UNDERWORLD/ MARK LANEGAN/ STONE FOUNDATION/ MONO & NIKITAMAN/ SOPHIE HUNGER/ OLA KVERNBERG/ PHIL FRANCE

Früher hatte der Mensch noch Erlebnisse. In dieser schnelllebigen Ära ist dafür keine Zeit. Erlebnisse werden komprimiert auf Momente. Schafft m/f in der gleichen Zeit mehr.

Der Sänger des ermittelten Sommerhits des Jahres (‚Bella Ciao‘) kann sich freuen. Vom Erlös aus dem Verkauf des physischen Tonträgers (CD) kann er sich einen luxuriösen Döner gönnen. Dazu kommt natürlich noch die Abrechnung des hunderttausendfachen Streamings. Das wird für mindestens 4 Kisten Bier reichen.

Für alle, die ihre Musik auch gern mal in die Hand nehmen kommen hier wieder meine Tipps der Woche.

Die Alt-Hippies von UNDERWORLD haben sich für ihren „Tea Time Dub Encounter“ einen der ältesten Punks, nämlich IGGY POP, als Vokalisten eingeladen. 4 Tracks in leicht altmodischen, elektronischen Beats mit dem dazu passenden Tempo und der flexible alte Mann singt und spricht dazu die passenden Worte. Musikalisch mindestens ok, inhaltlich noch mehr.

Auf die nächsten Drei bin ich gespannt, sie liegen mir noch nicht vor. MARK LANEGAN’s (fleissig fleissig!) „With Animals“ wird sicher auch von anderen Einwohnern unserer schönen grünen (aktuell eher braunen) Anlage erwartet. Allerdings weiss m/f bei ihm vorher nie genau, wie das Ergebnis ausfallen wird.

Die STONE FOUNDATION hat schon mit dem Vorgänger-Album (mit Paul Weller) Furore gemacht. In der Zwischenzeit sind sie Festland-Europa landauf landab getourt, waren sogar in Münster und sind jetzt mit „Everybody, Anyone“ am Start. Ich bin sehr neugierig, wohin sie ihre Neo-Retro-Soul Grundlage führt.

Bei MONO & NIKITAMAN konnte ich bislang deren Blick auf die Welt gut teilen. Ob das bei ihrem neuen Anlauf „Guten Morgen, es brennt“ auch so sein wird, klärt sich spätestens am Freitag dieser Woche.

mit mehr Elektronik

Es gibt relativ lange Pausen zwischen ihren Veröffentlichungen. Fleissig ist sie zwischendurch trotzdem. Film-und Bühnenmusiken, Konzerte usw. Für ihr neues Werk hat SOPHIE HUNGER einen ordentlichen Schritt zur Seite gemacht und ihre ohnehin nicht zum Mitsingen vorgesehene Musik mit deutlich erkennbaren elektronischen Beats versehen. Ist deswegen noch längst kein Techno und zielt auch nicht auf den Tanzboden. Die erweiterten technischen Möglichkeiten geben ihren Songs, neben den in diesem Fall sehr persönlichen Ansichten, eine weitere Dimension. Stehen bleiben oder gar sich wiederholen ist nun mal einfach nicht ihr Ding. Leben ist Herausforderung, das Album heisst „Molecules“.

Krautrockverdacht!

Bein Anblick des Covers dachte ich au weia, schon wieder so eine Düstermusik aus dem hohen Norden. Weit gefehlt. Nach ambientem Intro wachen die 7 Herren auf und entfesseln eine furiose Mischung aus Rhythmus, Instrumenten-Ausflügen und ungewöhnlichen Harmonie-Folgen. Da streut der Chef, OLA KVERNBERG, mit seiner Violine Melodien ein, die er aus Filmmusiken zu erinnern scheint, Folk-Motive oder wechselt zur Orgel und grummelt im Hintergrund. Der Musik-Mix auf „Steamdome“ erinnert mich ganz verschärft an die Hochzeiten unseres Krautrock. Sehr Hörenswert!

Ambient/Chill/Grauzone

Zum Schluss was zur Beruhigung. Lange Jahre mit dem Cinematic Orchestra aktiv, jetzt legt PHIL FRANCE mit „Circles“ sein 2. Solo Album vor. Minimal kurze Keyboard Melodien vor flächigen Streichern aus der Konserve, klar erkennbare Strukturen und ausgesprochen angenehm fliessende Harmonien. Nicht so zuckersüss wie Blank und Jones, nicht so abstrakt wie Olafur Arnaldson oder Nils Frahm. Eher in die Region Tangerine Dream, Klaus Schulze oder J.M. Jarre zielend. Chillig trotz gelegentlich flottem Unterbau.

Autor: Günter

Archivtexte Ohrenschmauch

Günter Günter

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