteilen, gastieren beide schon länger auf diesem Planeten.

Country, Blues, Soul, alles echt.

Zum Finale eine kleine Perle aus der grauen Zone zwischen Soul, Country und Blues. TAMI NEILSON’s „Don’t be afraid“ erinnert mich stark an die späten Alben von Mavis Staples. An den richtigen Stellen etwas Gospel im Gesang und die Band kann stehend langsamen Country Blues. Mit ihrer kräftigen Stimme dominiert sie auch die Tempo-Nummern und für eine echte Country-Schnulze findet sie ebenfalls den richtigen Tonfall. Und trotzdem schaffen sie und die Band es, die genannten Stereotype nicht herrschen zu lassen. Sicher auch Dank der schnörkellos geraden Produktion.

Autor: Günter

Archivtexte Ohrenschmauch

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