CAROL VANWELDEN/ CLASSIC ENGLISH AND SCOTTISH BALLADS/ BLACK MARKET TUNE/ BENNY GREB/ COOKIN’ ON 3 BURNERS/ REY & KJAVIK/ MARC ROMBOY

Caroll Vanwelden – Shakespeare, die dritte

Mit ihrer aktuellen CD vollendet CAROL VANWELDEN ihre Trilogie mit Vertonungen von Shakespeare’s Sonetten. Mit Hilfe von Th. Siffling (tp), J. Düppe (b) und M. Schulz (dr) intoniert die Pianistin und Sängerin die lyrischen Klassiker mit Sensibilität, Eleganz und Verve. Musikalisch variabel, emotional engagiert und handwerklich mehr als sehr gekonnt umspielen diese 4 die Jahrhunderte alten Verse des Dichters mit absolut zeitgemässem klassischen Jazz. Wobei ich Caroll’s stimmliche Qualitäten einmal extra hervorheben möchte.

Bei Smithsonian Folkways gibt es eine, wie immer mit fettem, sehr informativem Booklet ausgestattete CD mit sehr interessanten ‚Oldies‘: „CLASSIC ENGLISH AND SCOTTISH BALLADS“, 21 Tracks aus der umfangreichen Sammlung des Francis James Child. Im 19. Jahrhundert bereits gesammelt, aus Sorge, dieses Material könne eventuell im Lauf der Zeit verloren gehen. Aufgenommen zwischen etwa 1950 und 2006 finden sich hier sehr authentische Aufnahmen von Tracks, die uns zum Teil in der Folk Rock Bewegung der 60/70er in modernen Arrangements begegnet sind.

Eine ganz eigene Version von Folkmusic spielen BLACK MARKET TUNE. Auf „Drifters & Vagabonds“ verbinden sie europäische Musiktraditionen mit Ansätzen von Jazz und Blues, mal schwermütig, mal mit Gesang mal ohne, zwar immer ganz traditionell instrumentiert, jedoch mit eher modernem Ansatz.

Benny Greb – Drums, please! Und Stimmen…

Mindestens genauso ungewöhnlich klingt BENNY GREB’s „Grebfruit 2“. Es besteht ‚nur‘ aus Drums und Stimmen. Die fetten Grooves des Meisterdrummers als Basis für seine Ausflüge in Gesangs-Experimente mit von einer bis zu zig Stimmen. Ob eigene Kompositionen oder gut ausgewählte Covers, bei dieser fein ausgewogenen Mischung aus Stimmen-Einsatz und Rhythmus-Basis vermisst m/f kein weiteres Instrument, der Sound ist voll und treibend. A-cappella mit mir selbst und meinen Drums!

Cooking on 3 Burners – Retro Funk aus Down Under

Mit einer sehr gelungenen Mischung aus 60ies Soul, Deep Funk und ein paar exzellenten Gesangs-Nummern meldet sich Australiens Hammond Orgel Trio No. 1 auf der Bildfläche zurück. COOKIN‘ ON 3 BURNERS ist als Bandname nach wie vor nicht übertrieben. Die Herren geben stramm Gas, suchen sich perfekte Stimmen (Emmi, Kylie Auldist, Stella Angelico) für die Gesangsspur und liefern, quasi nebenbei, noch die ultimative Breakbeat Version von Metallica’s ‚Enter Sandman‘. Für Club und daheim.

REY & KJAVIK sind 2 Namen für nur eine Person. Auf seinem ersten Album unterlegt der Frankfurter DJ Klänge, Stimmen und Rhythmen aus bevorzugt Asien und Arabien mit passenden Harmonien und langsameren, warmen House Beats. Vergleichbar mit der Soundästhetik von Solomun funktioniert diese Variante Tanzmusik mindestens so gut im Club, wie auf dem heimischen Stereo. Nicht einfach nur schweisstreibende Beats, sondern bis ins letzte durchkomponierte Songs mit unterscheidbaren Melodien, manchmal beinahe mystischen Stimmen und Instrumenten, die sich auf CDs der Sektion House nicht so oft finden.

Und noch ein DJ, der das Orchester für sich entdeckt hat. Klingt jetzt gemein, ist aber nicht so gemeint! MARC ROMBOY setzt sich bei seinem bereits 2. Anlauf in diesem Umfeld mit der Musik Debussy’s auseinander. Die beiden wohl bekanntesten Werke (La Mer, Prelude à l‘ apres Midi..) des Impressionisten hat er für sich und die Dortmunder Philharmoniker passend editiert, rekonstruiert und remixed. Live aufgenommen bei den „Impressions Electroniques“ im Dezember 2016 klingt es phasenweise fast unbearbeitet, spätestens jedoch, wenn ein langsamer elektronischer Beat das Tempo vorgibt, fällt auf, dass die Orchesterparts straffer und in anderer Reihung auftauchen, als in der Original-Komposition notiert. „Reconstructing Debussy“ hat das Zeug, das eine oder andere Ohr zu öffnen für Musik, die nicht innerhalb von 30 Sekunden erfassbar ist. There’s more to life than Cars and Girls (Zitat).

Autor: Günter

Archivtexte Ohrenschmauch

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