MÜNSTER MUSIC DAYS/ TOKUNBO/ WINDSTREKEN/ AL DI MEOLA/ HARRY STOJKA/ RYAN DRIVER

Noch 3 Wochen bis zu den nächsten MÜNSTER MUSIC DAYS in der Konzerthalle CLOUD auf dem Germania Campus. Am 15.3. geht’s los mit Martin Tingvall allein am Klavier. Am Donnerstag, den 16. gibt’s ein Doppelkonzert. Zunächst präsentiert JAN LÖCHEL Höhepunkte aus seinen bislang 3 CDs plus ganz neues Material. Der Münsteraner Songwriter (darf ich fast nicht mehr schreiben, nach seinem Tourplan ist er häufiger auswärts als zuhause) ist ein toller Entertainer, Komponist und Texter sensibler, melancholischer Lieder und fingerfertiger Gitarrist ohne Strom. Mit kleiner Begleitung trotz grosser Bühne sicher sehr intim. Den 2. Teil des Abends bestreitet Tokunbo, Sängerin aus Berlin, mit ihrer Band. Falls der Name nicht sofort klingelt: Mit ihrer früheren Combo Tok Tok Tok hat sie einige Male den Hot Jazz Club überfüllt. Ihr derzeitiges Programm stellt sie aus dem Material ihrer jetzt 2 Alben im Alleingang zusammen. Mehr Info im Netz, Karten unter www.muenster-ticket.de. Damit jetzt auch gleich ins Thema.

Am 16.3. Live in der Cloud

„The Swan“ heisst TOKUNBO’s neues Werk, gerade erst erschienen und klingt ganz anders, als der Soul getränkte, melodische Popjazz von früher. Sie bezeichnet ihre Musik als ‚Folk Noir‘, den ich hier zu beschreiben versuche. Verträumte Balladen, leichte Grooves, ein Schuss Blues Feeling und geschickt ausgesuchte Zutaten aus dem grossen Topf der Pop Musik der Welt vermischen sie und ihre sehr gut eingespielte Band zu einem empfehlenswerten Cocktail neuer Songs, der durch Tokunbos wandelbare, vielseitige Stimme perfekt abgeschmeckt wird.

Kammerjazz aus NL

Eine ungewöhnliche Mischung aus modernem Jazz, alter und neuer Klassik in fast kammermusikalischer Form lässt die niederländische Formation WINDSTREKEN auf ihrer CD „Folies“ erklingen. Improvisation über selbst geschaffene Themen, traditionelle Songs unterschiedlicher Abstammung in passenden Arrangements und dazu die Stimme der klassisch ausgebildeten Sängerin sorgen dafür, dass diese Musik in keine der gängigen Schubladen passt. Dabei trotz grosser Akribie zur Umsetzung der Ideen nie kopflastig sondern immer der Melodie huldigend entspannt.

Nach eigenen Worten war er nie so entspannt und glücklich in der Entstehungsphase einer neuen Platte, wie für „Opus“, AL DI MEOLA’s 2018er Reinkarnation. Die elf Titel des neuen Werks führen ihn und seine Hörer fast durch seine gesamte Karriere. Eindeutige Rockjazz Tracks, Milonga, beinahe klassische Komposition inklusive Streicher, alles zusammengehalten von seinen virtuosen Saitenkünsten. Überwiegend zupft er die akustische Gitarre, lässt aber dann und wann auch seinen einzigartigen elektrischen Klang aufblitzen. Natürlich sehr auf die 6 Saiten zugeschnitten, trotzdem absolut keine Musiker-Musik, sondern ein Musik Schaffender vielleicht auf dem Höhepunkt seiner Kreativität.

Eine ziemlich wüste Gitarren-Attacke lässt HARRY STOJKA auf die Hörer los. Auf „Other Doors“ gibt es keine Kombinationen mit Musik der Welt, sondern geradlinigen (so gerade es geht..) Jazz Rock mit nur Drums und Gitarre, sowohl elektrisch, als auch ohne Strom. Klingt ausgesprochen spontan, ohne komplexe Arrangements, dafür versprüht die CD pure Energie. Fliegende Improvisationen von einem, der scheinbar nie etwas anderes getan hat, als Gitarre zu spielen.

Grossartige Songs!

Was ganz feines zum Schluss. RYAN DRIVER und sein „Careless Thoughts“. Grosses Kino mit Streichern, angejazzt mit kleiner Combo, vergleichbar vielleicht mit Tom Waits ‘Foreign Affairs’, allerdings mit ganz andere Stimme. Songs aus dem Leben eines Künstlers, der nach langer Experimentierphase mit diesem Werk endlich viel Publikum erreichen kann. Nicht, weil er sich anbiedert, sondern weil er mit diesen authentischen Songs in keineswegs nur glatter Form auch von ‚normal‘ Musikhörern besser verstanden wird. Gibt’s sicher auf allen Streaming-Leitungen, riskiert mal ein Ohr, unbedingt!

Autor: Günter

Archivtexte Ohrenschmauch

Günter Günter

Weitere Beiträge 2018