SLIGHTLY STOOPID/ AUGUSTIN/ DIE STROTTERN/ YXALAG/ ROO PANES/ STANLEY CLARKE BAND/ THEO TRAVIS & ROBERT FRIPP

Gerade habe ich den Presseausweis aus Nr. 29 gelesen. Passt gut zu meinem Intro. Ich, aus dem ‚Hochtechnologie-Land‘ Deutschland, war ein paar Tage im Nachbarland. Und bin schwer beeindruckt. Autobahnen in gutem Zustand, Ränder nicht vermüllt, intelligente Ampelschaltungen in den Städten, weit fortgeschritten in der Balance zwischen PKW- und Radverkehr. Funktionierendes Beispiel angewandter Vernunft und Möglichkeiten. Wir müssen nicht alles selbst erfinden, abkupfern ist nicht die schlechteste Lösung.

Reggae aus Kalifornien

Wegen des anhaltend guten Wetters kommt jetzt eine Reggae CD aus dem sonnigen Kalifornien. Nicht wirklich Roots oder Old School, sondern aufgepeppt mit Elementen aus Hip Hop, Funk und weiteren Zutaten liefert „Everyday Life, Everyday People“ eine eingängige Mischung zum Genuss bei angenehmen Temperaturen. In den USA sind SLIGHTLY STOOPID eine fast schon grosse Nummer, weshalb es nicht schwierig war echte Reggae-Grössen, wie Yellowman, Don Carlos, Ali Campbell, Alborosie und weitere Unterstützer für dieses kurzweilige Abenteuer ins Boot zu holen.

Ein wenig Indie-Folk für die Einweg-Grill Party am Aasee, bei der dicke Bässe nur die Nachbarn stören. AUGUSTIN nennt sich die Band aus Bayern, klingt aber deutlich mehr nach britisch/irischen Wurzeln. Zu viert, mit Gitarre, Bass, Violine und Cello plus Gäste an Blasinstrumenten und Stimme bietet „Colors“ ein stimmungsvolles Set an selbst komponierten Liedern.

Für Freunde des ‚Wiener-Liedes‘ inkl. Schmäh, Sarkasmus und Wohlklang erwähne ich heute DIE STROTTERN. 2 Herren mit eher ungewöhnlichem Instrumentarium (Moog, Hammond, Rhodes sind nicht Standard beim Wiener Lied..) und 3 Gäste arbeiten sich an allerlei unterhaltsamen bis kunstvollen Themen ab. Bei „Waunsd woadsd“ liegt der Genuss in der Sprache und den absichtlich etwas spröden Arrangements.

Und noch einmal in Richtung Kunst und Kultur. YXALAG und deren „Fun Tashlikh“, im Untertitel Klezmer Tales, führt in 12 Tracks, sowohl aus der Tradition, als auch aus dem eigenen Kreativtopf von ‚erwartbaren‘ Melodien und Rhythmen über sehr jazziges Handwerk zu beinahe klassischer Kompositions-Technik. Nicht nur Feidmann’scher Schönklang, sondern besonders in den Balladen ein tiefes Verständnis der zugehörigen Melancholie.

Seit einer Woche physisch im Umlauf: Das 3. Album des britischen Folk-Songwriters ROO PANES. Der Titel „Quiet Man“ ist passend gewählt, und bei ‚Folk‘ denke bitte niemand an Tin Whistle etc. Eher an John Martyn als Anhaltspunkt. Ruhige, wohlüberlegte Songs zur Gitarre, dazu Klavier und Streicher. Introvertiert, jedoch gut nachvollziehbar, kunstvoll aber ohne Kitsch, warm und wohlig intoniert, auch wenn die Themen gelegentlich dunklere Seiten beleuchten.

Tief-Gitarre?

Das neue Album der STANLEY CLARKE BAND ist für mich eine kleine Tour de Force durch Themen und Technik, Stimmungen und Sounds. Mit 3 Mitstreitern und diversen Gästen, vom Beatboxer zu Sängern rasen sie durch ihr Sound-Universum. Apokalyptische Szenarien, Balladen, flitzefinger Riffs und klassische Themen. Und Jazz ist auch noch dabei. Nix für das Hören nebenbei.

Jenseits der Stille

Häufig gemeinsam unterwegs auf Konzerten, gelegentlich auch auf Tonträger konserviert findet m/f THEO TRAVIS & ROBERT FRIPP. „Between the Silence“ ist gleich ein 3er Set mit Konzerten aus den Jahren 2009 & 2010. Travis mit Alt-Flöte und Sopran-Saxofon, Fripp mit Gitarre, die nicht Einzeltöne oder Akkorde erklingen lässt, sondern, wie Herr Fripp sie nennt, ‚Soundscapes‘. Entsprechend finden sich neben den Kompositionen für diese Anlässe auch Tracks aus dem Katalog von King Crimson in meditativen Improvisationen. Die 3 Live Sets enthalten oft gleiches Material, je nach Ort und Stimmung entsprechend umgesetzt. Mit grosser Ruhe, unverkrampft und ohne Anspruch auf grosse Kunst schaffen die beiden auf „Between the Silence“ gleich 3 mal fast eine Stunde Musik jenseits der Stille.

Autor: Günter

Archivtexte Ohrenschmauch

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