MILIAN OTTO/ MICHAEL PRICE/ TORUN ERIKSEN/ MADELEINE PEYROUX/ OUT OF NATIONS

Im absoluten Alleingang hat der Schauspieler MILIAN OTTO eine sehr poetische Liedermacher Platte eingespielt. Vom sensiblen Gitarren Spiel bis zur Bedienung der Tonbandmaschine gab es keine fremde Hand. 11 eigene Songs aus dem persönlichen Erleben der Welt, Texte deren Reime weder peinlich noch an den Haaren herbeigezogen sind plus ein Traditional ‚Trotz alledem‘, das er mit einem neuen Text versehen hat. Sentimental ja, jedoch ohne verklärte Romantik, mit kritischem Blick auf die Welt und den Umgang der Menschen miteinander. In seinem zurückhaltenden Ton und der gar nicht zeitgemässen, sparsamen Produktion ist „Wahnwitz und Gelegenheit“ fast ein wenig aus der Zeit gefallen.

Von den vielen Grenzgängern zwischen ambienter und zeitgenössischer Musik kann m/f MICHAEL PRICE am ehesten zu den konventionelleren Komponisten zählen. Auch wenn er sein Partituren nicht für die gewohnten Orchestergrössen oder kleinere Besetzungen schreibt. Für sein aktuelles Werk „Tender Symmetry“ hat er sich und seine Musiker und Technik an 7 ikonische Bauwerke und Geschichtsstätten in ganz England begeben, sich von ihnen inspirieren lassen und ganz individuelle ‚klein-sinfonische‘ Musiken für sie kreiert. Ruhige, ausgewogene Klänge der grösseren Streicher Ensembles ergänzt auf einigen Titeln mit der Sopranistin Grace Davidson, die Texte aus William Blakes‘ Werken vorträgt. Das ist nicht nur ‚Neo-Klassik‘ oder ‚zeitgenössisch‘, sondern in ‚Voll-Stereo‘, also ohne MP3 Datenreduktion, eine Wucht. Ausgefallene Idee grandios umgesetzt!

Feiner Gesang ohne Band

In Zeiten des Überflusses ist es gelegentlich ganz heilsam, sich auf das Wesentliche zu reduzieren. Gesagt, getan, TORUN ERIKSEN hat als Begleitmusiker auf ihrem „Luxury and Waste“ lediglich einen Bassisten dabei. Der allerdings versteht es ganz famos den 9 Songs mit seinen Melodien und Grooves ihren jeweils eigenen Charakter zu verschaffen. Torun selbst ist auf ihrem 6. Album in knapp 15 Jahren wohl in der Form ihres Lebens. Bei diesem extrem reduzierten Background kann sie ihre gesanglichen Qualitäten voll ausspielen, nichts wird verdeckt oder verschönt. Die gelungenste Variation von Melancholie in diesem Jahr.

Feiner Gesang und viel Band

Das genaue Gegenteil: Insgesamt 18 Musiker sind an der neuen CD von MADELEINE PEYROUX beteiligt. Unter der Regie von Larry Klein geht es durch 12, in diesem Fall bis auf das Titelstück von Leonard Cohen, für dieses Werk komponierte Songs. Die stilistische Bandbreite reicht von Oldtime Jazz Rhythmen über rockende Songs zu Nummern mit intensivem Bläsereinsatz und jazzigen Improvisationen. Da gibt es für die Sängerin reichlich Gelegenheit ihre Fähigkeiten umzusetzen Von Vamp bis zurückhaltend und geziert hält sie auch in diesem Zusammenhang die Fäden in der Hand. Ob im sentimentalen Wettstreit mit der Harmonika bei der innigen Interpretation von Cohens‘ ‚Anthem‘.

WorldmusicJazzRockPop

Inspiriert durch die Lebensgeschichte von Lety ElNaggar, der amerikanischen Musikerin mit ägyptischen und mexikanischen Wurzeln, spielt OUT OF NATIONS, das Ensemble aus Wegbegleitern, Freunden und Dazugestossenen eine äusserst ungewöhnliche Mischung von Elementen aus Pop und Rock, jazzigen Rhythmen und einem deutlichen Einschlag arabischer und lateinamerikanischer Musik. Aufgenommen in New York, Kairo und bei den Jazzanovas in Berlin werfen diese 6 ein hörenswertes Licht darauf, wie eine ‚Weltmusik‘ klingen kann, wenn sie nicht durch geografische Interessen, kommerzielle Vorgaben oder Grenzen im Kopf eingeengt wird. Euro-amerikanischer Fusion Rock in Jazz geschulter Ausführung mit Rhythmen und Melodien von arabisch bis latin. „Quest“ ist dafür der gut ausgewählte Titel.

Autor: Günter

Archivtexte Ohrenschmauch

Günter Günter

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