CAOILFHIONN ROSE/ MR. CONFUSE/ DANIEL BRANDT/ VALLEY MAKER/ ROCKET MEN/ STERZINGER KOELDORFER SCHADEN

Hat der Bundes Jogi die Kurve doch noch mal gekriegt. Zumindest am Ball also erst mal keine weiteren Personal-Diskussionen; München und Berlin werden damit noch lange Spass haben.

Neues Gesicht aus Manchester

Ganz wunderbar zwischen allen Stühlen bewegt sich CAOILFHIONN ROSE mit ihrem Debut „Awaken“. Prinzipiell mehr unterwegs als Songschreiberin am Klavier, hat sie für ihre CD personell etwas aufgestockt. Mit den Herren Halsall vom Gondwana Label und einigen Freunden versieht sie ihre sanften, positiven Lieder mit so ungewöhnlichen, wie wohlklingenden Arrangements. Aus Folk-Motiven, Anklängen an ‚typische‘ Manchester Harmonien, im Hintergrund bleibender Elektronika und dezent psychedelischem Touch zusammen gesetzt, wirken ihre Songs auf mich, wie Julee Cruise‘s Soundtrack zu Twin Peaks. Dazu leistet natürlich ihre Stimme einen gewichtigen Beitrag.

Funk aus Hannover

Zu MR.CONFUSE aus Hannover. Seit etwa 20 Jahren im Geschäft, vom DJ zum Produzenten und Label Macher. Mit „Only a Man“ legt er seine 2018er Variante vor. Von Funk Made in Germany. Mit einem ganzen Strauss an Musikern, darunter diverse SängerInnen, natürlich Rhythmusgruppe, dazu Hammond, Rhodes und Bläser. Klingt im Ganzen perfekt altmodisch modern. Altmodisch, weil konventionelle Instrumente und dazu passende Arrangements und Tempi. Und modern, weil gar nicht erst versucht wird, wie früher zu klingen. Da werden Erinnerungen wach an Average White Band und andere gelungene Versuche mit europäischem Funk. Eine gelungene Adaption des ex Gassenhauers ‚Let the Music play‘ und pfiffige Instrumental-Arbeit, auch bei langsamem Tempo machen ‚Only a Man‘ zu einer runden Sache.

So arbeitet er also..

DANIEL BRANDT (von Brandt Bauer Frick) lässt seinem 2017er ‚Eternal Something‘ ziemlich kurzfristig sein neues Werk „Channels“ folgen. Minimalistisch in Aufbau und Struktur ergänzt er die elektronischen Sounds mit konventionellen Instrumenten, verpasst den theoretischen Konstruktionen damit eine ordentliche Portion Lebendigkeit, macht sie auch für nicht musikalische ausgebildete HörerInnen verständlich und nachvollziehbar. Inspiriert aus Techno und Jazz, Soundtrack Momenten und klassischem Minimalismus. Und m/f kann dazu sogar tanzen!

Austin Crane’s Songs könnten sehr gut auch nur mit Gitarre und Stimme umgesetzt bestehen. Als VALLEY MAKER versieht er sie für die CD „Rhododendron“ mit kompakter Band. Persönliche Geschichten über das sich Fortbewegen, damit verbundene Erfahrungen und die Spuren, die m/f hinterlässt. Dabei entwurzelt aber doch wieder eingebunden zu sein. Vorsichtig instrumentiert, gefühlvoll arrangiert, mit eingängigen Harmonien versehen und mit der passenden Zurückhaltung vorgetragen. Diese Platte würde vielen Menschen gefallen, leider werden die meisten sie nie hören.

Eine nicht so leicht zu beschreibende Mischform aus Jazz, Rock, globalen Rhythmen produzieren die ROCKET MEN. Zu sechst, mit Instrumenten und etwas Elektronik navigieren sie von ekstatischen Improvisationen zu Balkan angehauchten Klängen, von sägender E-Gitarre zur lyrischen Flöte. Ohne jedoch dabei den rhythmischen Faden zu verlieren. Dazu gesampelte O-Töne und ein nicht zu überhörender humoriger (im Sinne von Spass am Tun) Umgang mit den durchkreuzten Genres. Entsprechend enthält „Twerk & Travel in Space“ sogar einige Momente für den qualifizierten Tanzboden.

Zum Schluss ein wenig Wiener Schmäh. STERZINGER KOEHLDORFER SCHADEN untermalen ihre sarkastischen Worte mit Akkordeon, Kontrabass und Gitarre. „Keuschheit und Demut in Zeiten der Cholera“ gibt als Titel schon die Richtung vor. Kein neuer Jugend-Hype, mehr alteingesessene Grantler. Wichtig: Die Sprache ist auch für Norddeutsche gut zu verstehen, das Gesamtwerk für den ‚Heurigen‘ nur sehr bedingt geeignet.

Autor: Günter

Archivtexte Ohrenschmauch

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