YELENA ECKEMOFF/ DU BLONDE/ SUSANNA & THE BROTHERHOOD OF OUR LADY/ HUGO BARRIOL/ HEJIRA/ THE STRANGE/

Diese Interpretation des Inhalts ist hoffentlich nicht zu Walldorf mässig. YELENA ECKEMOFF’s 2018er Platte heisst „Colors“. Zu den 14 Farben / Farbtönen der abgedruckten Prosa erfindet sie Piano-Melodien, die sie zusammen mit Manu Katche an den Drums in meist beschauliche, sehr unterschiedlich lange Ausflüge in ihre bunte Welt verarbeitet. Ihre klassische Ausbildung und Manu’s dezente, einfühlsame Begleitung machen dieses durchweg ruhige Werk trotzdem spannend.

Auch DU BLONDE hat auf ihrem neuen Album nur einen Drummer als Mitmusiker. Alle anderen Instrumente, Produktion und Cover-Gestaltung bringt sie selbst ein. Im Grunde Songwriting im seit 50 Jahren vertrauten Stil, musikalisch aber sehr anders umgesetzt. In Punk-Habitus, psychedelischem Rock und nicht ganz sanften Balladen gibt sie Einblicke in ihr aufgewühltes Seelenleben. „Lung Bread for Daddy“ ist bereits ihr dritter Versuch der Selbst-Therapie durch Musik.

Seit gut 20 und ihrem ‚Magical Orchestra‘ verfolge ich sporadisch das Schaffen der Norwegerin. Ihr aktuelles Projekt nennt sich SUSANNA & THE BROTHERHOOD OF OUR LADY, das Album“ Garden of earthly Delights“ enthält 15 Songs, für die sie sich durch Gemälde von Hieronymus Bosch inspirieren liess. Von Klavier und Electronics untermalt singt und spricht sie Geschichten, so düster wie ein Teil des Bosch’schen Schaffens und so harmonisch und fast zuckersüss wie das Gegenteil nur sein kann. Zu Melodien, die zwischen Folksong, elektronischer Kulisse und nordischer Abstammung pendeln. Mit klarer, kräftiger Stimme und grosser Überzeugungskraft.

Talent aus dem U-Bahn Schacht

Als Trommler begonnen, dann zur akustischen Gitarre gewechselt und das Handwerk und das Singen in den U-Bahn-Stationen von Sydney und Paris perfektioniert. Jetzt gibt es die erste CD von HUGO BARRIOL. 12 selbst verfasste Lieder, einfühlsam und ohne Pomp arrangiert, klingen sie ein wenig wie Jack Johnson, aber ohne Surf und Sonne nach 10 Jahren Festlandklima mit einem ordentlichen Schuss Coldplay. Für ein Debüt-Album, vorher gab es nur eine EP, ausserordentlich rund und gelungen.

Zu schön für diese Welt?

Ganz ungewöhnliche Klänge verbreitet der zweite Longplayer des britisch-äthiopischen Trios HEJIRA. Pop-Musik aus einem reichlich gefüllten Topf an Einflüssen. Die afrikanischen Wurzeln der Sängerin treffen auf Brit-Style, schwebende, elektronische Klanglandschaften werden verknüpft mit unwiderstehlichen Gesangsharmonien, Orchesterinstrumente umspielen den relaxten Groove des Trios. Vielseitig, vielschichtig und trotz der Fülle absolut unaufgeregt zeigt „Thread of Gold“ die Band leidenschaftlich und emotional perfekt ausbalanciert und in sich selbst ruhend. Fast zu schön für diese Welt.

Herr Eckman auf dem Balkan

Der Herumtreiber (Walkabout) Eckman auf dem Balkan! Und macht da natürlich auch Musik. Zusammen mit der dort heimischen Surf-Rock Combo The Bambi Molesters firmieren sie zum 2. Mal als THE STRANGE. „Echo Chamber“, so heisst das Werk, beherbergt das Beste aus beiden Welten. Eingängige Songs, die nicht stereotyp klingen, das kann der Eckman (höre auch ‚Distance, Light and Sky‘, und die Band legt hoch entwickelte Surfklänge darunter und darum herum. Mal von etwas Wehmut gezeichnet, dann wieder mit ordentlich Druck korrekt und passend arrangiert und umgesetzt. Unter diesen Bedingungen oder vielleicht wegen seiner neuen Heimat klingt Herr Eckman kräftiger, positiver und motivierter als zuletzt. Das ist doch was!

Autor: Günter

Archivtexte Ohrenschmauch

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