HANNES WADER/ BRENDA VAVARRETE/ MESHELL NDEGEOCELLO/ INDRA RIOS-MOORE/ DANIELLE NICOLE/ PHILIPP FANKHAUSER/ ANALOG-FREUNDE

Wohlverdienter Ruhestand

Zuerst die regelmässige Eule nach Athen. HANNES WADER’s Abschieds-Konzert vom 30.November 2017 in Berlin. Nach 50 Jahren Karriere muss ich über ihn wohl nichts mehr sagen. „Macht’s Gut“ ist nicht seine erste Live-Platte, und doch ist sie etwas anders. 17 seiner Favoriten, unnachahmlich formulierte Eigengewächse, bearbeitete Traditionals und Übersetzungen füllen die CD bis fast zum Rand und selten gab es seine Zwischentexte und Ansagen so ausgiebig. Zeugnis einer langen Reise. Sein Leben unterwegs beendet er, seine Lieder und seine Haltung wird niemand der ihn kannte, vergessen.

BRENDA NAVARRETE kennt bisher wohl kaum jemand in unseren Breiten. Kubanische Perkussionistin und Sängerin mit kleiner Band, überwiegend heimatlich besetzt. Das ist nicht Buena Vista Vol. 132 o.ä., sondern eher an den afrikanischen Wurzeln der Karibik-Insel orientiert. Gemischt mit sehr Jazz orientierter Auffassung und trotz jungem Alters erstaunlich qualifiziertem Handwerk. „Mi Mundo“ zeigt deutlich, dass aktuelle Musik von der Insel nicht nur Latin Pop, Hip Hop oder Vergangenheitsbewältigung sein muss.

Eine ganz andere Art des Umgangs mit der Vergangenheit zeigt MESHELL NDEGEOCELLO auf ihrem neuen Album „Ventriloquism“. 11 überaus erfolgreiche Songs der 80er unterzieht sie mit ihrer eingespielten Band einer echten Frischzellenkur. Tracks von u.a. Prince (ihrem frühen Förderer), George Clinton, Janet Jackson, Tina Turner und Sade zerlegt sie in deren Strukturen, steckt sie neu zusammen und macht so aus lang vertrauten Klängen Musik und Songs für eine neue Zeit. Ist eher sperrig als konventionell und zündet nicht unbedingt beim ersten Mal. Das macht als Ausgleich das wieder und wieder Hören umso reizvoller. Toller Ansatz und gelungenes Ergebnis.

Optimistische Melancholie

INDRA RIOS-MOORE arbeitet mit ähnlichem Ansatz, kommt aber zu sehr anderem Ergebnis. 9 von 11 Titeln sind Fremdfabrikate, von Gershwin zu Curtis Mayfield, von den Isley Brothers zu Steely Dan. Im Grunde alles Songs mit optimistischer Aussage, die in dieser Interpretation mit einem ordentlichen Schuss Langsamkeit und etwas Melancholie daher kommen. Alles mit komplett akustisch aufgestellter Band, gesungen in einem Mix aus Gospel, Jazz und natürlich Soul. Sie macht die fremden Songs durch die fein ausbalancierten Arrangements mindestens so sehr zu ihren eigenen, wie man es Madeleine Peroux nachsagt. Ihr „Carry my Heart“ ist ein feines Bindeglied zwischen Lizz Wright und Cassandra Wilson.

2 mal Blues zum Finale. DANIELLE NICOLE steuert mit ihrem „Cry no more“ deutlich in Richtung Rock mit satten Riffs und feiner Gitarrenarbeit. Sie spielt den Bass und singt, neben den geradlinigen ‚Rockern‘ finden sich feine Soul-Balladen. Wenn ich mich nicht täusche, ist sie mir vor Jahren schon im Trio Trampled Under Foot mit ihren Brüdern sehr positiv aufgefallen. Wer Beth Hart sagt, sollte an Danielle Nicole nicht vorbeischauen.

Schweizer Blues aus Mississippi

In der Schweiz längst eine grosse Nummer, ist PHILIPP FANKHAUSER hier noch eher ein Niemand. Sein neues Album „I’ll be around“ hat er im Studio des legendären Malaco-Labels in Jackson, Mississippi aufgenommen. Klasse Sänger, feiner Gitarrist, geschickte Songs-Auswahl, mit allen New Orleans Wassern gewaschene Band und perfekte Produktion, was kann m/f mehr erwarten? Zurücklehnen und die Musiker machen lassen!

Immer mal wieder weise ich an dieser Stelle auf das monatliche Treffen der ANALOG-FREUNDE hin. Am 23.3. (Freitag) ist es wieder soweit. Es wird gefachsimpelt über Röhren, Stecker usw. Und natürlich Musik gehört. Nicht nur Analog. An diesem Freitag geht es speziell um das Waschen von Vinyl Platten. Das ‚warum‘ muss m/f nicht debattieren, über das ‚wie‘ gibt es viele Meinungen. Nass oder Ultraschall? Wer darüber mehr erfahren will, ist sehr willkommen, es stehen 3 elektrische und 1 manuelle Waschmaschine zur Vorführung und Erklärung bereit. Ab 20h in der Boheme Boulette, Hansa Ring.

Autor: Günter

Archivtexte Ohrenschmauch