JEANGU MACROOY/ MAVIS STAPLES/ FLESHEATERS/ CASS McCOMBS/ TWO TRIBES/ SCOTT McLEMORE

Bei unseren nordwestlichen Nachbarn ist er bereits ein gefeierter Aufsteiger. Die 2. CD von JEANGU MACROOY kommt jetzt auch hier in die Läden. Alle 11 Titel auf „Horizon“ hat er selbst verfasst, gemischt aus Ohr-freundlichen Harmonien und wechselnden Anteilen aus Pop, Soul und einer kleinen Prise Rock, ein wenig wie weiland Terence Trent D’Arby und mit entsprechend beeindruckender Stimme vorgetragen. Hat ordentlich Öffentlichkeit verdient, wird jedoch vom Format-Radio wohl weitestgehend ignoriert werden.

Gross in Form!

Auch das neue Werk von MAVIS STAPLES wird es sicher nur in ‚Spezial‘-Sendungen zu hören geben. Auf „Live In London“ wird sie nur von Bass, Drums, Gitarre und 2 Background-Sängerinnen unterstützt. Trotz fortgeschrittenem Alter sprüht sie vor Energie, kommt die Stimme überzeugend. Die ausgewählten Songs stammen fast alle von ihren letzten3 Alben, werden hier allerdings mit sehr viel mehr Druck ausgeführt und klingen deutlich nach ihren Wurzeln im Rhythm and Blues und Soul.

Viel geliebt, wenig bekannt, eine der Dienst ältesten Punkbands der L.A. Szene meldet sich zurück. Die FLESHEATERS bieten auf „I used to be pretty“ 6 Songs aus ihrem ‚alten‘ Repertoire in kräftigen neuen Versionen, 3 gut gewählte Covers von den Sonics, J.L. Pierce plus Fleetwood Mac’s ‚Green Manalishi‘ plus zu Beginn und am Ende jeweils einen neuen Song. Das alles in der ‚All Star‘ Besetzung, die 1981 das ‚A Minute to pray..‘ Album einspielte. Rauer Rock von Überzeugungstätern!

Americana vom Feinsten

Mit viel weniger Schalldruck aber mindestens genauso ambitioniert geht es auf CASS McCOMBS aktuellem Album „Tip of the Sphere“ zu Werke. Zurückhaltend ausgeführte alternative US Pop Musik. Von leichtem ‚Wüsten‘-Touch über sensible Balladen zum fast 10 minütigem entspannten ‚Americana‘-Jam am Ende. Einer, der genau weiss, was er nicht will, auf seinem Weg jedoch interessante Abstecher zu den Seiten liebt.

Afro Rhythmen aus Europa

Für diese vielseitige Mischung aus dem Hause ‚agogo‘ habe ich ein wenig mehr Zeit gebraucht. Die CD läuft sehr lang, deshalb auch als Vinyl ein Doppelpack und enthält mit 12 Titeln einen kleinen Einblick in die Vielfalt europäischen Musikschaffens auf afrikanischen Rhythmen und Harmonien. Tracks von Menschen und Ensembles, deren Namen oft nur echten ‚Insidern‘ ein Begriff sind, die in Band-Zusammensetzung und Klangvorstellung weit auseinanderliegen, jedoch auf den gleichen Ursprung zurückgreifen. Unter und in minimalen, synthetisch erzeugten Klängen und Beats, dubbigen Mixes und klar definiertem Afrobeat finden sich Anleihen aus Rhythmen und Harmonien von Marokko über Äthiopien bis Mozambique. Durchaus ungewohnte Klänge, die als gemeinsamen Nenner die Unterschiedlichkeit haben, mit der die Künstler ihre Ideen umsetzen. „TWO TRIBES“ ist keine Kopie von vorhandenem Material, sondern individuelle Gestaltung mit raffinierten Lösungen.

Zum Schluss noch eine ganz feine, atmosphärische Jazz CD. Obwohl der Bandleader der Drummer ist, klingt SCOTT McLEMORE’s „The Multiverse“ eher nach einer ECM Produktion als nach Rock-Jazz. Dazu tragen einen gewichtigen Anteil die beiden Gitarristen Hilmar Jensson und Pierre Perchaud bei, die ich der John Abercrombie-Schule zurechne, wenig Töne, die jedoch wirkungsvoll einsetzen, obwohl sie auch anders könnten. Sie improvisieren gut abgestimmt miteinander und umeinander herum. Aufgenommen in Island (bei Sunna Gunnlaugs) mit Matts Eilertsen am Kontrabass, der gerade ein vielbeachtetes Album bei ECM herausgegeben hat. Wenig kann offensichtlich auch mehr als genug sein.

Autor: Günter

Archivtexte Ohrenschmauch

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