MARIA EMILIA/ CELINE RUDOLPH/ RENEGADES OF JAZZ/ ROSA MORENA RUSSA/ WORAKLS

Menschen aus aller Herren Länder versuchen sich an brasilianischer Musik. Ich komme später darauf zurück. Aber eine Fado Sängerin aus Brasilien? MARIA EMILIA belegt mit ihrem „Casa de Fado“, dass es nicht zwingend notwendig ist eingeboren zu sein, um dieses Gefühl glaubhaft und überzeugend vorzutragen. Zurückhaltend begleitet von Kontrabass, ab und an Streichquartett und einem äusserst fingerfertigen Gitarristen ‚leidet‘ sie sich durch 14 ausgesuchte Titel der Fado Historie und lässt keinen Zweifel aufkommen, dass das ihre Musik ist.

Sehr mutig

CELINE RUDOLPH arbeitet seit längerem nicht nur hierzulande an ihrer Akzeptans als ‚echte‘ Jazz Sängerin. Mit ihrer neuen CD „Pearls“ macht sie einen grossen Schritt in die richtige Richtung. Nicht Combo spielt und Stimme singt, sondern Stimme ist ein mindestens gleichberechtigtes Instrument in der Gruppe von 6 Musikern. Von flüsternd bis scattend zieht sie die Register und ebenso vielseitig und ideenreich wird sie dabei unterstützt von den Kollegen. Dabei kann schon mal ein fast poppiger Song oder eine sentimentale Ballade herauskommen, aber ebenso rhythmisch komplexere Werke, die ein wenig wie spontane Jams herüberkommen. Hut ab vor dem Mumm den es braucht, ein solch herausforderndes Werk auf die Spotify (etc.) geformte Öffentlichkeit loszulassen.

Perfekt daheim und unterwegs!

Wären die ‚London Nights‘ noch das, was sie vor Jahren beinahe hätten werden können, wäre dies der ultimative Stoff für die langen heissen Nächte. Er bastelt an Sounds, sampelt, läd Gäste (meist Vokalisten) ein und macht damit auch sein 2. Abenteuer als RENEGADES OF JAZZ zu einer Tour de Force durch Funk-Rhythmen, Jazz-Grooves und Afro getränkte Landschaften. Authentisch klingende Bläser aus der Acid Jazz Zeit, griffige Gitarren-Riffs und ein tolles Gespür für das Break an der richtigen Stelle. „Nevertheless“ ist der perfekte Mix für den Old School Dancefloor und auf dem heimischen Stereo mehr als ein echter Fusswärmer.

Die Seite ist heut mal wieder bunt, ein Brasilianerin, die Fado singt und Jetzt ein Russin mit Bossa und Samba. „Trick-Trague“ ist ROSA MORENA RUSSA’s bereits 2. Wurf in diese Richtung. In Russland geboren, in der Welt herumgekommen und in Hamburg beheimatet gelingt ihr der spezifische Tonfall für diese lebendige und sehr emotionale Musik ausgesprochen gut. Mit umfangreicher Mannschaft, nicht alle gleichzeitig in allen Tracks, passend zu jedem Titel geschrumpft oder aufgestockt, gelingt ihr als ‚Quer-Einsteigerin‘ ein inspirierendes ‚Old School‘ Brasil Album. Sicher auch, weil sie sämtliche Titel selbst komponiert und ihre Texte in 4(!) Sprachen vorträgt. Das zielt nicht auf Charts oder Playlists, sondern auf die entspannte, interessante Stunde vor den Lautsprechern.

Ausgewogene Mischung

Dass m/f mit der technischen Ausstattung für die aus dem Format-Radio quellende Botox-Musik auch ganz Anderes schaffen kann, belegen WORAKLS mit ihrer 2. CD. Wuchtige Orchester-Passagen, minimale Melodie-Muster und zwischendurch auch mal geradlinig 4 to the Floor. Zum grössten Teil ohne Gesang aber mit viel Gefühl für Abwechslung und spannende Klänge. Harmonisch fliessend, praktisch ohne Rhythmus, knackige Beats in forderndem Tempo in der richtigen Mischung. „Orchestra“ wäre an mir vorbeigegangen, wenn nicht… danke Peter, nicht nur für diesen Tipp.

Autor: Günter

Archivtexte Ohrenschmauch

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