ANALOG FREUNDE/ J.J.CALE/ BRUUT/ HOODNA ORCHESTRA/ ELI’PAPERBOY‘ REED/ YOTAM SILBERSTEIN/ NIGERIA 70

Vorweg kurz und knapp, die ANALOG FREUNDE treffen sich am Freitag, dem 3. Mai ab 20h in der Boheme Boulette zu ihrer vermutlich letzten ‚Hörprobe‘ vor den Sommerferien. Ein spezielles Thema gibt’s nicht, aber sicher wieder jede Menge feine, nicht nur analoge, Musik.

Posthum kommt zu den 4 CDs von J.J. CALE, die es bisher nicht auf LP gab, mit „Stay Around“ auch noch ein neues Werk. Seine Frau und sein langjähriger Manager haben zig Demos, wie J.J. sie nannte, gesichtet und daraus ein neues Album zusammengestellt. Ich habe davon noch keinen Ton gehört, aber wer Herrn Cale kennt, kann sicher sein, dass Sound und Produktion und die Qualität der Songs mit ‚Demo‘ gewiss einigermassen untertrieben ist.

Zwischen Peter Gunn und Blue Note

Bislang dachte ich solche Musik wie sie BRUUT fabrizieren, gäbe es bestenfalls noch Live im Hot Jazz Club und vergleichbaren Locations. Der Titel „V“ sagt es an, es ist bereits CD Nummer 5, klingt aber spielfreudig und unverbraucht, als wäre es ein Debüt. Mit Sax, Bass, Hammond und Drums liefern diese vier Herren ein kurzweiliges Instrumental-Album ab. Verwenden Riffs und Phrasen, die m/f zu kennen glaubt, rocken wie eine Surf Combo oder romantisieren für die Tanzpause gefühlvolle Balladen. Alles irgendwo zwischen dem ‚Pink Panther‘,‚Peter Gunn‘ und früh 60er Blue Note Grooves.

Ebenfalls ohne Gesang forscht das HOODNA ORCHESTRA nach afrikanischen Wurzeln in der westlichen Populär-Musik. Mit grosser Mannschaft, 12 bis 14 köpfig und erkennbarem Training in jazzigen Gefilden binden sie Afro Beat Rhythmen, moderne äthiopische Klänge, Arabisches und fette Bläsersätze zu ihrem spezifischen Sound. Liest sich vielleicht nicht so, ist jedoch für alle, die nicht ‚4 to the Floor‘ mit mindestens Tempo 120 brauchen, exzellente Tanzmusik.

Mehr Soul à la 60ies

Jetzt was mit Gesang. ELI ‚PAPERBOY‘ REED legt ein neues Werk vor. „99 Cent Dreams“ läutet die zweite Dekade seines künstlerischen Schaffens ein. Was nicht heisst, dass er sich umorientiert. Eher rückbesinnt. Soul-Musik, wie sie in den 60ies produziert wurde, mit auffälligem Sänger, gelungenen Harmonien und dazu passenden Rhythmen. Motown und Atlantic lassen grüssen, weil sie nicht kopiert sondern weitergeführt werden.

Auch als Doppel LP

Als exzellenter Gitarrist präsentiert sich YOTAM SILBERSTEIN auf seinem neuen Album „Future Memories“. Begleitet von Keyboards, Drums und Bass erinnert sein Spiel an die grossen Gitarristen der 60er. Ob komplexe Rhythmen oder brasilianisches Flair, er findet Tonfolgen von einfach schöner Melodie, lässt die Fingerfertigkeit aufblitzen und dabei den Kollegen in der Band, besonders Herrn Patitucci am Bass und Vitor Goncalves am Piano genügend Raum die Musik auszugestalten. Unter den 10 Tracks des Albums sind 3 Klassiker des ‚Brasilian Songbook‘, die er auf seine sehr spezielle Art und Weise intoniert. Bei diesen Titeln bringt der Kontrast mit dem Akkordeon des Herrn Goncalves zusätzlich Farbe in das lebhafte Geschehen.

Autor: Günter

Archivtexte Ohrenschmauch

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