TRIP TO THE MOON/ DAPAYK & VARS/ LUCA CURCIO & FREE HUMANS/ LIN CORTES/ ALAN EVANS TRIO

Intergalaktisch

Die vergangene Woche endete mit dem Verlassen der irdischen Atmosphäre mit MARTIN TINGVALLs „The Rocket“, in dieser Woche bin ich mit dem neuen Raritäten-Sampler aus dem Hause TRAMP gleich intergalaktisch unterwegs. „TRIP TO THE MOON“ versammelt 13 (auf LP 11) selten gebotene Songs zum Thema Weltraum, speziell Mond. Die Bandbreite reicht von Folk zu Funk, von Garage Rock zu R’n’B, vom Hasen Cäsar über das Orchester Ambros Seelos zu Sidney Owens, den die Eingeweihten unter den Lesern vermutlich über DJ Shadow kennen. Von den ‚Soul-Archäologen‘ ausgewählte, nicht immer audiophile Sounds, deren Groove und Charme aber absolut unwiderstehlich sind oder gar hypnotisch, wie die Tracks 7 und 8. Allein wegen des Themas des Sammelns wert, mehr noch wegen der zugrunde liegenden Spam-Mail Geschichte. Daumen hoch!

Gemeinsam sind wir besser, als jeder von uns allein, sagten sich DAPAYK & VARS und begannen an ihren „Streets & Bridges“ zu schrauben. Beide seit langem als DJs und Produzenten in der Berliner Techno-Szene unterwegs, verbinden sie ihre Vergangenheit und Gegenwart mit 9 raffinierten elektronischen Kompositionen. Das reicht von beinahe Industrial Sounds der 80er, zu denen Vars‘ sonore Stimme besonders gut passt, feinen Melodien über Techno-Beats und 4 to the Floor Grooves zu beinahe Pop-Songs. Schaffen es, trotz sehr unterschiedlicher musikalischer Sozialisation, aus den jeweiligen individuellen Wegen einen breiten, bunt gemischten gemeinsamen Pfad zu beschreiten.

Elemente aus Folk und Jazz plus kurze, frei Improvisierte Einlagen haben LUCA CURCIO & FREE HUMANS auf CD gebannt. Im Quintett mit Bass, Drums, akustischer Gitarre, Sax und Akkordeon verbinden sie auf „Sabir“ gekonnt variable Rhythmen, komponierte Teile und inspirierte Improvisationen zu einem sehr homogenen Gesamtklang. Mediterrane Melodien und Stimmungen, wie weiland auf frühen ECM Platten die nordischen, schaffen trotz virtuoser Solisten ein auch für nicht so sehr Jazz geübte angenehmes Hörerlebnis.

Flamenco trifft Soul

In LIN CORTES‘ Brust schlagen offenbar mindestens 2 Herzen. Zum einen ist er ein grosser Fan der Soul Musik, was er in seinen eigenen Songs überzeugend umsetzt und interpretiert, auf der anderen Seite kann er vom Flamenco nicht lassen und bringt eine Mischung zustande, wie ich sie so noch nicht gehört habe. Neben selbst programmierten Sounds gibt’s auf allen Tracks ‚richtige‘ Instrumente, von erstklassigen Musikern in Szene gesetzt und dazu auf fast allen 10 Tracks Gaststimmen, meist Sängerinnen, die einen gelungenen Counterpart zu seinem heiseren Gesang bilden. Flamenco Gitarren und Handclaps über funky Basslinien, das muss m/f erst mal wohlklingend verschmelzen.

Funky rockendes Trio

Funky bis in die Haarspitzen kommt Ae3 alias ALAN EVANS TRIO daher. Seit Ewigkeiten als Drummer im Einsatz bei Soulive findet er auch noch Zeit für sein ganz eigenes Ding. Unterstützt von Gitarre und Keyboard (meist Orgel) treiben sich diese drei durch 9 knackige Instrumentals. Zwischen rockenden Passagen und funky Licks á la James B. gibt es auf 2 Tracks noch eine schnittige Horn Section, die das brodelnde Gebräu weiter aufkochen hilft. Eingeschlossen quirlige Gitarre-Soli, feiste Orgel-Intermezzi und natürlich einem mit allen Wassern gewaschenen ‚Funky Drummer‘, der auch problemlos eine Ballade passend untermalen kann.

Autor: Günter

Archivtexte Ohrenschmauch

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