INTERNATIONAL TEACHERS OF POP/ JOSCHO STEPHAN/ MARCUS SCHINKEL/ RASGUEO/ GROUPA/ MANDOLIN ORANGE

Hallo 80er

Aus dem mehr oder weniger zufälligen Zusammentreffen auf einem Songwriter-Workshop entstand die Idee, mal einen Song gemeinsam zu schreiben, um zu sehen was dabei herauskommt. Kaum ein Jahr später, nach Auftritten bei der BBC und im Programm von Jarvis Crocker und Roisin Murphy liegt jetzt das erste Album der INTERNATIONAL TEACHERS OF POP vor. Vermutlich sind die 3 gar nicht alt genug, damals schon dabei gewesen zu sein, aber ihrer Vorliebe für 80ies Disco und Pop lassen sie auf dem Album ohne Titel freien Lauf. Vom trockenen Sound eines Martin Rushent zum opulenten Arrangement á la Georgio Moroder, von Human Leagues‘ elektrischem Funk zum Dance Pop von Bobby Orlando angesteckt, kopieren sie nicht, sondern erfinden Eigenes, versehen mit dem Weltverständnis von heute. Weil ‚Plug-Ins‘ nicht alles sind, benutzen sie alte Drum Machines und Synthis. Schwungvoll und frisch.

Gipsy Jazz direct to Disc

Gleich mit 2 neuen Werken bestreitet JOSCHO STEPHAN das neue Jahr. Schon im Dezember kam die in den Emil Berliner Studios ‚Direct to Disc‘ aufgenommene „Paris-Berlin“, deren 1. Hälfte 5 Klassiker des Gypsy Swing als Gruss aus Paris, in der 2. Hälfte eine kleine Hommage an das Berlin der 20/30er Jahre und dazu ein paar Eigenkompositionen. Das hervorragend abgestimmte Trio aus 2 Gitarren und Kontrabass schafft es, trotz Direkt-Mitschnitt, fingerfertigste und harmonisch vertrackte Gitarrenarbeit lebendig und risikofreudig auf den Lacquer zu bannen. Bei den Voraussetzungen kann ich kaum glauben, dass es dieses musikalische Erbe von Django Reinhardt und Stephane Grappelli, den Eckpfeilern des Hot Club de France, nicht auch als Vinyl-Platte gibt.

Auf der 2. CD ist Joscho ‚nur‘ Gast des Trios um den Pianisten MARCUS SCHINKEL. Der hat für diese Platte 9 Werke aus dem Klassik-Repertoire arrangiert für seine jazzende Combo plus Gypsy Gitarristen. Da wird aus Beethoven’s ‚..verlorenem Groschen‘ die ‚Wuth auf den verlorenen Swing‘, Motive aus 4. Und 9. Sinfonie werden raffiniert und virtuos im feinsten Hot Club Stil dargeboten. Liszt, Debussy, Schumann, Mozart und gegen Ende sogar Rota’s ‚Godfather (DerPate) kommen als elegant swingende Preziosen aus den Lautsprechern. Alles geht, nur Scheuklappen nicht!

RASGUEO, das Quartett des griechischen Gitarristen Nikos Tsiachris entwickelt seine Variante des Flamenco trifft Jazz auf „Echo“ weiter. Drums und Kontrabass bilden agil den variantenreichen Rhythmusteppich auf dem sich das Zusammenspiel von Gitarre und Trompete zwischen zurückhaltend melodisch und expressiv fordernd entfalten kann. Da ist es kein Wunder, dass Erinnerungen an die Grossen diese Metiers (Paco de Lucia, Miles) auftauchen.

Auf der 2. Folge ihres „Kind of Folk“ begaben sich Mats Eden (Geigen), Jonas Simonson (Flöten) und Terje Isungset (Perkussion) als GROUPA von Schweden (Vol. 1) nach Norwegen. Dort saugten sie traditionelle Melodien, heimische Harmonien und besonders auch Stimmungen in Wald und Flur auf. Die verarbeiten sie in sehr freier Form und ebenso ungewöhnlicher Instrumenten-Besetzung zu 14 meditativen, mehr oder weniger improvisierten und eigenwillig klingenden Kunst-Stückchen. Eine ganz andere Auseinandersetzung mit traditionellem Musik-Gut.

Worte dazu nächste Woche!

Das Finale bestreitet heute eine total entspannte 1,5 CD der Marke Yep Roc Records. Zeitgenössische amerikanische Folkmusik von einem Quintett, das von Andrew Marlin (Texte) und Emily Frantz (Komposition, Arrangements) angeführt wird. 10 sparsam instrumentierte Songs mit sehr persönlichen Inhalten, zurückhaltend intoniert, mit ein ganz klein wenig Country- und Bluegrass-Tupfern und dazu auf der halben 2. CD 4 Standards aus dem‚ ‚Great Country Songbook‘, in absolut reduzierten Versionen. MANDOLIN ORANGE, „Tides of a Teardrop“ - sehr schön für spät.

Autor: Günter

Archivtexte Ohrenschmauch

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