TONY JOE WHITE/ KING CRIMSON/ JERRY PAPER/ MOONLIGHT BENJAMIN/ LISA BASSENGE/ STEINER & MADLAINA/ REVEREND RUSTY & THE CASE

Und wieder ist ein grosser von uns gegangen. TONY JOE WHITE ist gestorben. Den Begriff Swamp Rock hat er seit den späten 60ern mit Leben gefüllt. Dieser Mischung aus Blues-Struktur, dem Lebensgefühl der Menschen in Louisiana mit einer Prise Country. Dem Massen-Publikum eher unbekannt geblieben, sind dem allerdings viele seiner Songs in der Interpretation von namhaften SängerInnen (Tina Turner, Joe Cocker, Eric Clapton…) sehr wohl geläufig.

Wie versprochen, zurück zu „Meltdown“. Die Titel-Auswahl aus gut 40 Jahren Bandhistorie präsentiert KING CRIMSON, Version 9.0, (eigene Aussage) fast wie ein Sinfonie-Konzert. In der aktuellen Grossbesetzung mit 3x Drums, 2x Keyboard, Gitarre, Bass und Saxofon navigieren sie durch vollen Klang, schroffe Riffs und lyrische Passagen im fliessenden Wechsel. Als absolut gleichberechtigte, homogene Einheit. Wie schon 2x geschrieben (zu ‚Live in Chicago‘, Live in Wien‘), mit der Präzision eines Orchesters, der Spontanität und Improvisationsfreude einer Jazz-Combo und dem Schalldruck einer Rockband. Chapeau meine Herren!

Soul? Pop? Schön anders

In Sound um Umsetzung durchaus verwandt mit dem Debüt von Mayer Hawthorne kommt das Projekt JERRY PAPER mit seinem „Like a Baby“ um die Ecke. Kein Wunder, gleiches Label. Klingt wunderbar altmodisch, jedoch ohne die beliebte Retro-Attitüde. Das liegt nicht nur an den überwiegend konventionellen Instrumenten. Die Songs sind einfach munter und ungewöhnlich arrangiert, Inspiration aus verschiedenen Ecken des Musik-Universums geschickt eingearbeitet ohne erkennbare Rücksicht auf momentan gängige Muster. Schön quer und trotzdem leicht.

Ebenso quer für eine zeitgemässe Blues Platte kommt „Siltane“ von MOONLIGHT BENJAMIN daher. Karibisch/afrikanische Sängerin mit französischer Band. Der durchaus Rock-orientierten Band drückt sie durch ihren Gesang und die Verwendung rhythmischer Einflüsse aus ihrer Herkunft einen sehr eigenen Stempel auf. Rockender Blues mit für mich viel afrikanischer Note.

Sehr intime Variante

Immer auf der Suche nach einer weiteren unentdeckten Seite ihrer selbst, hat LISA BASSENGE ein Album mit ausschliesslich Fremd-Kompositionen eingespielt. Auf „Borrowed and Blue“ gibt es Songs von Lennon/McCartney über Paul Simon zu Bill Withers, George Gershwin und weiteren Perlen. In Kleinst-Besetzung, nur von Bass und Piano begleitet, entfalten sich ihre Stimme und ihr Vortrag klar, deutlich und überzeugend. Die breit gefächerte Auswahl der Titel, gibt einen guten Einblick in ihre musikalische Welt. Durch die fast intime Interpretation dieses Trios besteht erst gar nicht die Gefahr, gutes noch besser machen zu wollen, sondern es nutzt die Chance diese fremden Federn zu ganz eigenen zu machen.

Frisch, fromm, fröhlich, frei!

Zwei talentierte Songschreiberinnen und toll aufeinander abgestimmte Sängerinnen sind STEINER & MADLAINA. Mittlerweile mit voller Backup-Band präsentieren sie mit „Cheers“ ihren Erstling. Texte aus dem (unseren) Leben im Überfluss, dem wir vor lauter Verlustangst weiteren Konsum entgegensetzen. Nicht auf sanft und weinerlich produziert, wie es andere deutschsprachige Aufsteiger bevorzugen, sondern mit etwas 60ies Charme, kurzen, einfachen Harmonien, geschickt gestaffelten Arrangements und dem bereits genannten zweistimmigen Gesang. Frisch und ehrlich.

„Rough Times“, er kann das sicher beurteilen, ist ja schon lange im Geschäft. Mit Gitarren, Banjo, Mandoline, Drums, Tuba und Bass (nicht alles gleichzeitig!) arbeiten sich REVEREND RUSTY & THE CASE durch das Programm ihrer aktuellen CD. Blues ist die Basis, Rock ist die Ausführung, auch wenn mal ein jamaikanische Groove auftaucht. Gut trainierte Handwerker mit einem Händchen für einen funktionierenden ‚Flow‘. Live sind sie mehr im Süden unterwegs, lokale Veranstalter sollten hier auch mal ein Ohr riskieren.

Autor: Günter

Archivtexte Ohrenschmauch

GünterGünter

Weitere Beiträge 2018