MÜNSTER ABOVE/ ANALOG-FREUNDE/ EXTRAWELT/ MARIANNE FAITHFULL/ MOCKY

Mit DEM lokalen Thema geht’s los. MÜNSTER ABOVE / Münster von oben, auf DVD und BluRay. Unsere schöne grüne Anlage aus der Vogelperspektive. Viele haben das Erlebnis bereits auf grosser Leinwand hinter sich gebracht, jetzt geht das auch auf dem heimischen TV. Für die Einwohner ein besonderer und durchaus detaillierter Blick auf das, was sie sonst eher von unten sehen, für Münster-Fans in aller Welt eine gute Gelegenheit, sich einen echten Überblick zu verschaffen.

Ebenfalls klar lokal, wenn auch immer mit Besuchern von Auswärts, ist das regelmässige Treffen der Analog-Freunde im Boheme Boulette. Am Freitag, den 30. November ab 20h wird wieder gefachsimpelt über Röhren, Tonabnehmersysteme und Membranen. Und natürlich Musik gehört, und das nicht nur analog.

Den Hype auf dem „Waschzettel“ zur CD kann ich nicht so ganz nachvollziehen. Ist eine intelligent konstruierte Techno CD schon deshalb besonders gelungen, weil sie auf die durchmarschierende, alle 4 Schläge des Taktes betonende Bassdrum verzichtet? Den beiden Machern von EXTRAWELT ist mit „Unknown“, ihrem bereits 4. Album unter diesem Projektnamen eine spannende Exkursion in die Welt der elektronischen Sounds und Rhythmen gelungen. Im Wesentlichen ohne Gesang scheuen sie auch nicht vor gemässigtem Tempo zurück, klingen mal auf den Spuren von Kraftwerk oder auch nach der Jonzun Crew. Trotz nicht wirklich vorhandenem Strophe und Refrain gelingen ihnen wiedererkennbare, vor allem aber unterscheidbare Songs ohne Stimme.

Funk’n’Soul’nAcid Jazz

Der Hammond-Organist Jake Mason war erst zur Jahresmitte mit einem Solo-Projekt auf dieser Seite zu Gast. Hier kommt das neue Album seines eigentlichen Trios COOKIN‘ ON 3 BURNERS. Austrainiertes Zusammenspiel von Orgel, Gitarre und quirligem Drummer. Instrumentaler Funk bis Acid Jazz, aufgelockert auf 4 Tracks mit Down Under renommierten VokalistInnen und Tracks, die mit weniger Tempo auskommen oder sogar die tiefe Soulkiste streifen, frönen sie weiterhin der analogen Aufnahme- und Produktionswelt. „Lab Experiments Vol. 2“ ist längst dem Experimentier-Stadium entwachsen, liefert knapp 40 Minuten abwechslungsreiche, handgemachte Groove-Musik.

Marianne Faithfull, 71

Die ist eigentlich schon viel zu lange viel zu populär für diese Seite. Trotzdem, MARIANNE FAITHFULL legt mit „Negative Capability“ eines der besten Alben ihrer Karriere ab. Mit Helfern, die gut ihre Kinder sein könnten (Rob Ellis, Nick Cave, Warren Ellis), die selbst auch schon deutliche Spuren in der Pop-Musik hinterlassen haben, schafft sie Stimmungen, vermittelt Gefühle und findet dafür die passende musikalische Untermalung. Wie schon andere ältere KollegInnen, muss sie nichts mehr beweisen, macht was sie kann und das kann sie gut. Covert einen der verbreitetsten Dylan Songs oder legt ihren Pop-Business-Einstiegshit ‚As Tears go by‘ in einer ‚50 Jahre später‘ Version vor. Rundherum komplett und gut!

Auf den Spuren von..

Überraschung der Woche: MOCKY „A Day at United“. Der war bei mir als im weitesten Sinne Techno-Musiker gespeichert. Seine neue CD eröffnet mit einer Erinnerung an Miles‘ ‚Kind of Blue‘. Und ähnlich, aber doch ganz anders, geht es weiter. An einem Tag, praktisch in einem Zug aufgenommen, touchiert er mit seinen formidablen Mitstreitern auch mal Rhythmen, die auch vom frühen Grover Washington stammen könnten, verzichtet auf Jazz übliche solistische Ausflüge, die er durch weich fliessende Bläsersätze kompensiert. Das ‚United‘ im Titel bezieht sich auf das legendäre Tonstudio, in dem schon Sinatra Aufnahmen für die Ewigkeit abgeliefert hat und an dessen Arrangements und Klang erinnert mich diese CD im weiteren Verlauf, auch wenn die Songs in Aufbau und Struktur damit wenig gemeinsam haben. Perfekte Abendmusik.

Autor: Günter

Archivtexte Ohrenschmauch

Günter Günter

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