MPS RECORDS 50 YEARS/ JOANNE GRAUER/ NOW VS NOW/ PARI SAN/ SKA AROUND THE WORLD

Happy Birthday und DANKE!

Deutschlands erstes Jazz Label feiert in diesem Jahr seinen 50. Geburtstag: MPS - Musikproduktion Schwarzwald, das sind die Schallplatten mit den schön glänzenden Covers, die in den Second Hand Läden fast immer deutlich teurer sind, als die meisten anderen Vinyls. Dabei sind die Hüllen nicht der Grund für den Preisaufschlag. Gründer Hans Georg Brunner-Schwer legte schon vor der eigentlichen Gründung der Marke grössten Wert auf exzellente Aufnahme-Qualität. Und auf hervorragende Musiker. Zum Jubiläum gibt es jetzt auf CD den „MPS RECORDS 50 YEARS“ Sampler. 18 Tracks, darunter einige aus neuerer Produktion, das Label wurde 2014 wiederbelebt, die einen guten Einblick in die weitgefasste musikalische Welt des Gründers zeigen und ebenso vermitteln, dass auch unter neuer Leitung die alten, hohen Standards mindestens gehalten werden. V. Kriegel, G. Duke, Malia, M. Murphy, für mehr Details ist die Seite zu kurz. Hören und faszinieren lassen.

Seit 2014 wurden schon einige Klassiker sowohl als Vinyl, CD als auch als heisse Luft ( virtuell) neu aufgelegt, als besonderes Schmankerl werden in loser Folge einige weitere Meilensteine in der Serie Ambassadors for MPS neu aufgelegt. Jeweils die Lieblingsplatten unterschiedlicher Persönlichkeiten der gegenwärtigen Musikkultur. Den Anfang macht Gilles Peterson, der das 1977 aufgenommene Album der Pianistin JOANNE GRAUER seinen Favoriten nennt. „Introducing Lorraine Feather“, so der Titel des Album, weil diese 3 Tracks des Albums mit ihrer Vokalkunst verfeinert. Modern Jazz im Trio mit Gästen an Blasinstrumenten und Perkussion mit einem leichten Touch Brasil. Und vor allem, immer etwas Groove, sodass ich die Wahl des jetzt bereits Uralt-DJs sehr gut nachvollziehen kann. Bin gespannt, was da noch kommt.

Ist das Jazz? Und wie!

Da bleibe ich noch kurz beim Jazz, 40 Jahre jünger. NOW VS NOW, das Trio um Keyboarder Jason Lindner veröffentlicht „The buffering Cocoon“. Der durch seine Mitarbeit an Bowies‘ ‚Black Star‘ jetzt einem grösseren Publikum bekannt sein dürfte. Eigentlich konventionell besetzt, Tasten, Bass, Drums, klingt es hier jedoch sehr anders. Effektgeräte, elektronische Verfremdungen, verschleppte Rhythmen, apokalyptische Sound-Kreationen, die nicht unbedingt sofort die Klassifizierung Jazz nahe legen. Trotzdem gelingt es den dreien, den Titeln so etwas, wie eine erkennbare Song-Struktur zu geben, auf dass musikalisch nicht so austrainierte Ohren, sich gut und schnell auf diese unerwarteten Klänge einstellen können.

Auch die nächste passt in kein gängiges Beuteschema. PARI SAN „R.I.P. Identification“. Titel gut gewählt, der Gesang der gebürtigen Iranerin Parissa Eskandari und die synthetischen Sounds des Mikrosystemtechnikers Paul Brenning ergänzen sich treffender erwartet. Aber kein Pop á la Lennox/Stewart, eher das Ausloten von Harmonien und Rhythmen in Richtung Björk. Auch hier gilt, es liest sich weitaus dramatischer, als es klingt, die zwei gestalten ganz gekonnt Songs, die sie jedoch nie ‚glatt durchlaufen‘ lassen. Brüche, Tempowechsel, Schatten und Sonne, unerwartete Klänge und spannende Entwicklungen. Gelegentlich etwas Technik verliebt, aber nie den Zweck aus den Augen verlierend.

Wirkt auch ohne Rezept

Diese wollte ich eigentlich vorher Dr. Ring Ding vorlegen, zwecks ankreuzen der Combos, mit denen er schon gespielt hat. „SKA AROUND THE WORLD“, neu aus dem Hause Putumayo, ist genau das, was der Titel verspicht. In Brasilien, Kanada, Spanien und Jamaika sowieso, Algerien, Russland, überall auf der Welt gibt es offensichtlich nicht nur Fans dieser karibischen Variante von R’n’B, sondern auch Musiker, die ihr Handwerk beherrschen und so dem Sound noch jeweils ein klein wenig Lokalkolorit beimengen. 10 x gutgelaunte Kurzweil. Anwendung auch ohne Rezept empfohlen.

Autor: Günter

Archivtexte Ohrenschmauch

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