SLEEPER/ MATT ANDERSEN/ CONEXION CUBANA/ LACOLADERA/ GUTS/ JOSHUA REDMAN QUARTET

Frisch nach langer Pause

Schöne Überraschung. SLEEPER veröffentlichen ihr erstes Album nach mehr als 20 Jahren(!) Pause. Noch besser: Sie klingen frischer, als ein grosser Teil der erheblich jugendlicheren Herausforderer. Produziert von Stephen Street klingt die Band nach viel vom Besten der 80er und frühen 90er. Krachige Gitarre, Sängerin mit dem richtigen Tonfall, kein Keyboard-Kleister und griffige Songs. Ein wenig Pretenders, etwas mehr Garbage und gelegentlich eine Prise Altered Images.

Southern Soul, Blues & Rock

Bereits 10 Alben hat MATT ANDERSEN auf dem Buckel. Davon gibt’s hier bisher nur 2 offiziell, Nummer 3, „Halfway Home by Morning“, kriegt hier sein Fett weg. Was keine Anspielung auf die Körperlichkeit des exzellenten Sängers und Gitarristen ist. Mit voll ausgestatteter Band, erstklassigen Mit-Sängerinnen (die McCray Sisters, Amy Helm) bekommen wir hier die volle Dosis (13 Tracks) Southern Soul /-Blues. Ob mit fettem Groove im Hintergrund oder als zärtliche Ballade, er überzeugt als Songschreiber und Sänger, der sich nicht mit modischem irgendwas beschäftigt. Er hat seine Ausdrucksform gefunden, Jahre lang verfeinert und ist in der Lage, die Lücke die Joe Cocker hinterlassen hat, mit seiner Persönlichkeit zu füllen. Ich wünsche mir, dass ihn diese Platte auch in Deutschland wirklich bekannt macht.

Jetzt 3 mal was aus der Kiste, die es gar nicht mehr gibt. World Music. Den Anfang macht die CONEXION CUBANA, die einige Jahre unter dem Namen Soneros de Verdad Platten gemacht hat. Auf Ihrem „La Maravilla“ huldigen sie vornehmlich ihren grossen Vorbildern, von Guillermo Portabales über Juan Formell zu Compay Segundo. Musizieren dabei ganz in der Tradition, mit echten Bläsern und einem bestens trainierten Sänger durch das wohl ausgesuchte Songmaterial. Keine Synthetiks, keine modischen Beats, pur ‚Espirito Cubano‘.

Viel zurückhaltender und ebenfalls ohne elektronische Hilfsmittel (obwohl bei agogo verlegt…). Vitor Santana und Joao Pires, ein Brasilianer und ein Portugiese bilden LA COLADERA. Mit erlauchten Gästen mischen sie die Musikstile portugiesisch sprachiger Länder. Vom Nordosten Brasiliens über Samba, angolanische Klänge zur Morna von den Kap Verden zu Fado. Sehr melodieverliebt und harmonisch, dabei filigrane Gitarren- und Perkussionsarbeit. Die ganze Bandbreite lusophoner Musik zurückhaltend aber absolut überzeugend in 11 gelungenen Songs untergebracht.

Liebt die Musik der Tropen

Noch bunter und breiter mischt GUTS, den interessierte auch von seinen ‚Beach diggin‘ Samplern kennen können. Auf „Philantropiques“ zieht der eigentliche Hip Hop Produzent praktisch alle Register seiner bevorzugten musikalischen Einflüsse. Afrikanische Rhythmen, Calypso, Zouk und weitere karibische und südamerikanische Rhythmen dominieren. Mit SängerInnen aus der zum jeweiligen Rhythmus passenden Region klingen seine reduzierten Variationen der Themen sowohl unbedingt authentisch als auch absolut modern. Er liebt halt die Tropen und die dort ansässigen Klänge und Ausdrucksformen, macht sich deren Struktur zu Nutze und gibt ihnen seinen eigenen Beat. Der Sommer kann kommen!

Zum Finale ein Leckerbissen für Jazzfreunde. Ein neues Album des JOSHUA REDMAN QUARTET. Fast 20 Jahre sind seit dem letzten Werk vergangen. „Come what my“ ist als Titel vermutlich programmatisch gewählt, denn ganz gleich, was modisch oder modern ist, diese Formation spielt Jazz. Komponierte Songs in erkennbaren Rhythmen und Melodien, die im Ohr bleiben, mit viel Raum zur Improvisation. Die vier Beteiligten, Joshua am Sax, Aaron Goldberg am Piano, Reuben Rogers am Bass und Gregory Hutchinson am Piano sind derart gut aufeinander eingespielt, dass m/f glauben kann, sie spielten aus nur einem Kopf (Herzen?). Im Trio, ohne Pianisten, am 1. Mai in Gronau….

Autor: Günter

Archivtexte Ohrenschmauch

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