STEFANO BOLLANI/ MEIKO/ PISH/ LINEAR JOHN/ MATT HLUBOWSKI/ BEST OF DOWN IN THE VALLEY/ FANTASTIC NEGRITO/ WALTER ‘WOLFMAN’ WASHINGTON

Made in Rio

Die hätte gut in die vergangene Woche gepasst. STEFANO BOLLANI, anerkannte Grösse im Spektrum der Jazz Pianisten begab sich für sein „Que Bom“ in die ‚Höhle des Löwen‘. Seine Samba und Bossa durchtränkte CD nahm er mit brasilianischem Quartett (Bass, Drums 2x Perkussion) in Rio auf. Wie zu erwarten, schafft er es, diese typischen Rhythmen nicht als das viel zu oft missbrauchte Schubi-du, sondern als eine ernstzunehmende Variante Jazz zu intonieren. Entsprechend spielt die Gitarre auch nur eine Nebenrolle, dafür gibt es Gastauftritte einiger Grössen der brasilianischen Musik (Veloso, Bosco, Morelenbaum, H. de Hollanda) an Gesang oder ihrem spezifischen Instrument. Einprägsame Themen, fast alle selbst gefunden, erlesene Tonfolgen, nicht nur vom Piano und nicht nur dezente Improvisationen. Für Geniesser!

Cover Versionen in Audiophil

Die Herren Chesky, bekannt für die exzellente Klangqualität der von ihnen produzierten Tonträger, haben eine neue Freundin. MEIKO heisst sie, singt und spielt Gitarre. Begleitet wird sie von Bass und Drums und trägt auf „Playing Favorites“, wie es der Titel vermuten lässt, 12 ‚Hits‘ der vergangenen 50 Jahre in absolut abgestrippten Versionen vor. Vom ‚Zombie‘ der Cranberries zur ‚Bag Lady‘ von Erykha Badu, über Sade und Otis Redding zu Lee Marvin. Im Cover mehr Info zur Technik als zur Interpretin. Ist eine MQA CD (frag Herrn Guggel), spielt auf jedem CD Player und klingt, als stünde die kleine Combo vor eurem Sofa.

Kurzer Satz für PISH. 25 Minuten CD vom Kakkmaddafakka und seinem produzierende Bruder. Mehr Pop, als im Team, beinahe A-HA verdächtig.

Nicht aus Norwegen, sondern aus Finnland kommt LINEAR JOHN und der legt bereits sein 2. Album vor. Genauso zwischen allen Stühlen, wie der Erstling. Kurze, knapp gehaltene Songs mit freundlichen Harmonien und interessanten Finessen in den Arrangements. „Double Parade“ erinnert mich positiv an die spät 70er Fraktion der Popsong-Schreiber (z.B. Gerry Rafferty) und wird sicher nicht an vorderer Stelle der Neuheiten eures Streaming Anbieters gelistet sein.

Mit der ebenfalls 2. Platte von MATT HOLUBOWSKI wird es jetzt etwas introvertierter. Zwar mit vielhändiger Hilfe, jedoch meistens in kleiner, intimer Besetzung zeigt er, dass er ein Mann des Wortes ist. Ernste Texte über die kleinen und grossen Themen dieser Welt in beinahe zerbrechlichen Arrangements. „Solitudes“ wurde mit konventionellen Instrumenten in einem richtigen Tonstudio aufgenommen, das hört m/f.

Dafür bietet „BEST OF DOWN IN THE VALLEY“ ordentlich Druck und Krach. Wie schwärmt der Info Text: ‘A heavy Selection of Mod Rockers, Garage and Psych-Funk Tracks’. 18 sicher nur Sammlern bekannte Tracks obskurer Herkunft aber definiertem Ziel. Perfekter Soundtrack für Szene Treffs mit alternativer Möblierung und diversen Biersorten. Wahlweise auf 1 CD oder 2 separaten LP.

Der 2. Wurf

Zum Finale das neue Werk von FANTASTIC NEGRITO. Er steht nach wie vor knöcheltief im Blues, aber nicht angewurzelt. Das kann schon mal rocken wie Grand Funk Railroad oder auch einen deutlichen Gospel Touch haben oder eine Melodielinie, die eher nach Mekka klingt als nach Louisiana. Stramme Band, druckvolle Produktion und ein Sänger und Gitarrist, der nicht nach der Menge der Töne bewertet werden will. „Please don’t be Dead“ ist die willkommene Abwechslung in einem Genre, dass stark von Stereotypen gebeutelt wird.

Ganz kurz: Wer den Blues intimer, mit ganz viel Soul und wenig Instrumenten mag, kommt am neuen Album von WALTER ‚WOLFMAN‘ WASHINGTON nicht vorbei. „My Future is my Past“ ist der unbedingt zutreffende Titel.

Autor: Günter

Archivtexte Ohrenschmauch

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