DR.RING DING/ KLO PELGAG/ CHRISTOPHER KAH/ MOONFIRES/ RAY COOPER/ PAUL MORELLO/ MOCA

Wer das möchte, kann natürlich gern nach Bolivien fahren oder nach Mexiko. Vielleicht sogar in die USA, um sich dort eine Show mit DR.RING DING und Band anzuschauen. Einfacher ist es, sich am 4. Mai im Gleis 22 in der Hafenstrasse einzufinden, dort gibt der DR. eines seiner wenigen Konzerte in der Domstadt. Reggae, Ska, Dancehall und danach auf der Aftershow-Party ordentlich abfeiern. May the 4th be with you…(Zitat)

Kanadier gab es hier zuletzt reichlich. Jetzt mal eine aus dem französisch sprachigen Teil. KLO PELGAG heisst die junge Frau und bringt dieser Tage ihr 2. Album „L‘ Ètoile thoracique“ auf den Markt. Ihr Erstling wurde mit Preisen hinter und vor dem grossen Wasser überhäuft, ist mir aber in BRD nicht begegnet. Vermutlich wg. ‘falsche Sprache‘..In 13 sehr eigenwilligen Songs zeichnet sie das Bild ihrer Vorstellung von Leben. Verspielt, zwischen Chanson, etwas Pop und streng orchestrierten Melodien, erinnert ihr Vortrag ein wenig an die frühe Kate Bush. Charmant, etwas schräg und ziemlich unberechenbar, dabei leicht zu hören. Allerdings sicher nicht leicht genug für das Format-Radio.

Noch was aus der Abteilung Experimentierfreude. CHRISTOPHER KAH (nicht verwandt mit Hubert..) gestaltet sein „Limited Resource“ komplett als Knöpfe-Dreher. Wie der Titel andeutet, erzielt er mit minimalem Aufwand das möglichst maximale Resultet. Techno-Musik der Jetzt-Generation. Zwischen kleinem Pathos am Anfang, in Zwischenspielen und viel 4-to-the-Floor hypnotisiert er die Hörer mit monotonen, sich wiederholenden, rhythmischen Keyboard-Einwürfen.

ALEX PUDDU kann es nicht lassen. Mit schöner Regelmässigkeit veröffentlicht er mit jedem seiner Projekte neue Platten. Diese Mal sind es die MOONFIRES, die mit „Gotta keep it rollin“ ihr 2. Werk vorlegen. Definitiv Old School, d.h., jede Menge Menschen an diversen Instrumenten spielen leicht rockenden Funk in der Tradition der Ohio Players oder mit leichtem Afro Touch á la Mandrill. Mit fetten Bläsern und einem veritablen Sänger gelingt ihnen ein abwechslungsreiches Album mit vielen Reminiszenzen an eine Zeit, die musikalisch sicher nicht mehr zurück kommt, ohne dabei auf irgendeine Retro-Schiene zu geraten.

Macht alles allein

Aus der Tradition heraus hat RAY COOPER mittlerweile seinen Weg gefunden. Lange als Sänger mit der Oyster Band unterwegs, jetzt aber bereits beim 3. Solo und in Schweden angekommen. Auf „Between the Golden Age & The Promised Land“ spielt er alle Instrumente selbst, die Songs sind ohnehin die eigenen (bis auf 1 Traditional). Zwischen irisch anmutenden Motiven und britischer Songwriter-Schule beschreibt er Eindrücke, Erlebnisse und Träume seines Lebens. So geradlinig und klar, wie das Album auch produziert ist. Etwas romantisch, viel Gefühl und ganz echt.

Exzellente Handarbeit

‚Ein Typ mit einer Gibson L5, der für sein Leben gern Jazz und brasilianische Musik spielt‘, so beschreibt sich PAUL MORELLO selbst. Seine aktuelle CD „Sambop“ ist die entsprechend exzellente Mischung aus den Ur-Motiven des modernen Jazz und der Vielschichtigkeit brasilianischer Musik. Unterstützt von Schlagzeug und Bass plus Gast Lula Galvao an der akustischen Gitarre improvisieren und harmonisieren sich diese 4 durch 11 wohlausgesuchte Originale, sowohl aus dem südamerikanischen Schatzkästlein als auch dem Great American Songbook. Die unterschiedlichen Gitarren umspielen sich, ob mit Tempo oder in wundervollen Balladen, die Rhythmusgruppe unterstreicht die Stimmung und die Produktion lässt für mich auch nichts zu wünschen übrig. Very well done, Mates!

Long Time no see!

Lange nichts gehört von MOCA. In den Nuller Jahren nach 2 auffälligen Alben untergetaucht, aber noch da. „Cabriolet“ heisst ihr Comeback, und enthält 10 stilistisch breit angelegte Instrumentals plus 3 Tracks, die Ashley Slater singt, den wir auch von anderen Platten des ChinChin Labels in guter Erinnerung haben. Von smarten Downbeats in angejazzter Ausprägung über geradlinige Rocker und Funky-ness mehr als 1 Stunde geschickt programmierte Tracks, mit konventionellem Instrumentarium zum Leben gebracht und mit Finesse arrangiert. Höhepunkte sind für mich die Tracks mit langsamem Beat und ausgeklügelter Gitarrenarbeit. Nicht Jazz, aber sicher nicht einfach Pop. Schön dazwischen und auch ohne Gesangsspur spannend und überzeugend.

Autor: Günter

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