HEILU MERGIA/ MARIA TORO/ JIM LAUDERDALE/ MASOYOSHI FUJITA/ IVY FLINDT

Sein erstes Album seit 2003 mit neu aufgenommenem Material zeigt HEILU MERGIA an einem neuen Punkt seiner Musiker-Laufbahn. Im Trio mit Bass und Drums entwickelt er seine gegenwärtige Vorstellung von modernem äthiopischen Jazz auf unterschiedlichen Tastaturen. Ob Klavier, Orgel, Akkordeon oder Melodica, seine Jazz geschulten Improvisationen in Verbindung mit Harmonien und Melodien aus der eigenen Tradition schweben in, durch und um den dichten Rhythmus-Teppich, den seine Kollegen aufbauen. Doch Klavier allein beherrscht er auch. In „Lala Belu“ kann m/f Afrika erkennen, deutlicher aber ist der Jazz.

Querflöte im Jazz

Noch eine kleine Runde Jazz. MARIA TORO spielt Querflöte. Und Jazz. Ist nicht ungewöhnlich, kommt in jüngerer Zeit nur seltener vor. Für ihr „Araras“ hat sie sich die Spanierin nach Rio begeben und mit vielköpfiger, fachmännischer Hilfe ein sehr lebendiges Brasil-Jazz Album aufgenommen. Das ergiesst sich nicht in Bossa Schönklang, sondern schöpft aus diversen rhythmischen Quellen in wechselnd grossen Besetzungen, zu denen auch eine Flamenco Gitarre gehört. Weit ausladende Improvisationen, bevorzugt von der Flöte und ein fein abgestimmtes Zusammenspiel der weiteren Beteiligten unter der Regie von Hermeto Pascoal lassen positivste Erinnerungen auftauchen an Jeremy Steig oder Herbie Mann.

Gleichzeitig 2 neue Alben legt JIM LAUDERDALE vor. Eines davon, „Jim Lauderdale & Roland White“ ist ein schmissiges, reines Bluegrass Album, dessen Mastertapes nach fast 40 Jahren wiedergefunden wurden. Das andere, „Time Flies“, aktuell eingespielt, zeigt ihn als den, den wir in den letzten 25 Jahren kennen gelernt haben. Schlagwort ‚Americana‘, zusammengesetzt aus gefühlsgesteuertem Country, lässigen Rockern, ein wenig ‚Erwachsenen Rock‘, Wüstenstimmung und anderen Einflüssen. Erstaunlich, auch nach gefühlten 30 Platten hat er immer noch Geschichten zu erzählen, fallen ihm immer wieder feine Melodien ein. Und entspannt bleibt er dabei sowieso.

Vibraphon mal anders

Die beiden ersten Werke dieser Trilogie sind komplett an mir vorbei gegangen. „Stories“ und „Apologues“ heissen die und auch die dritte in der Reihe, „Book of Life“ ist ein Vibraphon solo Album. Auf der ständigen Jagd nach neuen Sensationen fallen solche Kleinode leicht durch das Raster. MASAYOSHI FUJITA lebt und arbeitet (komponiert) in Berlin, seine Musik zählt zu dem Genre, für das ich noch keinen griffigen Oberbegriff habe. Die Schublade, in der ich auch Nils Frahm, Poppy Ackroyd oder Olafur Arnaldson lagere. Neo Klassik klingt mir zu statisch, Ambient oder Chillout hat die Industrie in den vergangenen 25 Jahren zu Schimpfwörtern verwandelt. Was also sagen zu dieser minimalen, durchaus wohlklingenden, dem Experiment jedoch nicht abgeneigten Musik. Hier mit langsamen Melodien des Vibraphons, mit viel Hall, gelegentlich verfremdet oder von Streichinstrumenten unterstützt, zelebriert Herr Fujita den Klang der Ruhe. Kein störender Rhythmus, kein Chorus, Refrain, einfach unterschiedlich lang fliesende Tonfolgen, die die Fantasie der Hörenden extrem beflügeln kann.

Beseeltes Duo

Die hier gehört auf jeden Fall zu meinen Tipps des Jahres für alle: IVY FLINDT und deren „In every Move“. Singer/Songwriter Duo, in den Konstruktionen nicht weit von den Stone Geschwistern. Sie mit einer vielseitigen und gut trainierten Stimme, er als ein Gitarrist, der sie mit seinen Tönen stützt, antreibt, umschmeichelt und wo möglich, ergänzt. Dezente Band, ausgesprochen effektiv sparsame Produktion und Songs, die ‚hängen bleiben‘. Nie vorher gehört, grosser Wurf aus dem Stand!

Autor: Günter

Archivtexte Ohrenschmauch

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