9 BEATS COLLECTIVE/ LISA SIMONE/ CHRISTIAN FRENTZEN/ WALRUS/ TENZIN CHOEGYALL, JESSE PARIS SMITH & LAURIE ANDERSON

Da haben sich die Damen und Herren aber etwas vorgenommen. Das 9 BEATS COLLECTIVE vertont, oder vielleicht besser, versucht den 9 Seligpreisungen von Jesus durch vielseitige Musik eine aktuelle Konsumform zu verschaffen. „Nine Beats to the Bar“ enthält laut ‚Waschzettel‘ eine Vielfalt an musikalischen Stilen, Soul, Rock/Pop, R&B, Afrikanisches, Gospel, um dem Gesagten mehr Wirkung zu verschaffen. Auf meiner Hörprobe ist nur 1 Track ‚Wild World‘, aber der geht mächtig zur Sache, GoGo Funk, wie er in den späten 80ern kurz populär war, knackige Drums, stabile Basslinie und Gesang aus Einzelstimme und Chor. Wenn die angekündigten Musikfelder auf den anderen 8 Tracks entsprechend dynamisch und inspiriert ausgelotet werden, freue ich mich auf ein exzellentes ‚total gegen den Strich‘-Album.

Grosse Bandbreite

Als Tochter einer wirklich renommierten Sängerin war es für LISA SIMONE sicher nicht ganz leicht sich aus dem Schatten der ‚Übermutter‘ herauszuarbeiten. Auch auf ihrem mittlerweile 3. Album „Need of Love“ ist diese Auseinandersetzung noch nicht beendet, aber sie hat sich schon sehr weit freigestrampelt. In 12 Titeln belegt sie ihre musikalische Vielfalt, beweist sich in unterschiedlichen Stilen, von fast Popsong über adaptierte Reggae- oder Afro-Grooves und Gospel zum Finale nur begleitet von afrikanischen Trommeln. Ihre Stimme beherrscht diese Bandbreite souverän, die ausgewählte kleine Band hat damit ebenfalls keine Probleme. Texte, die auf ein ausgeprägtes Wissen über Menschen und Welt schliessen lassen, in Arrangements, die bei aller Verschiedenartigkeit doch wie aus einem Guss klingen.

Eine erstaunlich harmonisch daherkommende CD legt der Pianist CHRISTIAN FRENTZEN mit seinem Trio und Gästen vor. „First Encounter“ ist moderner Jazz, aber nicht nur das. Die Struktur des Songs ist das, worauf es ihm ankommt. Darüber improvisieren, keineswegs ‚handzahm‘, die Gäste an Trompete, Sax und Gitarren und natürlich er selbst am Piano. Gekonnt gesetzte Bläser-Figuren und die flexible Rhythmusgruppe halten die Musik trotz Harmonie weit weg von Barjazz. Ein paar ausgefuchste Gitarren-Soli und eine grossartig gespielte Mundharmonika auf dem Track „A Song for the Dreamer“ (Dino Soldo) bringen noch ein paar extra Highlights ein.

Frisch aufgespielt

Von WALRUS hatte ich vorher noch nichts gehört. Auf ihrem 2. Longplayer „Cool to who“ überraschen sie mit einer rundherum gelungenen Mischung aus psychedelischen Sounds mit leichter Ähnlichkeit zu Mazzy Star, rockenden Momenten und einer Portion Britpop. Gitarre, Bass, Schlagzeug und die passende Sängerin, dazu griffige Melodien auf geraden Rhythmen. Mehr braucht es nicht für eine auffällige Platte.

Vorbereitung auf die Zeit’danach’?

„Songs from the Bardo“ ist der mehr oder weniger spontan improvisierte Versuch von TENZIN CHOEGYAL, JESSE PARIS SMITH und LAURIE ANDERSON, einen kleinen Teil der Texte des tibetanischen ‚Book of the Death‘ durch musikalische Unterstützung einem grösseren Menschenkreis, besonders ausserhalb von Tibet, nahe zu bringen. Nach der Leere des Buches stirbt mit dem Tod das Bewusstsein nicht. Durch Anleitung und rituelle Handlungen der Hinterbliebenen soll es auf die richtige Ebene gebracht werden. Kurz gefasst und sicher nicht 100% korrekt, mit geht es hier jedoch um die Klänge die diese drei miteinander erschaffen. Hoch konzentriert, meditativ, durch die gesprochenen Texte von Frau Anderson unterbrochen, schicken sie den hier den noch lebenden lebenden Geist auf eine Reise in unbekanntes Terrain. Wäre doch schön, wenn nach dem Tod noch was kommt, oder?

Autor: Günter

Archivtexte Ohrenschmauch

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