MICHAEL CHAPMAN/ ORVILLE PECK/ PERFECT SON/ NICOLE WILLIS/ LUCIEL/ RYMDEN

Dem ältesten Teilnehmer heute lasse ich den Vortritt. MICHAEL CHAPMAN legt mit 78 Jahren ein neues Werk vor, das ich als Essenz seines umfangreichen Schaffens bezeichne. Reduziert auf sein ausgereiftes Spiel auf der akustischen Gitarre, seine Stimme und einzelne Gäste. Ein Blick zurück auf sein Leben, resümierend aber nicht verzagt, wird „True North“ an den passenden Stellen von einer weiteren Gitarre, Steve Gunn oder Pedal Steel Spezialist B.J. Cole unterstützt und von Hintergrund-Stimmen abgerundet. Ruhig, besonnen, ‚very british‘ und absolut lebensecht.

Den Cowboy in Verkleidung gibt ORVILLE PECK auf seinem „Pony“. Dabei geht aus dem Cover nicht hervor, ob er überhaupt Amerikaner ist. Twang-Gitarren ummalen seine Variante Folksong mit starkem 60ies Touch. Die Songs folgen zwar alle einem bestimmten Muster, trotzdem kommt die Abwechslung von Track zu Track nicht zu kurz und seine Stimme thront klar und vernehmbar über dem instrumentalen Untergrund. Nach meinem Einblick eher ungewöhnlicher Sound für die Marke SUBPOP.

Genauso wie die CD von PERFECT SON, der unter anderen Pseudonymen schon ganz andere Musik abgeliefert hat. Ein wenig diese 80/90er Einstellung ‚wir können alle Instrumente auch simulieren‘. Keine Sorge, konventionelle Klangerzeuger sind AUS „Cast“ auch dabei, aber Sound und Konstruktionsweise der genannten Zeit scheinen sehr deutlich durch.

Nicole goes Disco

Auch NICOLE WILLIS blickt auf ihrer neuen nur LP oder Download „My Soul Sensation“ in die jüngere Vergangenheit. Feine Disco-gefärbte Funk- und Soulmusik erwartet die HörerInnen. Mit ihrer neuen ‚Banda Palomita‘ und natürlich Jimi Tenor, zumindest auf einem Titel, trifft sie Gestus und Groove der Ära, gibt einen Schuss Jazz und eine ordentliche Portion Afro dazu und fertig ist eine perfekte Platte, nicht nur für die lange Fahrt in Bus, Bahn oder PKW.

Soul-Musik aus Köln

Womit ich schon im Thema bin. Feine Soulmusik mit einem erkennbar jazzigen Unterton aus Köln? Gibt es! LUCIEL nennt sich das Projekt aus 4 Überzeugungstätern plus singende Gästinnen. Vom absichtlich etwas stolperigen Opener über eine sehr gelungene Adaption von Adele’s ‚Rolling in the Deep‘, überzeugenden Balladen und jazzig ausgedehnten Instrumental-Soli zu feist groovenden Funk-Nummern bietet dieses Quartett Anklänge und Erinnerungen an die gesamte Bandbreite der gefeierten Soul-Platten der vergangenen Jahrzehnte. Die sehr gut gewählten Gaststimmen und eine gute Hand für den Harmonie-Gesang runden diese wirklich aussergewöhnliche Produktion ab. „…and that’s all I remember“ gefällt auf Anhieb und wird mit jedem Hören besser. Dabei alles selbst gemacht, ohne Big Names oder andere ‚Eintrittskarten‘. Hut ab!

Skandinavisches Super-Trio

Letzte im heutigen Bunde ist das neue Jazz ‚Supertrio‘ aus Skandinavien namens RYMDEN, bestehend aus Bass und Drums des ehemaligen Esbjörn Svensson Trios, Dan Berglund und Magnus Öström plus Bugge Wesseltoft am Piano. Vor knapp 20 Jahren aus unterschiedlichen Startlöchern ins Rennen gegangen, setzen sie jetzt ihre gemeinsame Vision von zeitgemässem europäischen Jazz in eine neue Tat um. Rhythmen aus Rock und Pop in jazziger Umsetzung, lyrische Balladen, dabei den improvisatorischen Ansatz nie aus den Augen verlierend, ist „Reflection and Odysseys“ für mich in gewisser Weise die Fortsetzung von Weather Report in nordischer Tongebung. Sind im Mai in Deutschland ‚Live‘ unterwegs. Wer Gelegenheit hat….

Autor: Günter

Archivtexte Ohrenschmauch

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