MIRIAM MAKEBA/ ABDULLAH IBRAHIM/ METTE JUUL/ JESSE MALIN/ KUTI MANGOES

Das war wohl der erste wirkliche Welt-Hit afrikanischer Abstammung. ‚Pata Pata‘, diesen Song kennt zumindest fast die gesamte Erwachsenenwelt. Veröffentlicht in Amerika 1966 katapultierte er die bis dahin wenig bekannte MIRIAM MAKEBA in die obersten Regionen der Charts. Jetzt, fast 50 Jahre später, kommt das Album gleichen Titels tontechnisch optimiert neu auf den Markt. Die CD enthält das von den Original-Bändern frisch gemasterte Material in der Mono- und der Stereo-Version, die Vinyl Platte kommt deshalb als Doppel. Neben dem titelgebenden Song finden sich 10 weitere Zeugnisse ihrer Fähigkeit, Rhythmen und Harmonien ihrer Heimat in westlichen Arrangements, mit westlichen Instrumenten, allein durch die Präsenz ihres Gesangs-Vortrags zu einzigartigen Mischwesen zu machen.

Ebenfalls Afrikaner, ebenfalls lange in USA gelebt, aber noch auf dem Planeten. ABDULLAH IBRAHIM, mittlerweile in Deutschland beheimatet, beschreibt auf „Dreamtime“ in gewisser Weise sein Leben. Mehr als 1 Stunde am Stück, ohne Pause, Live eingespielt, Piano Solo. Von lyrisch verspielt, beinahe klassisch romantisch zu jazzigen Figuren in einem Fluss. Der Stromschnellen und Strudel überwindet, in dem es unterschwellige Gegenbewegungen gibt und doch alles in allem ruhig dahin fliesst. Eine wundervolle Beschreibung seines langen Lebensweges (er ist 85 Jahre alt) in musikalischer Form.

Aussergewöhnliche Sängerin

Auf dem Feld der ‚neuen‘ Jazz-Sängerinnen ist METTE JUUL eine Ausnahme-Erscheinung. Weder optisch und schon gar nicht musikalisch greift sie auf irgendwelche Pop-Spielereien zurück. Für ihr „Change“ konnte sie auf kompetente Helfer setzen (u.a. Lars Danielsson, Bass, Cello, Ulf Wakenius, Gitarre), die ihre Auswahl aus Titeln aus fremder Feder und den eigenen Kompositionen mit grosser Zurückhaltung umsetzten. Wobei die ‚Cover-Versionen‘ auch dem und der VielhörerIn nicht wirklich geläufig sein dürften. Von den 6 beteiligten Musikern hört m/f selten mehr als 3 gleichzeitig, jede Begleitung sparsamst auf ihren aussergewöhnlichen Gesang zugeschnitten. Sie intoniert sehr gezielt, trägt nicht Texte vor zu Musik, sondern lebt ihren Gesang als ein weiteres Instrument im Ensemble.

Enkel der Eagles?

Zur leichteren Muse. Die ersten Takte wecken Erinnerungen an den jungen Lou Reed, aber nur die ersten. Danach entwickelt er sich zu einem ‚Enkel‘ der Eagles. Nicht so ausgefuchst in der Gitarren-Arbeit, aber in den Melodien genau so Country geschult und von der Sonne verwöhnt. Mit konventioneller 4er Back-Up-Band von Hand eingespielt, mit vielen Gästen auf den 14 Tracks, von Green Day’s Billie Joe Armstrong zu Lucinda Williams, die das Ganze auch als Produzentin überwachte. JESSE MALIN heisst der Sänger und Gitarrist, das Album „Sunset Kids“ und beweist, dass m/f auch unter schwierigen Umständen einen positiven Blickwinkel besetzen kann.

World Beat at its best!

Mit ihrer ureigenen Mischung aus afrikanischen Rhythmen, nordischem Lebensgefühl und im Jazz geschulten Handwerk bestreiten die KUTI MANGOES jetzt schon ihr 3. Album. „Afrotropism“ enthält die Essenz aus den beiden Vorgängern und entwickelt den Band spezifischen Sound weiter in Richtung weltoffen. Auf dem ausgerollten Perkussions-Teppich entwickeln sich Bläserfiguren, die an Big Bands erinnern, spielen plötzlich afrikanische Melodien oder fallen in fast Zappa-eske Riffs. Der Afro-Beat, auf Album 1 fast durchgehend, ist nur noch ein Teil der rhythmischen Basis, die Reise nach Afrika für Album 2 hat in Instrumenten-Einsatz und Melodien erkennbare Spuren hinterlassen, die jetzt auf Album 3 in eine wirklich einzigartige Mischung aus den hier genannten und noch diversen anderen Einflüssen münden. Am 13. Dezember hier im Hot Jazz Club. Save the Date!

Autor: Günter

Archivtexte Ohrenschmauch

GünterGünter

Weitere Beiträge 2019