ELECTRIK RENDEZVOUS/ LUDWIG SEUSS BAND/ ALEX AUER/ WOODEN PEAK/ DANIEL HAAKSMAN/ JOE JACKSON

So laut und heftig startet diese Seite nur selten. The ELECTRIK RENDEZVOUS, das Bandprojekt des Perkussionisten Gumbi Ortiz, der schon seit langem mit Al Di Meola zusammenarbeitet, lotet auf „Warrior“ das Grenzgebiet zwischen hartem Rock und Jazz Fusion aus. 2 Gitarristen, Drums und Bass stellen die von ihm ausgesuchten Cover-Versionen (von Winwood über Santana und Jaco Pastorius zu Al himself) kraftvoll und handwerklich raffiniert in ein ganz neues Licht. Auf 2 der 9 Titel wird die Band mit Sänger (I‘m a Man) bzw. einem Violinisten ergänzt. ‚Race with the Devil on spanish Highway‘ ist nicht nur einer der Tracks, sondern könnte gut auch das Motto für die gesamte CD sein.

München ist nun mal grösser als Münster. Deshalb schafft die dortige Szene es auch, mehr Alben zu veröffentlichen, als unsere Kreativen. Hier ist es die LUDWIG SEUSS BAND die mit ihrem ‚Live im Lustspielhaus‘ eine temporeiche Reise durch Blues und Boogie, Honky Tonk und Country anbietet. Der Bandleader an allem, was Tasten oder Knöpfe hat, begleitet von Bass, Drums und Gitarre plus je nach Track zusätzlich Sänger, Bläser oder Saiten-Virtuosen. Lässig gespielte Cajun Nummern und auch ein wenig Rock’n’Roll, da kann er gern den einen oder anderen im Studio aufgenommenen Titel dazwischen mogeln.

Gerade noch rechtzeitig für diese Ausgabe hat die erste CD unter eigenem Namen von ALEX AUER den Weg zu mir gefunden. Knapp 50 Minuten Singer / Songwriter Musik, von ordentlich rockender Band umgesetzt. Parallelen, oder besser Assoziationen zu grossen amerikanischen Kollegen (Petty, Springsteen) sind nicht aus der Luft gegriffen. Und damit es nicht zu traditionell konservativ klingt, sorgt Rami Jaffee von den Foo Fighters für eine leicht aufgeraute Stimmung. Zugegeben, ohne deutlichen Hinweis hätte ich „Much better“ vermutlich übersehen. Nach mehrfachem Hören sage ich jetzt, das wäre sehr schade gewesen.

Yellow Walls

Ähnlich überrascht, aber in einem ganz anderen Sektor unterwegs, haben mich WOODEN PEAK. Die beiden Leipziger erzeugen mit Drums, Gitarre, Elektronics und Gesang zurückhaltende Stimmungsbilder. Sparsame, fast zerbrechliche Songs mit Harmonien, die immer wieder ganz kurz vor Pop abbiegen und unerwartete Wendungen nehmen. „Yellow Walls“ ist eine Sammlung fein ausgemalter Skizzen, die der eigenen Fantasie genügend Raum für individuelle Ergänzungen lassen. Erinnern mich an meine raren Lieblinge von The Blue Nile, deren 3 erste Alben gerade als Doppel-CDs neu aufgelegt werden.

Mann von Welt

Nach langen Auslands-Aufenthalten in z.B. Brasilien und Afrika, auf denen er musikalische Grüsse mit spezifischen Sounds und Rhythmen von dort in bis dato ungewohnter Weise in die Welt brachte, ist DANIEL HAAKSMAN zurück in Berlin. Aber ausruhen ist nicht. Auf „With Love from Berlin“ präsentiert er seine aktuellen Zusammenarbeiten mit Künstlern aus beinahe aller Welt. Rhythmen aus eben genannten Ländern und mehr werden seziert und ganz reduziert neu zusammen gesetzt, Streicher, SängerInnen und Perkussion über dezent programmierte Beats gestalten einen Sound, wie er sicher von niemand anderem stammen könnte. Seine fundierten Musik-Kenntnisse, sein untrügliches Gefühl, mit geringen Mitteln Spannung zu erzeugen und die richtigen Gäste einzubringen machen diese CD zu einer ganz anderen Erfahrung der Musik dieser Welt.

Unerwartet frisch

Und zum Schluss noch ein klasse Oldie. Fast 40 Jahre nach seinem Debut kommt JOE JACKSON mit einer ganz feinen neuen CD/LP um die Ecke. Von allem was drauf, das er in dieser Zeit aufgeführt hat, Gitarren, wie zu Anfang, Piano wie in der mittleren Phase und durchaus Jazziges wie zuletzt. Und nicht nur das, die Songs haben Hand und Fuss und der langjährige Bassist Graham Maby sorgt für den richtige Fluss. „Fool“ ist mein erstes Highlight des jungen Jahres.

Autor: Günter

Archivtexte Ohrenschmauch

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