IFRIQIYYA ELECTRIQUE/ OUMOU SANGARE/ BONAPARTE/ DOBRE/ TORA/ HELIOCENTRIX/ TORI SPARKS/ POP MAKOSSA

Zuerst die, von der ich nicht weiss, ob ich in einer Stunde den Namen noch richtig schreiben kann: IFRIQIYYA ELECTRIQUE. Albumtitel ist „Ruwahine“ und die Musik eine schwer zu beschreibende Mischung aus traditionellem tunesischen Liedgut, allerdings schwer mit elektrischem Instrumentarium bearbeitet. Gelegentlich wüst und laut wie seinerzeit Magma, unterbrochen von zerrigen Bass(?)-Riffs. Mehr Info zum Projekt findet sich unter www.glitterbeat.com, der World Music Abteilung von Glitterhouse.

Ich bleibe auf dem Kontinent mit einer weiteren sehr gelungenen Platte von OUMOU SANGARE. Auf „Mogoya“ trommelt sogar Tony Allen für sie (1 Track), der gerade eine ‚Art Blakey Tribute‘ EP fertigstellt. Ihre Mischung aus heimischen Harmonien mit internationalem Pop fasziniert mich jedes Mal. Erst recht, wenn sich ihr spezifisch afrikanischer Gesangsstil dazu gesellt. Sehr einprägsam ohne dabei auf übliche Schönklang Vorgaben einzugehen.

Im 5. Anlauf hat BONAPARTE endlich eine auch ohne ‚Berlin Syndrom‘ hörbare CD fertig. Auf „The Return of Stravinsky Wellington“ huldigt er dem knappen, eingängigen Popsong. Nicht ganz ohne Rückfälle, aber dafür mit ein paar echten Ohrwürmern für alle Lebenslagen. 85 von 100 Punkten!

Noch ein heimischer Songschmied. Aus München. Joe Dobroschke, der mit Band als DOBRE firmiert, fragt „Who killed the Acrobat“ und arbeitet sich mit seinem ausschliesslich handbetriebenen Fünfer in 11 Titeln an dieser Frage ab. Feine Rockmusik für Erwachsene von Erwachsenen.

Elektronisches aus Australien

Unbedingt hörenswerte Klänge von Down Under bringen TORA mit ihrem Erstling „Take a Rest“. Ruhige Elektronika, angereichert mit allerlei Geräuschen und ‚richtigen‘ Instrumenten, guten eigenen Stimmen und noch besseren der Gäste. Erinnern durchaus berechtigt an den frühen James Blake, kommen aber ganz ohne dessen depressive Momente aus.

Improvisiertes aus London

Richtig schwierigen Stoff liefern die HELIOCENTRIX mit „A World of Masks“. Verstärkt um eine Sängerin bleibt das Kollektiv, dass schon auffällig mit DJ Shadow und Mulatu Astatke arbeitete, seinem Stil treu. Mehr oder weniger improvisierte Musik, die m/f keinem Genre zuordnen kann und sich auch mal in nachvollziehbare Strukturen begibt. Gepaart mit der neuen Sängerin, die ihre Texte auf diesem komplexen Untergrund im Wesentlichen in ihrer Heimatsprache (Slowakisch), vorträgt, ergibt sich eine faszinierende Mischung aus Elementen der Rock-Musik, jazziger Improvisationskunst und dem Druck, für den wir die Computer-generierte Musik (Massive, Tricky..) gefeiert haben.

Ebenfalls sehr ungewöhnlich ist die Mischung auf TORI SPARKS‘ „La Huerta“. Sängerin und Komponistin mit leichtem spanischen Einfluss und spanischer Band, die sehr dezent Flamenco- Farben ins Spiel bringt. Dabei kommt den 5 Herren, die bis auf gelegentliche elektrische Gitarren-Momente alles akustisch erledigen, schon mal ein Riff oder Rhythmus unter, der sich durchaus als Prog Rock identifizieren lassen könnte. Hochinteressant, aber erst 1x gehört.

Tanzbares von vorgestern

Die Forscher des Analog Afrika Labels sind mittlerweile bei ihrer 23. Veröffentlichung angekommen. Auf „POP MAKOSSA“ kümmern sie sich um den unwiderstehlichen Tanzbeat aus Kamerun. Gesammelt aus den Jahren 1976-84, also nachdem ‚Soul Makossa‘ schon mindestens einmal die Welt umrundet hatte, finden sich hier mehr als 60 Minuten fliessende Rhythmen von Bands mit illustren Namen wie ‚Dream Stars‘ oder ‚Bill Loko‘, die zumindest hierzulande keine wirkliche Bekanntheit erlangten. Was der Musik keinen Abbruch tut. Ein wenig Funk, etwas Disco, viel Afrika und unter und über allem die Leichtigkeit der Musik und Musiker, die uns Nordlichtern einfach fehlt. Sehr willkommen, den ‚bedeutungsvoll‘ Krampf aus den Ohren zu spülen.

Autor: Günter

Archivtexte Ohrenschmauch

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