GLOBAL JOURNEY/ ESPOO BIG BAND/ REFUGEES FOR REFUGEES/ LAFAWNDAH/ UNKLE/ RATSO

Save the Date, am Dienstag den 16. ab 20h gibt’s im Bürgerfunk (wie jeden 3. Dienstag) die GLOBAL JOURNEY. Eine knappe Stunde gut ausgewählter, nicht nur neuer Klänge aus nicht nur aller Welt. Dieses Mal u.a. mit Snarky Puppy, Our Native Daughters, Underworld und, zum in guter Erinnerung behalten, einem Titel von Scott Walker.

Finnland jazzt!

Der hohe Norden macht den Anfang. Die ESPOO BIG BAND aus Finnland präsentiert ihre „Espoo Suite“. Mit 19 Musikern, 4x Trompete, 4x Posaune, 5x Saxofon, Piano, Bass, Gitarre, 2x Drums plus Arrangeur und Gitarrist Marzi Nyman beginnen sie recht zaghaft bis konventionell, schwelgen ein wenig in den Möglichkeiten dieses grossen Klangkörpers. In den 6 Titeln, verteilt auf eine Stunde Spielzeit, entwickelt sich die Partie nach und nach zu einer sehr modernen Auffassung von Big Band, mit komplexen Rhythmen, kollektiven Improvisationen und wechselnden Vordergründen. Und zwischendurch swingen sie sogar.

Johannes Ludwig, Sax, Simon Nabatov, Piano und Fabian Arends, Drums arbeiten zusammen als FEARLESS TRIO. Der Name ist Program, sie haben keine Angst vor schrägen Harmonien, schwierigen Rhythmen oder lyrischen Passagen. Formen gemeinsam musikalische Themen, die sie dann, konzentriert auf einander hörend, wieder zerlegen und neu zusammen setzen. „Unusual Solutions“ ist Trio Jazz in der ‚nach EST‘ Zeit.

An „Amina“, dem 2. Album des REFUGEES FOR REFUGEES Projekts sind 14 MusikerInnen aus fast genauso vielen Ländern beteiligt. Von Tibet bis Litauen, von Afghanistan bis Belgien, wo die Musiker leben. Sie schöpfen ihre 15 Songs aus den Traditionen ihrer jeweiligen Heimatländer, vermengen diese miteinander oder komponieren Neues innerhalb dieses Rahmens. Arabisch-asiatische Klänge überwiegen, mir nicht namentlich bekannte, Klangerzeuger, neben Oud und Handtrommeln meist Saiteninstrumente oder Flöten finden Melodien und Harmonien, die auch dem und der nicht so sehr an diese Klänge Gewöhnten leicht ins Ohr gehen. Der gut darauf abgestimmte Gesang mit einer auffälligen Sängerin hilft dabei sehr. Aus der nicht unbedingt gemeinsamen und friedlichen Vergangenheit neues für eine positive Zukunft zu gestalten, ist der erklärte Auftrag, der hier vorzüglich umgesetzt wird.

Arabisch-stämmige Sängerin aus dem Land des Brexit. LAFAWNDAH klingt dabei überhaupt nicht nach Tradition. Mechanische Rhythmen, lyrische Geschichten; dunkle Geräusch-Beats tragen ihren dominierenden Gesang durch die 13 Tracks ihres „Ancestor Boy“. Wenn es überhaupt Vergleichs-Ansätze zur Musik der alten Zeit gibt, dann vielleicht mit Laurie Anderson’s frühen 90ern.

Nahe an den frühen Massive Attack

James Lavelle legt mit seinem Projekt UNKLE den 2. Teil der Trilogie „The Road“ vor. Untertitelt mit ‚Lost Highway‘. Bei der ellenlangen Gästeliste, von Mick Jones über Mark Lanegan zu Tom Smith u.a., musste es einfach eine Doppel CD werden. Dunkle Downbeat-Konstruktionen mit ausgewählten VokalistInnen und fetten Sounds, ambienten Passagen und ätherischen Klängen, just wie in den späten 90ern bei Massive Attack. Macht einen deutlich ausgereifteren Eindruck als der 1. Teil.

Cohen? Cave? Dylan? RATSO!

Zu meinem Favoriten des Monats. RATSO mit seiner 1. CD „Stubborn Heart. Herzergreifend Sentimental, triefend vor Pathos, einfach grossartig. Sei es das Duett mit Nick Cave, sein eigenes melodischen Sprechen der Texte, die u.a. John Cale schon verwendete, oder die Gast-SängerInnen Sharon Robinson und Yasmin Hamdan (u.a.). Zeitlupig, in warmer Stimmung in Szene gesetzt, von der disziplinierten Band entsprechend gebremst untermalt und vom Produzenten sensibel ausbalanciert, bewegt sich Ratso lyrisch gekonnt auf der breiten Spur von Cohen, Dylan, Cave…HÖREN!

Autor: Günter

Archivtexte Ohrenschmauch

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