CASSIUS/ QUANTIC/ CHICUELO & MARCO MEZQUIDA/ MM & THE RIB/ KING CRIMSON/ ANALOG STAMMTISCH/ BREL-CES GENS-LA

French House, fast wie früher..

Vor gut 20 Jahren schufen sie einen Klassiker der französischen Variante House Music. Auf dieser Basis waren und sind sie seitdem weltweit als DJs unterwegs. Entwickelten ihren Sound weiter und sind jetzt an dem Punkt angekommen, an dem es heisst, alles auf Anfang. Keine Ausflüge in die Welt des Pop, sondern dass, woran sie neuerdings wieder den meisten Spass haben. French House! Und so ist „Dreems“, das neue Album von CASSIUS, eine klare und eingängige Angelegenheit geworden. Ideen und Sounds von ‚früher‘ in den aktuellen zeitlichen Kontext überleiten, dabei nicht nur den Club im Hinterkopf haben und ein gutes Auge (Ohr!) für passende Stimmen entwickeln. Und auch mal andere Grooves zulassen, auf einem Track klingt’s nach George McCrae, ein anderer (Walking on Sunshine) verwendet Klänge aus Laidback’s ‚Sunshine Reggae‘. Variabel, frisch und mehr als unterhaltsam.

W. Holland diversen Instrumenten

Mal ganz ohne programmierte Beats, dafür mit Musiker-Kollegen und selbst als Multi-Instrumentalist geht Will Holland alias QUANTIC auf seinem neuen Album zu Werke. Ausgeklügelte kleine Kunstwerke, die ich keinem Genre zurechnen kann. 2 Violinistinnen, die leicht orchestralen Klang andeuten, Drummer, die sehr wohl komplex als auch geraden 4 to the Floor beherrschen und Will, der mit Bass, Gitarre und altem Synthi für die Struktur sorgt. Zum Teil singt er auf „Atlantic Oscillations“ sogar selbst, hat aber für spezielle Rhythmen wieder spezielle Stimmen an Bord. Alice Russell für die sehr gelungene Retro-Soul Nummer ‚Now or never‘ und 2 mir bislang unbekannte Damen für den sehr entspannten Afro Beat von ‚Tierra Mama‘. Macht beim ersten Mal schon hellhörig und fasziniert bei jedem Durchlauf mehr.

Niemals 2 ohne 3 („No hay dos sin tres“)sagen CHICUELO, Gitarre, und MARCO MEZQUIDA, Klavier, und meinen damit den 3. Im Bunde, PACO DE MODE, den Perkussionisten. Drei exzellente Handwerker zeigen ihre Variante von Flamenco meets Jazz. Verarbeiten dabei nur minimal Traditionelles, sondern erfinden ihre Musik selbst. Natürlich stehen die beiden Melodie-Instrumente im Vordergrund, werden dabei vom äusserst feinfühligen und zurückhaltenden ‚Rhythmus-Halter‘ getragen oder angefeuert und pendeln in den 8 Titeln zwischen Romantik und Feuerwerk.

Acoustic World Guitar nennt Martin Müller sein neues Album im Untertitel. „Grand Cru Guitar“ heisst es offiziell und sein Trio MM & THE RIB. Begleitet von Kontra-Bass und Drums geht es durch ein Dutzend gut ausgesuchter Fremd-Titel und eigener Werke. Von Lennon / McCartney über Egberto Gismonti und Pat Metheny bis zu Gershwin reicht die Bandbreite. Unaufgeregte, meist lyrische Adaptionen, fingerfertige Arbeit an der akustischen Gitarre und gut ausgewogene Combo-Arbeit bieten nicht nur den Saiten-PuristInnen hochklassige Unterhaltung.

Up-Cycling wird fortgesetzt!

Die grossen Helden meiner Jugend werden alt. Doch statt eigene grosse Erfolge in lahmen neuen Versionen aufzunehmen, arbeitet KING CRIMSON seinen Katalog technisch neu auf. In der Reihe zum 40. Jubiläum (die Band gibt es sicher länger als 50 Jahre..) gibt’s 2 Neuzugänge. Nr. 1, „The Reconstruction of Light“ wurde dabei ganz entgegen der Gewohnheit tatsächlich ‚up-gecycelt‘. Drummer Pat Mastelotto hat die Schlagzeug Spur neu eingespielt. Für die Bewertung fehlt mir heute der Vergleich. Aber ich kenne nach wie vor keine Combo, die derart vehement, komplex und druckvoll auch die hakeligsten Riffs seit Zappa scheinbar ohne Mühe sauber auf’s Band bringt. Das Album stammt aus 1999 und die Neuauflage ist, K.C. üblich, ein Doppel, CD2 ist eine Audio DVD mit diversen High End Audio-Formaten, sodass m/f mit diesem Modell nicht nur die eigenen Ohren fordert, sondern auch der Technik einiges abverlangt. Die Herren arbeiten nach wie vor in einer ganz eigenen Kategorie.

Am Freitag, dem 5.7. treffen sich die ANALOG STAMMTISCH zum letzten Mal vor den Sommerferien in der Boheme Boulette. Ab etwa 20h gibt’s auf die Ohren, nicht nur Analog. Anwesenheit mit Neugierde unbedingt erwünscht.

Zum Finale noch mal kurz Frankreich. Unter dem Titel „BREL - CES GENS-LA“ ist gerade ein Sampler mit 13 Neuinterpretationen von Chansons des grossen Belgiers Jacques Brel erschienen. Mit Ausnahme von Marianne Faithfull alles SängerInnen der jüngeren Generation und von den 13 Titeln würde ich nicht einen als ‚verhunzt‘ bezeichnen, sondern den Grossteil als respektvoll und mit grosser Sorgfalt neu gestaltet. Liebevoll und sehr emotional. Sollte m/f hören!

Autor: Günter

Archivtexte Ohrenschmauch

GünterGünter

Weitere Beiträge 2019