IRIE MIAH AND THE MASSIVE VIBES/ BEADY BLLE/ RYLEY WALKER/ The NEW MASTERSOUNDS/ DE-PHAZZ

Nachtreten muss in diesem Fall sein. Der ECHO ist Vergangenheit. Ok. BERTELSMANN (BMG), der Musikverlag, kündigt den Vertrag mit den Rappern. Und was ist mit den Verträgen der ca. 50 (geschätzt) weiteren Grob-Sprecher des Genres? Gewaltverherrlichend, menschenverachtend, frauenfeindlich und in hohem Masse a-sozial. Liebe BMG, vielleicht in Zukunft vor dem Vertrag die Texte mal lesen (oder hören, wer’s aushält), oder geht es weiter mit: Nicht aufgefallen, also Asche machen?

Roots Rockers in da City

Münster, the Home of Reggae Music? Dr. Ring Ding ist als Botschafter für den karibischen Offbeat weltweit unterwegs. Daneben gibt es hier die fleissigen Senior All Stars und jetzt haben IRIE MIAH AND THE MASSIVE VIBES eine neue CD fertig. Roots Reggae, wie zur Hochzeit dieses Sounds Ende der 70er, meine bevorzugte Variante. 10 selbstgestrickte Riddims plus ein Cover von den Abyssinians und eines von Thommie Bayer in fettem Sound. Kein Wunder, Markus Dassmann von den genannten Senior All Stars ist mit an Bord. Wie kaum jemand in dieser Stadt weiss der, wie’s geht. Abwechslungsreiche Arrangements, mit Bläsern, angedubbten Parts und durchweg flüssigen Grooves. Und keine ‚Happy go Lucky‘ Texte, „Times of Trouble“ umreisst den Inhalt sehr treffend.

Seit fast 17 Jahren verfolge ich die Auf und Abs in BEADY BELLE’s Tonträger-Karriere. Ganz in Ordnung bis besser fand ich die meisten ihrer weiteren 6 Alben. Mit „Dedication“, ihrem aktuellen Album knüpft sie an ihren Erstling an. Gut ausgedachte Songs , Pop mit ganz viel Soul und ein wenig Jazz, dazu Texte mit Hand und Fuss und eine Band, die einen Gospel getränkten Song genauso echt und überzeugend intoniert, wie eine knackige Funk Nummer oder einen stehen langsamen Blues. Mit einem solchen Background kann eine Sängerin wie sie all ihre Qualitäten ausspielen.

Zwei bei uns mässig erfolgreiche Platten gab es schon von RYLEY WALKER. Beide in der Grauzone zwischen Singer/Songwriter und Americana. Für sein neues Werk „Deafman Glance“ hat er sein Spektrum deutlich erweitert. Mit einer kleinen Gruppe ‚Verschwörern‘ hat er seine neuen Ideen in anders als gewohnte Klänge umgesetzt. Mehr elektrifiziert, trotzdem eher langsam im Gesamteindruck und bisweilen leicht psychedelisch. Und ganz klar zu vielschichtig, um sie nebenbei zu hören.

Grossmeister des Jazz-Funk

Eine der wohl dienstältesten Acid Jazz Combos des Planeten meldet sich mit Studio-Album Nummer 12 zurück an Deck. Mit Gitarre, Bass, Schlagzeug und Keyboards erzeugen die NEW MASTERSOUNDS nach wie vor frische Grooves zwischen Funk und Jazz, zum grössten Teil instrumental und mit der Gitarre als Tonangeber. Auf „Renewable Energy“ gibt‘s ausserdem eine hervorragende Gast-Sängerin auf einem Track und Trompete und Sax von den West Coast Horns sind ebenfalls mit an Bord. Es ist schon sehr erstaunlich, wie sie in diesem Genre immer wieder neue Impulse verarbeiten und Instrumentals erschaffen, die frisch und unverbraucht klingen. Und zum Finale dann auch noch eine exzellente Ballade.

Vorgerückt auf Los

Mal keine neuen Experimentierfelder, kein Ausflug in Rock- oder Jazz-Band Klänge, DE-PHAZZ kehren mit „Black White Mono“ zum Sound ihrer frühen Platten zurück. Lässige, gut abgehangene Grooves, einprägsame Melodien und der Gesang von Pat Appleton, Barbara Lahr und Karl Friersen. Dazu ein paar über die Jahre hinzu gewachsene Instrumentalisten und natürlich der geniale Sound-Tüftler Pit Baumgartner, der den Unterschied zwischen gesampelt und gespielt in Perfektion zu unerheblich degradiert. Und das jetzt schon seit 20 Jahren. Die ideal ausbalancierte Mischung aus Pop, Lounge, Jazz, Soul und ein wenig Funk. Möge DE-PHAZZ’s Geburtstagsparty noch lange weitergehen.

Autor: Günter

Archivtexte Ohrenschmauch

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