NICK GARRIE/ EGOLI/ SARATHY KORWAR/ RIDE

Kleinod aus der Vergangenheit

Es ist genau 50 Jahre her (keine Sorge, ist nicht der Text der letzten Woche), da kam dieses Album fast nicht auf den Markt. Durch den Tod des Label-Chefs und das daraus entstandene Chaos gelangten nur wenige Exemplare in Umlauf. Die Damen und Herren der Marke Tapete ändern das jetzt. Der damals 19 jährige NICK GARRIE bekam die Chance seine aus der Folk / Songwriter Tradition bestimmten Songs im Studio aufzunehmen. Er war nicht begeistert, dass der Produzent sein „The Nightmare of J.B. Stanislas“ mit opulenten Streichern ausschmückte und damit das Werk auf den ‚Sound der Zeit‘ trimmte. Charmante Pop-Musik von früher, deren Harmonien und Themen auch heute nicht aus der Zeit gefallen sind. Flott gespielt und durchweg optimistisch. Balladen dazwischen und am Ende der CD gibt’s als Zugabe einige Demo-Versionen ohne Orchester. Erinnerungen (wenn m/f alt genug ist) kommen auf an Barry Ryan, Peter Sarstedt, Cat Stevens oder Donovan. Schön, dass dieses Album (auch Doppel LP) nicht für verloren geblieben ist.

Die Africa Express Abteilung, in der auch Damon Albarn mitwirkt, legt ihre 2. CD vor. „EGOLI“ ist der Titel der Kompilation, die einen weit gefassten Einblick in zeitgemässe afrikanische Musik gibt. Von aus der Tradition abgeleiteten Songs zu elektronische betriebenen Tanzbeats, Gesangs-lastigen Chorstücken zu Popsongs mit Afro-Wurzeln zu Sprechgesang auf Hip Hop Beats. Mitwirkende Namen, die m/f kennen kann sind die Mahotella Queens, Gruff Rhys, Damon Albarn, die überwiegend afrikanischen Musiker auf gesamt 18 Tracks, Frauen Männer, DJs, Programmierer etc. sind zumindest mir bislang nicht geläufig. Trotz unterschiedlichster Ansätze hat ‚Egoli‘ einen sehr entspannten Flow, d.h. kann gut am Stück durchgehört werden.

Sarathy Korwar – Kommentar zur Lage

Deutlich heftiger, offensiver geht es auf SARATHY KORWAR’s neuer CD zu Werke. Für sein „More Arriving“ hat er sein auch mit indischen Instrumenten ausgestattetes Jazz-Ensemble um Stars der indischen Rap-Szene erweitert und liefert ein rhythmisch treibendes Stück Kommentar zu seinen Erfahrungen und seiner Situation als Inder im gespaltenen Königreich. Was üblicherweise im Hip Hop von programmierten Beats gestaltet wird, spielt seine Combo von Hand, mit der Ausstattung einer Jazz-Band. Schafft damit den soliden aber variablen Background, auf dem die Sprechkünstler ihre Message verbreiten können. Die politische und radikale Geschichte des Jazz angewandt auf indische Diaspora Erfahrungen im derzeitigen England. Keine ‚Wohlfühl-Musik‘, Aufruf zu Widerstand und Kommentar zur Lage. Ich würde nur gern mehr von den Texten verstehen.

Africa kommt!

Nach langen Jahren erschien gerade eine neue Platte von RIDE. Zu „This is not a safe Place” kann ich der Band nur gratulieren. Die haben ihren in den 80ern begründeten Sound, mit dem sie in den 90ern bereits Furore machten, bestens konserviert. Nicht im Sinne von kopieren, sondern mit diesem spezifischen Sound neue Musik kreieren. Da ziehen am geistigen Ohr Klänge vorbei von den melodiösen Smiths, von den singenden Housemartins oder den krachigen Gang of Four. Jede/r, der und die die 80er (nicht die von RTL) mit erlebt hat, wird bei diesem frisch und dynamisch daher kommenden Werk eigene Assoziationen haben. Kompakte Songs, schlüssige Instrumentierung und zum Schluss gar ein wenig psychedelisch. Passt!

Autor: Günter

Archivtexte Ohrenschmauch

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