SWEET PEA ATKINSON/ SNOWY WHITE/ JADEA KELLY/ BOMBAY ROYALE/ DAN ZANES/ DORANTES/ HARRYCANE ORCHESTRA

Am Ende kommt doch oft (wieder) zusammen, was zusammen gehört. Vor 35 Jahren legte SWEET PEA ATKINSON, damals noch Sänger des Projektes Was (not Was), sein erstes Solo Album vor. In diesem Jahr(!) kommt der Nachfolger. Beim legendären Blue Note Label, bei dem Don Was, seinerzeit Namensgeber der Combo, jetzt das Sagen hat. Ein erstklassiges konservatives Soul Album mit ganz viel Blues von einem Sänger, der niemandem mehr etwas beweisen muss. „Get what you deserve“ ist tiefgefühlt und überzeugend vorgetragen. Und tanzen kann m/f dazu auch noch.

Alter schützt vor Klasse nicht

Seit geschätzt 20 Jahren hat SNOWY WHITE kein Album mehr mit seinen ‚White Flames‘ aufgenommen. Nach dem Überraschungserfolg des fast im Alleingang eingespielten „Released“ aus dem Vorjahr hat er seine Mitstreiter aus dem ‚Ruhestand‘ gelockt. Gitarrero der Extraklasse, im gleichen Karton wie Clapton, Green, Knopfler, Gilmour… spielt er keinen Ton zu viel, schifft mit seinem Team in wechselnden Rhythmen durch feine Balladen, langsame Blues und gezähmte Riff-Rocker. Zugegeben, musikalisches Neuland wird hier nicht betreten, aber wo mit solcher Eleganz und trotz aller Routine mit so viel Herzblut musiziert wird, da stecke ich gern mein Ohr hinein.

Mit ihrer wundervollen Stimme beglückt uns JADEA KELLY auf ihrem neuen Werk. „Love & Lust“ wird getragen von ihrem ätherischen Gesang, dazu verhallte Gitarren auf langsamen Rhythmen und die perfekt auf ihren Gesang abgestimmten Arrangements. Das alles und eine sehr wohlklingende Produktion lassen das Album aus dem Gros der aktuellen Singer/Songwriter Musik heraus ragen.

Von Jadea zu The „BOMBAY ROYALE“ ist fast ein Kulturschock. Diese 11 spielt nicht Fussball, sondern mit zusätzlichen 5 Gästen eine wilde Mischung aus Rock und Pop, Disco und Funk und einem deutlichen Schuss Bollywood. Auf „Run Kitty Run“ tauchen neben den 3 Trompeten und Saxofon wie selbstverständlich Tabla und Sitar nebst indischen Stimmen auf. Das Team von Hopestreet Recordings achtet allerdings gut darauf, dass der Funk nicht zu kurz kommt.

Lead Belly für alle!

Seit seinem 7. Lebensjahr ist er bereits Fan. Jetzt, gut 50 Jahre später, legt DAN ZANES eine launige Zusammenstellung von 15 ausgewählten Lead Belly Songs vor. Zeitgemäss aufbereitet, für jede Lebenslage und jedes Alter, also auch für kleine und grosse Kids, die ausser Playstation noch andere Antennen haben, und mit Hilfe populärer Gäste (u.a. Billy Bragg, Aloe Blacc, Chuck D.) trägt er eine lange Tradition in eine neue Zeit. „Lead Belly Baby“ ist eine tolle Hommage an einen grossen Geschichten Erzähler. Natürlich bei Smithsonian Folkways.

Es braucht schon ein geschultes Ohr, die neue CD von DORANTES als ein Flamenco Album zu identifizieren. Begleitet von Bass und Perkussion bewegt sich der sehr eigenständig klingende Pianist zwischen jazzigen Phrasierungen und aus der Tradition abgeleiteten Rhythmen klar erkennbar in der Welt des Jazz, lässt seine Herkunft jedoch immer deutlich durchscheinen. In seiner Auffassung von Musik durchaus vergleichbar mit Paco de Lucia.

Harrycane für eine bessere Welt

Die passt in keine meiner Schubladen. Das HARRYCANE ORCHESTRA ergänzt seine Jazzcombo Hardware um Instrumente aus dem arabischen Raum und schafft damit eine Musik, die sich auch zwischen diesen Polen bewegt. Zurückhaltende Rhythmus-Arbeit, hörenswerte solistische Einlagen, orientalische Elemente und jazzige Spielweise. Eine nicht erklärbare positive Ausstrahlung auf allen 7 Titeln, trotz hoher Virtuosität über die ganze Länge eine beruhigende und entspannende Wirkung. Ein fettes Kompliment an die 6 Herren für dieses kleine Wunder.

Autor: Günter

Archivtexte Ohrenschmauch

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