ALBERT MANGELSDORFF/ ALPHONZE MOUZON/ PRAISE POEMS Vol. 5/ BEI BEI & SHAWN LEE/ !!!/ LOS STRAITJACKETS/ VITA BERGEN

Vorweg gleich 2 mal erfreuliches Wiederhören. ALBERT MANGELSDORFF „And his Friends“ enthält 7 Duette. Mit Don Cherry, Attila Zoller, Lee Konitz, Karl Berger, Elvin Jones und Wolfgang Dauner. Zwischen 1967 und 69 bei passenden Gelegenheiten aufgenommen zeigen sie den Meister der Posaune in intimen bis fulminanten Zwiegesprächen mit ebenso qualifizierten Partnern.

„In Search of a Dream“ stammt von einem der führenden Rhythmus-Geber der 70er in einem beinahe Gipfeltreffen des Jazz-Rock. Mit Miroslav Vitous, Stu Goldberg, Bob Malik, Joachim Kühn und Philip Catherine hatte ALPHONZE MOUZON eine exzellente Mannschaft für das 1977 aufgenommene Album. Viel Dynamik, austrainiertes Handwerk und Kompositionsgeschick kennzeichnen dieses fast vergessene Werk.

Zur 5. Nochmal gesteigert!

Mit leichtem Groove etwas Abstand zum Jazz gewinnen. Für die Kompilation PRAISE POEMS Vol. 5“ hat sich die Crew von TRAMP Records noch einmal selbst übertroffen. 16 Tracks die es bisher noch auf keinem anderen Sampler gab, von Künstlern, bei denen auch sogenannte Eingeweihte eher den Kopf schütteln für ‚nie gehört‘. Relaxte Grooves, feine Band-Arbeit, inspirierte Instrumental-Passagen und in jedem Titel ganz viel Seele. Allein die ‚kleine Big Band Version‘ des Klassikers ‚Wade in the Water‘ ist schon die Veröffentlichung dieses Werkes Wert. Natürlich auch auf Doppel LP.

Chinese chilling mit Shawn Lee

Ich kenne kaum jemanden, der sich in so vielen unterschiedlichen musikalischen Genres bewegt, wie SHAWN LEE. Sein neuestes Projekt ist die 2. CD mit der chinesischen Guzheng-Virtuosin BEI BEI. Die Guzheng ist eine 21 saitige Zither. Kannte ich bis gerade auch nicht. Der Album-Titel „Year of the Funky“ ist sicher mehr dem Jahr des Hasen (o.ä.) geschuldet, als der Spielweise aus der schwarzen Musik. Erst in der Mitte der CD gibt es etwas flottere Rhythmen, zu Beginn und auch zum Ende hin bestimmen ausgeklügelte, fliessende Arrangements das Feld, die als Hintergrund für Bei Bei’s exzellentes Spiel auf dem Traditions-Instrument eine gute Figur machen. Also eher chillig und entspannt, als dem Namen nach funky.

Mit !!! meine ich nicht die drei Mädels und ihre Abenteuer. Die Combo spricht sich (soweit ich mich erinnere) chk chk chk. Ist auch nicht besser. Dafür entschädigen sie auf CD mit einer extrem tanzbaren Mischung aus früher New Yorker ‚do it yourself‘ Attitüde und geraden Beats, wie wir sie aus der House Szene kennen, gepaart mit gelungenen Melodien. Der Clou ist, sie spielen fast alles auf Instrumenten und kriegen ihr Programm deshalb auch live mit entsprechender Power ‘rüber. Die gewählten Gast-Sängerinnen sorgen dabei kraftvoll für Abwechslung. „Shake the Shudder“ ist Power Pop 2100.

Instrumentales Tribute Album

Mit besonderem Vergnügen bin ich den 13 Songs auf „What’s so funny about Peace, Love and…“ von den LOS STRAITJACKETS gefolgt. Ich dachte, das solche instrumental Rock’n’Roll Bands spätestens seit Ende der 70er ausgestorben seien. Die Straitjackets sind ausgesprochen lebendig, und huldigen ihrem Helden Nick Lowe mit einem Album mit ausschliesslich seinen Songs. Dessen treffende Texte fehlen hier, dafür fällt sehr deutlich auf, welch feines Gespür dieser für griffige Melodien hat. Melodie und Twang, klingt irgendwo zwischen den Blue Hawaiians und den Friends of Dean Martinez.

Dass die Nordlichter ein tolles Händchen für das Songwriting haben, behaupte ich hier immer wieder. Letztes aktuelles Beispiel: VITA BERGEN. Maximal zu sechst mischen sie auf „Retriever“ 80er Jahre Beats und Sounds (kennt noch jemand Furniture?) mit zeitgemässen Rhythmus- und Sound-Strukturen, klingen optimistisch, manchmal aufgekratzt, verlieren dabei aber das Ziel nicht aus den Augen, den erstklassigen Popsong.

Autor: Günter

Archivtexte Ohrenschmauch

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