NOUVELLE VAGUE/ IBIBIO SOUND MACHINE/ CHARLOTTE CORNFIELD/ GLEN HANSARD/ SNOWY WHITE/ BROADWAY JAZZ/ ACOUSTIC WOMEN

Abteilung alter Hut mit neuer Krempe. In 2004 überraschten Marc Collin und Olivier Libaux als NOUVELLE VAGUE die Musikwelt mit einem Album voller ehemaliger Hits der New Wave in lässigen, sehr entspannten Versionen. Mit gut gewählten Gast-SängerInnen und sparsam gehaltenen Arrangements verpassten sie den zum Teil bereits vergessenen Ohrwürmern von gestern ein zeitgemässes Outfit. Trotz mehrerer Alben mit diesem Thema ist immer noch ein Bündel Songs übrig geblieben. Zum 15. Jubiläum der ersten CD finden sich auf „Curiosities“ 12 bislang unveröffentlichte Tracks aus dem Archiv. Von ‚Sweet Dreams‘ über ‚Mirror in the Bathroom‘ zum ehemaligen Über-Hit ‚Nowhere Girl‘. Nicht alle Versionen sind brilliant, auf jeden Fall aber mindestens amüsant.

Disco für Fortgeschrittene

Alles neu, wenn auch mit durchaus bekannten Zutaten, ist „Doko Mien“, das neue Werk der IBIBIO SOUND MACHINE. Die mischt unter die ausdrucksstarke Sängerin, ich nenne es mal, Indie-Disco-Klänge der 80er mit den entsprechenden Maschinen, wirft ein bisschen unterschiedliches Afro Pulver dazu und das Tempo der nach 0er Jahre. Dass es kein technisches Gefummel ist, merkt m/f sofort an den etwas langsameren Titeln. Wohlüberlegte Sounds und spannungsreiche Songkonstruktion schaffen Atmosphäre und geben der Sängerin die Chance zu glänzen.

..mit frischem Schwung

Nach nur knapp einem Jahr hat GLEN HANSARD schon wieder ein Album zusammen. Und was für eines! Griffige Songs, tiefschürfende Texte und sowohl zu beginn, als auch zwischendurch richtige Grooves, so wie ich sie von ihm gar nicht gespeichert habe. Seine heisere Stimme und die detailliert ausgearbeitete Instrumental-Begleitung bleiben sein Markenzeichen, auf „This wild Willing“ kommt seine ‚Rock‘- Seite zum Vorschein und gibt dem Werk noch einen extra Kick.

Glänzende Gitarren-Arbeit

Den Nobel-Preis wird er für seine Texte nie kriegen, ein begnadeter Sänger ist er sicher auch nicht, aber er kann was anderes, und das nach wie vor exzellent. Nach seinem ‚Re-Start‘ in 2015 legt SNOWY WHITE bereits das 2. Folge-Album vor. „The Situation“ ist dementsprechend geprägt von der Arbeit seiner Hände. Auf der akustischen Gitarre mit leicht spanischem Einschlag, auf der elektrischen mit dem Ton, der sofort Peter Green und David Gilmour vor dem geistigen Auge erscheinen lässt. Und natürlich liegt ihm der Blues ganz nahe, erst recht, wenn Alt-Freunde Rabbit Bundrick oder Max Middleton mit an Bord sind. Er kann jedoch auch anders, Latin angehaucht oder einfach einen Pop-Song mit toller Melodie. Wie alt er ist, weiss ich nicht, er gehört auf jeden Fall zu der Generation Gitarristen, die m/f allein an ihrem Ton erkennt.

Aus statistischen Gründen und weil sie mir gefallen, zwei Neuheiten aus dem Hause Putumayo. „BROADWAY JAZZ“ enthält genau, was der Titel verspricht, Songs aus erfolgreichen Musicals in sehr geschmackvoll umgesetzten Jazz-Versionen. Von ‚Cabaret‘ bis ‚I’ve grown accustomed to her Face‘. Charmant!

„ACOUSTIC WOMEN“ dagegen enthält 10 Titel von Sängerinnen rund um die Welt. Alles eigene Kompositionen, gekonnt begleitet, mit auffälligen Stimmen gesungen, von Brasilien bis Skandinavien und vom Label zu einem abwechslungsreichen Bukett geschnürt.

Autor: Günter

Archivtexte Ohrenschmauch

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