SLY & ROBBIE & NILS PETTER MOLVAER/ SLOAN/ ROYAL WOOD/ TOM MISCH/ BAD STREAM/ AB SYNDROM/ AKTE

haben sie für diverse Musik-Grössen den Background geliefert, von Gainsbourg bis Dylan, von Grace Jones bis Joe Cocker, aber dass SLY & ROBBIE mit NILS PETTER MOLVAER ein ganzes Album einspielen würden, habe ich nicht erwartet. Ferner sind mit von der Partie VLADISLAV DELAY und ARVE HENDRIKSEN. Nur kurz gehört, spannend gefunden, „Nordub“ erinnert mich ein bisschen an Miles‘ ‚Tutu‘.

Obwohl SLOAN bereits Album Nummer „12“ vorlegen, habe ich sie bisher nicht wirklich zur Kenntnis genommen. 4 Musiker, alle schreiben, alle singen, entsprechend unterschiedlich klingen die 12 Tracks, Pubrock, Shoegaze, Mitsing-Pop, Psychedelik, zusammengehalten von solidem Band-Handwerk und dem gemeinsamen Ziel, aus dem vorhandenen Material das beste Ergebnis zu machen. Nach 25 Jahren als Band noch so kurzweilig und frisch zu klingen, ist allein schon eine grossartiges Ergebnis.

Songwriter oft he Year

Noch einer aus Kanada. ROYAL WOOD legt mit „Ever after the Farewell“ eine wunderbar altmodische Songwriter/Pop-Platte vor. Texte mit genügend Tiefgang, sie zu verfolgen, Musik, sowohl in kleinen, kompakten Arrangements, als auch gross bis orchestriert. Harmonien, die gut ins Ohr gehen und Rhythmen, die zünden. Auch seine Vorgänger-Alben kenne ich nicht, aber besser können die kaum sein.

Der Name ist Programm

Eine erstaunliche Reife und Bandbreite bietet der erst 22 jährige TOM MISCH auf seiner ersten CD „Geography“. Er bastelt (wie er es nennt) seine Beats selbst, spielt einige Instrumente und lässt sich bei den Vocals von befreundeten Kollegen helfen. Stilistisch ist seine Mischung kaum einzuordnen. 80er Jahre Disco Grooves, jazzige Gitarrenarbeit, konventionelle Songstrukturen überwiegen, aber ein schöner, leichter Soul-Song steckt auch in diesem Portfolio. In diesem Zusammenhang kommen die Raps von De La Soul und auch nicht so bekannten Kollegen sehr relaxt herüber, kleine Zwischenspiele lockern den Sound, über 70 Minuten interessant zu bleiben gelingt längst nicht jedem.

Eine ganz andere Art Songs zu basteln verfolgt BAD STREAM. Der spielt ebenfalls Gitarre und Maschinen, schraubt aber nicht in Richtung Pop Song. Sein Acker ist eher die Abteilung gemässigtes Geräusch oder das Klangexperiment auf einem Grundton. Mal mit mehr oder auch mit weniger Rhythmus. Klingt sehr viel hörbarer, als diese Beschreibung vermuten lässt und erinnert mich in seinen stärkeren Momenten an die wilderen Züge von Massive Attack. Spannend, aber eher hefig.

Das Berliner Duo AB SYNDROM arbeitet ausschliesslich synthetisch. Eckige Maschinen-Rhythmen unter eigenwilligen Sounds, das Ganze aber in erkennbaren Songmustern und mit Gesang. Elektronisches Geplucker verdichtet sich zu Erkennbarem, Minimum-Background zur Harmonie, Textfragmente zum Refrain. „Plastik“- mit Absicht sehr künstlich.

Der Duft des Mittelmeeres

AKTÉ ist die griechische Göttin des Vergnügens und der Ruhe. Und der Name des Projekts von Fausto Beccalossi am Akkordeon, Claudio Farinone an den Gitarren, Elias Nardi an der Oud und Max Pizio an Kontrabass und Blasinstrumenten. Sie spielen überwiegend Traditionelles aus den Anrainer-Staaten des Mittelmeeres, von Katalonien bis Mazedonien. Allerdings nicht brav nach den Noten, sondern in sehr freier Interpretation, sodass dieses Werk in der Jazz-Kiste genau so berechtigt geparkt werden kann, wie in der nicht mehr existenten World Music Sektion. Wer sich den warmen Wind von der Seeseite vorstellen kann und das sanfte Geräusch der Wellen, dem bieten AKTÉ in 9 fast kammermusikalischen Variationen den Duft des Mittelmeeres.

Autor: Günter

Archivtexte Ohrenschmauch