ANDREAS ARNOLD/ SIGI FINKEL & MONIKA STADLER/ MANDY BARNETT/ MODESELEKTOR/ THE GREEN MAN & KINGZ/ 22 YEARS OF BASSWERK/THE COLLABS/ NUBIYAN TWIST

Vielleicht haben die Schallplatten-Börsen-GängerInnen ja Recht, wenn sie das erworbene ‚Schätzchen‘, ob schwarz, bunt oder silbern, nicht nur als musikalische Unterhaltung für sofort betrachten, sondern es auch als Investition in die Zukunft betrachten. Wenn Musik irgendwann mal nur noch als Stream vorbeikommt, ist das eben erschangelte Stück vielleicht eine ‚Blaue Mauritius‘ von morgen.

Gruss an Paco?

Ganz viel spanischen und ein wenig arabischen Einfluss verarbeitet ANDREAS ARNOLD auf seiner neuen CD. In kleinen Besetzungen bietet er Jazz auf der akustischen Gitarre, Nylon besaitet und entsprechend immer nach Flamenco klingend. Durchgehend von raffinierter Perkussion begleitet, dazu gelegentlich Trompete, Melodica, Violine, auf 2 Titeln Gesang und wechselnd 2 virtuose Bassisten. Detailliert ausgearbeitete Kompositionen und sehr gutes Gefühl für das ‚weniger ist mehr‘. Da fällt mir nicht zu Unrecht Paco de Lucia ein. Diese „Odisea“ ist sehr hörenswert!

Mehr oder weniger improvisierend arbeiten sich SIGI FINKEL & MONIKA STADLER durch ihr „Flower in the Desert“. Das ungewöhnliche Duo aus Saxofon und Harfe erweitern sie auf 4 Titeln mit Djakali Kone an der Kora zum Trio. Fesselnd chillig.

Manchmal etwas traditionell arrangiert, an 60ies Sängerinnen erinnernd, immer aber sicher in Intonation und glaubhaft füllt MANDY BARNETT ihr aktuelles Album „Strange Conversation“ mit 10 Songs zwischen Country-Crooning, Nachtclub-Blues und zeitgemässen ‚Americana‘ Tracks. Genau so sicher, wie sie sich in jedem Stil bewegt, findet die routinierte Back-up Band für jede Stimmung den passenden Sound.

Jetzt wird es laut und heftig. MODESELEKTOR legen ein neues Werk vor. Abgefahrene Sounds, kräftige Beats, der Sound der Techno-Haupstadt. Uptempo, mechanisch und treibend, mit dem Wissen, wie der Sound sein muss, damit er sich deutlich vom Durchschnitt abhebt und trotzdem seiner Funktion nachkommt und den Titeltrack „Who else“ mit Rapperin Flohio veredelt. Eindeutig für Club und Party.

Drum&Bass Musik ist mir lange nicht vor die Ohren gekommen. Vielleicht weil sie grösstenteils auf Vinyl 12“es in Umlauf kommt. Umso mehr bin ich überrascht vom Sound von THE GREEN MAN & KINGZ aus Köln. Klar, fette Beats, aber sehr relaxt, mit Melodien (!) und über allem die ganz hervorragende Sprech-/Singstimme von Kingz. Songs mit unterschiedlichem Charakter und Themen, die sich nicht nur um Nachtleben, Party und Konsum drehen. Stattdessen dominieren auf „Changes“ gut abgehangene Rhythmen, wohlüberlegte Sounds und hervorragende Produktion.

Drum as Bass can!

Quasi als konzertierte Aktion kommt gleichzeitig der Sampler zum 22. Geburtstag der Marke Basswerk auf den Markt. Hier zeigt der ‚Green Man‘ auf „22 YEARS OF BASSWERK / THE COLLABS“ in 16 Titeln durch Zusammenarbeit mit internationalen ‚Verwandten‘, was Drum&Bass auch alles sein kann, mit Einflüssen aus Soul oder Reggae, multinational, rasant und spannend.

Feine Afro Mischung

Eine gut trainierte Bläsersektion, tolle Stimmen und ein famoses Rhythmus-Fundament, das sind NUBIYAN TWIST. Sie verquicken afrikanische Rhythmen mit brasilianischen Motiven, souligen Vocals und jazzigen Arrangements. Die 12 köpfige Groove-Maschine aus Britannien findet eingängige Motive, formt sie zu Songs, improvisiert wie auf einem Jazz-Jam und findet wieder zum Thema zurück. Dieser „Jungle Run“ kommt frisch, unverbraucht und ist von den Altmeistern Tony Allen und Mulatu Astatke durch ihre Teilnahme bereits ‚ge-adelt‘.

Autor: Günter

Archivtexte Ohrenschmauch

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