ANALOG FREUNDE/ WORLD PERCUSSION ENSEMBLE/ SEBASTIAN/ FARAFI/ DE-PHAZZ

Das Wichtigste vorweg. Zum letzten Mal in diesem Jahr treffen sich die ANALOG FREUNDE am Freitag, den 22.11. in der Boheme Boulette. Ab etwa 20h gibt’s Diskussion und hoffentlich auch Beweisführung über und für die Qualität russischer Streaming-Dienste besonders im Vergleich zum analogen Musik-Genuss. Neue ‚experimental‘ Lautsprecher können ebenfalls bewundert werden. Fachkenntnisse sind nicht erforderlich, Eintritt ist frei.

Bereits in den 60ies versuchten Pop Musiker ihr Renommee pimpen, wollten von der ‚Kultur-Szene‘ als echte Künstler respektiert werden. Dieser Wunsch auch als ernst zunehmender Kunst-/Kultur- Schaffende/r akzeptiert und benannt zu werden hat sich auch durch ‚Goldene Platten‘ und Auftritte vor fünf stelligen Menschenmassen nicht erledigt. Gröni und Udo müssen dafür nicht mehr hasseln, Helene und Howard waren zu dem Zweck in den Abbey Road Studios, der Bap sogar extra in New Orleans. Kann Mann das noch toppen? Ja! Er nimmt alte Songs neu auf. Wo? In Woodstock…!

Weniger ist mehr

1-2-3 und Rhythmus im Blut mal ganz anders. Das WORLD PERCUSSION ENSEMBLE (WPE) mischt auf seiner „Tambo“ CD Klänge aus aller Welt. Piano und Bass besorgen Melodie und Kontinuität, die 3 Hand-Trommler kombinieren ihre unterschiedlichen Trommeln, singen dazu auch mal, und sind diszipliniert genug, Trommel-Orgien zu vermeiden. Stattdessen feingliederige Songs mit Klangfarben, die Njamy Sitson, Takuya Taniguchi und Marco Lobo aus ihrer jeweiligen Heimat ins Spiel bringen.

Eine beeindruckende Gästeliste kann SEBASTIAN auf seinem 2. Longplayer vorweisen. Mayer Hawthorne, Charlotte Gainsbourg u.a. und sogar die Sparks lassen ihre Stimmen wirken. Die versöhnen mit den teilweise sehr sperrigen Elektro-Sounds, die der ambitionierte Komponist/Produzent auf die Hörerschaft abfeuert. Fliessende Rhythmus-/Szenenwechsel, drohende Sounds im Wechsel mit kurzen Harmonie-Sprengseln. „Thirst“ ist weniger ein konzeptionelles Album, als vielmehr eine wuchtige Sammlung unterschiedlichster Ideen und Ansätze, wie neuartige Songmuster aussehen könnten, wenn auf das übliche Intro-Strophe-Refrain usw. weitestgehend verzichtet wird. Sperrig aber spannend.

World Pop vom Feinsten

FARAFI, das sind 2 Frauen, die ihren musikalischen Input auf Reisen in alle Welt gesammelt haben. Für ihr „Calico Soul“ haben sie sich mit 10 Musikern verstärkt, die das Gemisch aus traditionellen Klängen aus Afrika, dem mittleren Osten, Indien und westlicher (Pop-) Musik ohne Reibungsverluste umsetzen. Der Gesang der beiden erinnert mich an (west/nord-) europäischen Stimmgebrauch, die verwendeten Instrumente, von Oud zur Rahmentrommel, stammen aus mindestens so vielen Ländern, wie die beteiligten Musiker. Zarte Melodien, die zu Herzen gehen oder Riffs, die gerne auch von einer Rockband stammen könnten, Farafi beherrschen die Kunst, jede Klangfarbe, jeden Rhythmus absolut authentisch und eigen klingen zu lassen. World Pop vom Feinsten!

Alte Hits mit neuen Strings!

Mindestens einmal im Jahr trage ich hier eine Eule nach Athen. Zu DE-PHAZZ müsste ich eigentlich nichts mehr sagen. Aber, „de Capo“ ist keine wirklich neue CD. Der Herr Baumgartner hat die Menschen, mit denen er gern Musik macht zusammen getrommelt, für 10 seiner bevorzugten Songs aus der Bandgeschichte die Arrangements umgeschrieben, damit die STÜBAphilharmonie unterstützend mitwirken kann. Also alte Bekannte (Songs) in neuem Gewand. Manchmal fast zu schön arrangiert und nach ‚Weihnachten früher‘ klingend, aber die geliebten Stimmen von Pat Appleton, Barbara Lahr und Karl Frierson halten das Ganze bestens im Hier und Jetzt. Wer die anderen Platten der Combo hat, kommt auch hier nicht dran vorbei, wer nicht, kriegt hier einen wunderbar entspannt produzierten Einstieg, der ziemlich schnell süchtig macht.

Autor: Günter

Archivtexte Ohrenschmauch

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