ZOOTCASE/ JOHANNES ENDERS/ KILKENNYS/ DISTANCE, LIGHT & SKY/ STUDEBAKER JOHN/ KING CRIMSON

An der Qualität seines Gesang lässt sich leicht festmachen, dass Kees Schafrat alias ZOOTCASE nicht neu ist im Geschäft. Trotzdem ist „The only One“ seine erste CD, die mir vor die Ohren gekommen ist. Mit warmer, markanter Stimme intoniert er 11 selbst verfasste jazzige Popsongs. Umgekehrt passt auch, begleitet von einem handwerklich austrainierten Trio aus Piano, Bass und Drums plus Gästen auf einzelnen Titeln. Sehr eingängig, arrangiert, dabei nie flach oder simpel, sehr gut ausgewogen zwischen Vokal- und Instrumentalarbeit schwankt die Stimmung von dezent swingend (nicht Swing!) zu glaubhaft vorgetragener Melancholie. Erinnert in Passagen an Chet Baker, besonders wenn Gast Eric Vloeimans mit der Trompete die Gesangsspur ergänzt und erweitert.

Tenor-Saxophonist der Extra-Klasse

In nur 8, dafür aber meist umso längeren und sehr sensiblen Auseinandersetzungen mit den Themen Harmonie, Komposition und Improvisation setzt sich JOHANNES ENDERS mit dem Thema Musik auseinander. Begleitet von einem hervorragend interagierenden Trio, dem er gebührend Raum gibt, überzeugt Deutschlands vielleicht wichtigster Tenor-Saxofonist mit seinem individuellen Ton und der Fähigkeit seine melodischen Improvisationen trotz Komplexität problemlos nachvollziehbar zu gestalten. Sein „Endorphin“ ist für mich eine der besten Jazz Platten dieses Jahres.

Die Dubliners sind ja bereits in der mindestens 3. Generation als diese unterwegs. Da wird es mal Zeit für Nachfolger. Diesen Weg beschreiten die KILKENNYS mit ihrem „Blowin‘ in the Wind“. Seit 20 Jahren im Training sind sie alles andere als Newcomer, erfreuen aber erst seit Jüngerem die Fans irischer Folkmusik im Ausland mit ihrer Auffassung von Tradition. Natürlich einige heimische Titel, dazu aber gut ausgesuchte aus dem Singer/Songwriter- Universum sorgen für Abwechslung, mit dem Instrumentarium der Vergangenheit und dem fein abgestimmten mehrstimmigen Gesang ist ihr Werk ganz sicher mehr, als nur gehobene Unterhaltung zum Trinkgelage.

Ausnahme-Erscheinung

Zum Glück ist es nicht bei der einmaligen Zusammenarbeit von Chris Eckman, Chantal Acda und Eric Thielemans als DISTANCE, LIGHT & SKY geblieben. Ihr ‚Casting Nets‘ war eines der herausragenden Singer/Songwriter Alben des Jahres 2014. Und jetzt kommt „Gold Coast“, die Fortsetzung mit 9 weiteren ‚raumgreifend schönen Folksongs‘ (Zitat). Quasi Live im Studio, ohne grosse Overdubs, zeigen die 3, das ein gut ausbalancierter Song mit Texten aus und über die Zeit, keine technische Aufbereitung braucht. Authentizität, handwerkliches Können und ein ausgeprägtes Gefühl für stimmige Harmonien und Arrangements machen computerisierte Nachbearbeitung überflüssig. Die Musik und die Qualität des Vortrags sprechen für sich selbst.

Ganz allein, mit Harmonika, Stimme und elektrisch verstärkter akustischer Gitarre bluest sich STUDEBAKER JOHN durch die 13 selbst geschaffenen Tracks seiner CD „Songs for None“. Kurze Berichte aus dem Leben eines langsam in die Jahre kommenden Musikers. Keineswegs resigniert, vor allem aber raffiniert im Zusammenspiel seiner beiden Instrumente mit der im Lauf der Zeit gegerbten Stimme. Country Blues für die späte Stunde.

King Crimson XXL

Noch keinen Ton gehört, aber trotzdem schon dabei. „Meltdown“, KING CRIMSON in XXL als 3fach Live CD plus Bluray Disc. Aufgenommen in Mexico 2017, ein grosser Querschnitt durch das Repertoire einer der dienstältesten ‘Progressive’ Bands in der aktuellen ‚grossen‘ Besetzung. Die BluRay enthält in diesem Fall sogar etwas Bildmaterial dazu den Konzertmitschnitt im Crimson üblichen 5.1. Surround Sound und in High Resolution Stereo. Das gibt ordentlich auf die Ohren. Für Fans ohnehin unverzichtbar, falls noch besser als erwartet, wird sie auf dieser Seite ein weiteres Mal erscheinen!

Autor: Günter

Archivtexte Ohrenschmauch

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