LUISA COTTIFOGLI/ RAY WYLIE HUBBARD/ SILENT STRIKE/ SILVERETTES/ GRIZZLY BEAR/ MARK OLSON

Positives über den Winter

Es ist zwar noch sonnig und warm, aber spätestens in der nächsten Woche tauchen die ersten Schokoladen-Nikoläuse in den einschlägigen Läden auf. Da kann ich auch jetzt schon eine CD mit positiven Liedern über den Winter aus dem Hut ziehen. LUISA COTTIFOGLI heisst die Frau, lebt mit vielen Pflanzen und Tieren im italienischen Apennin und komponiert Lieder für Stimmen. „Come un Albero d’Inverno“ ist allerdings kein reines Gesangs-Album, es gibt Songs mit wenigen oder auch mehr Instrumenten, sowohl akustisch als auch elektronisch, Stimmen solo, im Verbund oder auch Chöre. In den knappen und klaren Arrangements vergleichbar mit Werken von Laurie Anderson und in grosser Stil Vielfalt. Es beginnt mit einem Jodler (nicht abschrecken lassen…) und führt über Lieder aus dem 2. Weltkrieg zu Segelflug-Filmmusik, vom verschneiten Schlaflied zu einer a cappella Fantasie über Permafrost, vom bereits genannten Jodler zu Harmonien und Gesangsformen vom Dach der Welt. Manchmal etwas sakral, dann wieder fest geerdet, aber immer überzeugend echt, einfach authentisch und im wahrsten Sinne schön. Tatsächlich mal ein Album für die und den, der schon alles hat. Die interessanten Texte liegen bei, in italienisch und Englisch.

Grantiger alter Barde!

Der Name begegnet mir seit Jahren immer mal wieder, eine ganze Platte habe ich von ihm, soweit ich erinnere, nie gehört. Aber jetzt! RAY WYLIE HUBBARD ist mittlerweile, vielleicht war er das schon immer, ein grantiger alter Barde geworden. In 11 handwerklich absolut austrainierten Country-Blues Nummern schimpft und grantelt er sich und seine Gäste durch die unterschiedlichsten Anliegen, alles gut passend zum Titel „ Tell the Devil I’m getting there as fast as I can“. Trifft dabei Ton und Gusto mindestens so zielsicher, wie z.B. Seasick Steve. Auch in 2017 muss m/f den Blues nicht zu Hardrock verwurschten, damit er spannend bleibt!

Seit dem Yonderboy vor einem halben Menschenleben gab es auf dieser Seite keine Elektronik- oder Downbeat-Platte aus dem ehemaligen Ostblock. SILENT STRIKE aus Rumänien beenden diese Durststrecke. Die beliebte Kombi: Er Soundbastler, sie Stimme, führt auch hier zu einem erstaunlich positiven Ergebnis. Von raffinierten Breakbeats geht es nach und nach in sanftere Gefilde, ausser der Stamm-Vokalistin EM kommen auch andere Damen und Herren zu Wort und die tricky Beats werden von erkennbaren Melodien begleitet. Erinnert mich bisweilen an das frühe Schaffen von Björk.

Aus der Region

Gibt es nicht bei Rewe, kriegen aber zu Recht den Stempel ‚aus der Region‘. Die SILVERETTES aus dem Herzen unseres Bundeslandes liefern auf ihrem 2. Longplayer einen forschen Mix auf der Basis von Rockabilly. Den ergänzen die drei perfekt aufeinander abgestimmt singenden Damen mit Zutaten aus Blues, Swing, straightem Rock’n’Roll, etwas Hillbilly und einer Prise Zydeco. Die 11 selbst gemachten und 2 Fremdkompositionen stelle ich mal nicht ins Fach ‚Kulturgut‘, sondern in die Schublade ‚beste Unterhaltung‘.

Kurzer Text zu einer, die gerade ziemlich überall auftaucht. GRIZZLY BEAR’s „Painted Ruins“ klingt wunderbar zahm und melodisch für das Werk einer Band, die die Karriere beim Label Warp startete. Also, positive Kommentare und Bewertungen gern glauben.

Das Song Schreiben hat er auch Jahrzehnte nach den Jayhawks nicht verlernt. Selbst wenn MARK OLSON ein Album unter einfachsten Bedingungen, mit minimalem instrumentalem Einsatz aufnimmt, ist das Ergebnis fast immer ein wohlklingendes, gut ausbalanciertes Päckchen toller Songs. Seine Frau, Ingunn Ringvold, liefert die passende 2 Stimme und die Streicher-Arrangements für eine weitere kleine Perle der alternativen Country Musik. Fast zu positiv für Zeiten, wie diese…

Autor: Günter

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