BLASSICS/ BOBBY OROZA/ OH LAND/ MARTIN KOHLSTEDT/ MARA ARANDA/ LAS MIGAS/ REPTALIANS

Wenn wir schon die kalte Luft aus dem Norden abkriegen, dann soll sie uns wenigstens Musik mitbringen. Und die ist überhaupt nicht kalt.

Da sind zunächst die BLASSICS, 7 Finnen, die sich mit 2 Afrikanern verstärkt haben und eine gepfefferte Mischung rhythmischer Varianten vom ‚schwarzen‘ Kontinent abliefern. Afro Beat, äthiopische Grooves, dazu eine gehörige Portion Funk in langen Tracks, in denen sich die instrumentale Virtuosität, gepaart mit authentischem Gesang zu „Togetherings“ formiert. Ein höchst willkommener Newcomer in der nicht mehr existenten World Music Abteilung.

Soul Crooner aus Finnland

Etwas beschaulicher geht es auf BOBBY OROZA’s „This Love“ zur Sache. An den ‚Roots‘ orientierter Soul aus Finnland. Mit ganz schmaler Besetzung, Gitarre, Bass, Drums, geliefert von der Hausband von Timmion Records, wird das Album wesentlich von seinem Gesang getragen. Herzergreifende Balladen, lässige Smoocher und auch ein paar Titel für die Tanzabteilung beim Soul Weekender. Schon erstaunlich, mit wie wenig instrumentalem Aufwand ein Album auskommen kann, wenn nur Songs und Inhalt stimmen.

Für die dänische Komponistin und Sängerin OH LAND ist „Family Tee“ nicht ihre erste CD. Für dieses Werk hat sie sich an das Klavier zurückgezogen. Es fungiert als wesentlicher Träger ihrer sehr persönlichen Geschichten, wird nur wenig und sparsam, wenngleich teilweise orchestral unterstützt. Wer die Dessner Brüder, Devendra Banhart und Thomas Bartlett als Helfer und Unterstützer an Bord hat, dem, in diesem Falle der, wird auch mit wenigen Tönen und ohne Lärm ein auffälliges Album aufnehmen können.

Kompositionen für morgen

Aus Leipzig versorgt uns MARTIN KOHLSTEDT mit sehr eigenwilliger Musik. Zusammen mit dem Gewandhaus Chor erforscht er Klänge. Stimmen erzeugen Klangflächen, die er mit seinen Piano Miniaturen umspielt, unterläuft oder auflöst, elektronische Klänge entführen die Melodie, die umgewandelt mit Stimmen in eine ganz andere Sphäre davon schwebt. Jazz? Klassik? Neue Musik? Gleich welches Etikett auf „Ströme“ geklebt wird, das ist Musik und Musikverständnis aus der Tradition, geschaffen in der Gegenwart für eine Zukunft, die diese Schubladen nicht braucht.

Tradition, die Spanierin MARA ARANDA beschäftigt sich seit langem mit der Geschichte der spanischen Juden. Auf ihrer neuen Platte „Sefarad“- en el Corazon de Turquia hat sie 12 Lieder zusammengetragen, die aus dem Erinnerungsschatz der aus Spanien vertriebenen Juden stammen. Konzentriert, fast sakral gesungen und mit entsprechenden Instrumenten intoniert, quasi als lebende Vergangenheit.

Temperamentvoller zeigen sich LAS MIGAS, ebenfalls aus Spanien. 2 von ihnen spielen Gitarre, eine Violine und die vierte singt. Sie erarbeiten eine ganz andere Variante Flamenco. Gesang und auch Gitarren-Einsätze sind ziemlich unverkennbar, sie reizen aber die Möglichkeiten viel weiter aus, lassen die Tradition auch mal Tradition sein mit programmierten Beats, und meiden zumindest die vermeidbaren Stereotypen von Flamenco Pop. Weniger Gipsy Kings als vielmehr Manitas oder Paco in 2020.

Dream Pop aus USA

Und da sind da noch die REPTALIENS. Sie nennen ihren Sound Dream Pop. Melodische kleine Stückchen die in ihrem Strickmuster an die 80er erinnern, mit entsprechenden Synthis garniert und mit einfachen aber effektiven Mitteln zu wunderbar leichtfüssiger Unterhaltung gestaltet. Etwas Bacharach, einen Portion Lounge Gefühl und ganz viel Liebe für eine schöne Melodielinie. „Valis“ macht Spass!

Autor: Günter

Archivtexte Ohrenschmauch

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