SAZ’ISO/ SWEET ALIBI/ ELIJAH BLAKE/ DIGITAL 21 & STEFAN OLSDAL/ THE HARPOONIST & THE AXE MURDERER/ ARON OTTIGNON/ TSCHING/ KING CRIMSON

Folklore aus Albanien

Für die Minderheit in der Minderheit: „At least wave Your Handkerchief at me“, SAZ’ISO nennt sich das 8 köpfige Ensemble, das mit 5 Stimmen aufwartet. Mit traditionellem Instrumentarium und exakt abgestimmtem Gesang führen sie uns durch ‚The Joy and Sorrow of southern Albanian Song“. Kein Pop, nicht alltäglich und sehr hörenswert.

Folkpop in 3 Stimmen

Ganz tief in der Tradition der Folk-Sängerinnen beheimatet sind SWEET ALIBI. Zu sechst, mit 3 Herren und drei Damen, die sich vornehmlich um das Singen verdient machen, schaffen sie mit „Walking in the Dark“ einen Folk-Pop Zwitter, der sich irgendwo zwischen den Mumfords und Amy MacDonald bewegt. Gut gestrickte Songs, die Harmonien nicht zu gefällig und in der Rhythmus-Arbeit flexibel. Durch die unterschiedlichen Stimmen der Damen, mal solo, mal im Chor, ausgesprochen abwechslungsreich.

Der Name ELIJAH BLAKE war mir bisher nicht geläufig. Dabei hat er laut Waschzettel bereits mit Rihanna, Common oder Kanye West gearbeitet. „Audiology“ ist die 1. CD, die mir vor die Ohren kommt. Moderner R’n’B mit Einsprengseln aus Hip Hop und trickreichen Beats. Seine markante Stimme steht im Vordergrund, der Background ist eine gelungene Mischung aus konventionellen Instrumenten und programmierten Patterns. Durchaus vergleichbar mit Prince, nicht ganz so experimentierfreudig, aber keineswegs so angebiedert wie Seal.

Weiter mit Programmierern. DIGITAL 21 & STEFAN OLSDAL, der Electronic-Produzent und das Placebo-Mitglied liefern mit „Inside“ eine sehr individuelle Mischung aus digitalen Clubsounds kombiniert mit Streichern und anderen ‚echten‘ Instrumenten. Zur einen Hälfte Instrumental, die andere verfeinert mit Gastsängerinnen deren Stimmlagen und Vortrag einen gelungenen Kontrast bilden zu den meist kühlen elektronischen Klängen.

Im Vergleich dazu klingen THE HARPOONIST & THE AXE MURDERER ganz und gar warm und analog, obwohl sie auch einen Synthi benutzen. Eigentlich ein 2er, verstärkt mit 10 Gästen, von denen jedoch 7 nur zur Unterstützung des Gesangs eingesetzt werden. So basieren die Songs auf recht geraden, Blues basierten Rhythmen, die von fettem Bass und schepperndem Schlagzeug vorangetrieben werden. Dabei klingen sie manchmal nicht weit von den Stones in den 70ern, dann wieder eher wie die nicht anerkannten Kinder von Bruce und Co. Im Westen nix Neues, aber sehr unterhaltsam und noch mehr lebendig.

Auf seinem Album „Team Aquatic“ lässt sich der neuseeländische Pianist und gelegentlich Steel Drum Spieler ARON OTTIGNON lediglich von Perkussions-Instrumenten begleiten. Kein Drum-Set, sondern Trommeln etc. aus dem Raum des indischen Ozeans und des Pazifik. Entsprechend ungewöhnlich agiert er am Klavier. Trotz (oder gerade wegen?) seines ersten Lehrers Andrew Hill klingen die meist kurzen Tracks auf seinem Blue Note Debut nach im Kern komponiert, im Detail jedoch mehr improvisiert. Und sehr wenig konventionell. Ohne technische Tricks ein ausgesprochen anderer Sound und Einsatz des Pianos im Zeichen des zeitgemässen Jazz.

Das Trio TSCHING sortiere ich unter ‚weltmusikalischen Kammer-Jazz‘. Damit sind die feinst ausgearbeiteten Miniaturen dieses Dreiers zwar nicht ganz exakt erfasst, aber mit etwas Fantasie kann m/f sich zumindest vorstellen, wie diese Mischung, gespielt auf Gitarre, Cello und Blasinstrumentieren klingt. Latino-Rhythmen, heimische Harmonien und eine Prise Gipsy-Swing geben den „Taschenhymnen“ einen vielseitigen Rahmen zwischen Melancholie und Temperament.

Da erblasst der Nachwuchs.

Lang und gut: KING CRIMSON „Live in Chicago, Juni 2017“. Diese 8 Herren füllen zwar keine Arenen, dafür leben sie ihre Musik offen hörbar jedes Jahr neu. So präzise wie ein Orchester, so frei wie eine Jazz-Combo und mit so viel Druck wie eine Rock Band (Zitat). KC ‚Gassenhauer‘ und auch nicht so populäre Nummern, auf 2 CD fast 150 Minuten hochklassiger ‚progressive‘ Rock von Fripp, Collins und Co., die m/f sicher zu den Miterfindern und besonders Erneuerern dieses Genres rechnen darf.

Autor: Günter

Archivtexte Ohrenschmauch

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