ANALOG-FREUNDE/ CHARLENE SORAIA/ BJORN BERGE/ KARAN CASEY/ JAVIER RUIBAL/ ABU/ AFRO-BLUE PERSUASION

Vorweg der kurze Hinweis auf das nächste Treffen der ANALOG-FREUNDE in der Boheme Boulette am Hansaring. Am Freitag, den 1. Februar ab etwa 19.30h wird wieder gefachsimpelt. Kindersarg grosse Lautsprecher in Tagen der Bluetooth-bestrahlten Brüllwürfel. Ist das nicht reaktionär, elitär oder sonst wie gegen Puls der Zeit? Argumentiert wird in Wort und Klang!

Eine Frau und eine Gitarre

Vergangene Woche gab es die Lautesten zuerst, in dieser gerade umgekehrt. Ganz sparsam, eine Frau, eine Gitarre, 10 gut ausgedachte und individuell umgesetzte Songs. So eigenwillig wie sie sich auf der Gitarre begleitet, sind auch die Themen, die sie behandelt. CHARLENE SORAIA heisst sie und bemüht sich nicht um oberflächliches Auffallen, gefälligen Nebenbei-Konsum oder millionenfache Streams. Im Alleingang in ihrer Wohnung aufgenommen, ohne nachträgliches ‚Aufhübschen‘, ist „Where’s my Tribe“ die perfekte Visitenkarte einer Künstlerin, von der wir in der nächsten Zeit hoffentlich noch sehr viel mehr hören werden.

Stellvertretend für diverse ältere Musiker-Semester, die das Musizieren nicht lassen können (was sollen sie auch sonst tun?) erwähne ich hier BJORN BERGE. Das Nordlicht spielt Gitarre und mit seinem Trio Blues basierten Hard Rock. Eingängige Riffs, passende Stimme und sein über Jahrzehnte trainiertes Handwerk lassen auch eigentlich simple Konstruktionen interessant aufblühen. „Who else“ muss sich hinter den Werken vieler amerikanischer Kollegen wahrlich nicht verstecken.

Mal wieder ein Abstecher in die Abteilung, die es nicht mehr gibt: World Music. KARAN CASEY singt in irisch / schottischer Folk Tradition mit entsprechender Instrumental-Begleitung. Ihre Songs schreibt sie selbst, oder findet sie im Repertoire sowohl heimischer Kollegen (Mick Flannery, Pat Daly) als auch auf der anderen Seite des grossen Wassers, von Dylan über Janis Ian zu Patti Griffin. „Hieroglyphs that tell the Tale“ bewegt sich elegant zwischen überlieferten Strukturen und deren moderner Interpretation.

JAVIER RUIBAL’s „Paraisos Mejores“ in kurzen Worten ist ein schwieriger Fall. Mann (Frau auch) stelle sich vor: Paolo Conte’s Geschichten erzählender Gesang (mit nicht so tiefer Stimme), ähnlich schmissige Arrangements, jedoch dessen regelmässige Rückgriffe auf Idiome des Jazz abstammungs-bedingt ersetzt durch Einwürfe aus Flamenco und weitere spanische Elemente. Mit illustren ‚Aushilfsängern‘ (Juan Luis Guerra, Chico Cesar) und einer ganzen Schar exzellenter Musiker gibt es hier eine frische Variante spanischer Pop-Musik, vom uptempo Feuerwerk zu Herzschmerz-Ballade und zurück. Das ist mal was anderes, werft Euer Spotify oder Tidal an und lasst Euch überraschen!

Afrikanisches aus Belgien

Der Namensgeber für das nächste Werk ist bereits verstorben. Die Mitglieder seiner letzten Band und eingeladene Freunde haben seinen Traum vom ersten eigenen Album wahr gemacht. Zurückhaltender Afro-Pop senegalesischer Färbung vom begabten Gitarristen und Bandleader ABU, in seiner Entspanntheit vergleichbar mit den ersten Werken von Salif Keita. Dezente Rhythmusarbeit von Drums und Perkussion bildet die Basis, auf der Gesang und Saiteninstrumente ihre einprägsamen Parts aufbauen. Als Hommage an den verstorbenen Freund ist auch der Titel „Abu“.

52 Jahre unentdeckt

Weil den Damen und Herren bei Tramp Records auf der Suche nach verschollenen Perlen des Soul auch noch ganz andere Schätze in die Hände fallen, haben sie ein weiteres Label gegründet: Mo-Jazz. Das gibt es nur als limitiertes Vinyl oder Download. Die erste in der Reihe ist „Live at Haight Levels Vol. 1“, ein bereits 52(!) Jahre alter Live-Mitschnitt der von Ulysses Crockett am Vibraphon angeführten Combo namens AFRO-BLUE PERSUASION. Meine handgemachte Hörprobe (danke dafür!) enthält nur die mehr als 10 minütige Eigenkomposition ‚Philadelphia Mambo‘, die ich als kleines Feuerwerk des afro-kubanischen Jazz bezeichnen kann. Auf der LP gibt es noch 4 weitere Tracks, ‚Ave Maria‘, Dear old Stockholm, Straight no Chaser und das ‚Girl from Ipanema‘. Alle ziemlich lang und wie ich unterstelle, wohl genauso rasant intoniert wie das von mir Gehörte.

Autor: Günter

Archivtexte Ohrenschmauch

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