U2/ VAN MORRISON/ ROLLING STONES/ KEN BOOTHE/ WILD PONIES/ VOLTAGS/ KENNY WERNER/ INDIAN GROOVES

Zum Jahresende wird in der Tonträger-Industrie noch mal ordentlich aufgedreht. Es gibt Neues von U2, das 2. Album in einem Jahr von VAN MORRISON und für Freaks und Sammler ganz frühe Aufnahmen der ROLLING STONES aus der Zeit, als sie selbst noch nicht wissen konnten, dass sie einmal Die STONES sein würden. Auffällig dabei: Keiner der genannten Künstler ist jünger als 50…..

Alter Bekannter

Ist KEN BOOTHE auch nicht, Crooner aus Jamaika, der weniger der ‚Conscious Reggae‘ Fraktion, als mehr der Abteilung ‚Lovers Rock‘ zugerechnet werden darf. Sein ‚Everything I own‘ kann m/f nicht noch nie gehört haben. Mit „Inna de Yard“ legt er beredtes Zeugnis ab über seine Fähigkeiten als Sänger und Finder oder Erfinder einprägsamer Songs, hat eine (auf meinem Muster ungenannte) Band um sich geschart und liefert 11 gut abgehangene, entspannte Titel ab in dem Rhythmus, der nur Tote nicht zum Mitwippen bringt. Darunter seine Reminiszenz an die späten 60er / frühen 70er mit einer gekonnten Adaption von ‚You keep me hanging on‘. Ein äusserst gelungenes Alterswerk.

Findling aus den 70ies

Von der Volksmusik der kleinen Insel zur Volksmusik des mächtigen Nachbarn im Norden. Die WILD PONIES spielen Bluegrass, oder, wenn’s leichter vorstellbar ist, Hillbilly. In traditioneller Besetzung mit Fiedeln, Banjo, Gitarre Kontrabass, Solo- und auch Mannschaftsgesang und allem, was die Tradition hergibt. Das Album heisst „Galax“ nach der Heimatstadt der Bandgründer und bietet neben uptempo Footstompern in exzellenter handwerklicher Ausführung einige wundervoll arrangierte und gesungene Balladen.

Das Buch ‚500 Records you will never hear‘ muss jetzt wohl neu geschrieben werden! Fast 40 Jahre nach den Aufnahmen erscheint nun doch eine CD/Platte von den VOLTAGS. Von ’79 bis Ende 80 aufgenommen. Eine Single gab es von den Herren, der Rest war bis jetzt archiviert. Und wie klingt so ein Findling? M/F hört sie alle durchscheinen, die populären Wave- bis Punk Bands des UK der End 70er. CLASH, MEMBERS, STRANGLERS, XTC, auch Ähnlichkeiten mit den B52’s sind erkennbar, weniger hey ho let’s go als vielmehr Songstruktur und Arrangement. Gelungene Harmonien, passende Breaks und hoher Wiedererkennungswert kennzeichnen die erste Hälfte des Werks, das seinerzeit durchaus Wellen hätte schlagen können. Die 2. Hälfte lässt in der Aufnahme-Qualität etwas nach, sie enthält mehr Live aufgenommenes Material, aber gesamt 19 Songs, die auf LP und CD nicht ganz Deckungsgleich sind, waren auch 1980 schon eine sehr grosse Portion für einen Erstling. „Hot Flash: Best of“ ist nicht wirklich übertrieben.

USA zum Dritten. Aber ganz anders! Trio Jazz in meisterlicher Ausführung gibt’s auf „Animal Crackers“ von KENNY WERNER. Das New Yorker Piano-Urgestein wird unterstützt von Ari Hoenig an den Drums und Johannes Weidenmüller am Bass. Zusammen gestalten sie eine musikalische Welt aus ausgefallenen Melodien, rhythmischen Verschachtelungen und daraus resultierenden Improvisationen. Ohne Netz und doppelten Boden, mit Augenkontakt und respektvollem, einfühlsamem Umgang miteinander und dem gemeinsam komponierten Material. Instrumentale Geschichten in virtuosem miteinander.

Entspannte Asia Beats

Von Putumayo kommt doch noch was Neues in diesem Jahr! „INDIAN GROOVES“ macht da weiter, wo vor etwa 10 Jahren die ‚Asia Beats‘ aufhörten. Traditionelle indische Gesänge, Melodien und Instrumente im Zusammenklang mit dem Zeitalter des digitalen Beat. Bevorzugtes Tempo ist ein am Reggae angelehnter Downbeat, fein verziert mit landestypischem Gesang, Sitar, Tablas und allem was dazugehört. Die Melodien sind auch für westliche Ohren problemlos geeignet, mitsingen schaffen nur geübte. Eine sehr positive Folge von ‚MTV ist überall‘ ( heute heisst es wohl eher You Tube kriegt sie alle..).

Autor: Günter

Archivtexte Ohrenschmauch

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