LAS LLORONAS/ SAN SALVADOR/ MENAGERIE/ INDABA IS

Las LLoronas – Zarte Klänge voller Leidenschaft

Solche Produktionen kenne ich vorrangig aus Belgien. Die drei Frauen von LAS LLORONAS lassen Traditionelles aus unterschiedlichsten Regionen und Sprachen in ihre Songs einfliessen. 2 von ihnen singen und spielen Akkordeon und Ukulele bzw. Klarinette, die dritte Saxofon. Dazu kommen als Verstärkung auf einzelnen Tracks Trompete, Kontra-Bass und akustische Gitarre. Dabei entstehen meist zarte Lieder mit inhaltsvollen Texten, die auch mal als Poetry Slam abgeliefert werden. Es finden sich spanische Motive, Klänge aus dem Morgenland, Klezmer Anspielungen, Musette und fein abgestimmter Gesang, alles ganz zurückhaltend instrumentiert. Austrainiertes Handwerk ist ihnen wichtig, aber das Wesentliche ist Leidenschaft. „Soaked“ ist das Ergebnis ausgiebiger Touren und Auftritte, auf denen sie Melodien und Ideen sammelten und den Feinschliff für dieses feinsinnige Werk ausarbeiteten.

Noch mehr Stimmen! SAN SALVADOR nennen diese halb und halb gemischten Sechs ihr Gesangsprojekt. Instrumente Fehlanzeige, ausgenommen Perkussion, die sie selbst beisteuern. Wuchtig gesetzte Stimmen, solo, als Chor oder gern auch als Konan versetzt. Allesamt mit strammem Rhythmus vorgetragen und temposicher intoniert. Den Vokaldruck verteilen sie auf „La grande Folie“ auf 8 Titel, von denen 3 ‚Normal kurz‘ gehalten, die weiteren 5 beinahe überlang bis auf 13 Min. ausgedehnt werden. Vom Lesen alleine wird m/f kaum glauben können, wie ein ‚nur‘ Stimmen Ensemble vorwärts stürmen kann. Und der gewiefte DJ nimmt die flotten Gesänge und legt einen strammen Elektronik-Beat darunter, dann fällt den Jungs und Mädels auf der Tanzfläche das Smartphone aus der Hand….

Menagerie – Spiritual Jazz from Down Under

Zugegeben, das ist ein bisschen Retro. Spiritual Jazz hatte seine Blütezeit in den 60er/70er Jahren, wird jedoch in diesem Jahrzehnt ein wenig wiederbelebt. Z.B. auf dem Gondwana Label von Matthew Halsall oder, wie jetzt, auf dem Freestyle Label. Dort ist neu die 3. CD der australischen MENAGERIE . Auf „ Many Worlds“ entwickeln sie in 5 überlangen Titeln ihre Vorstellung von organisiertem und freiem Zusammenspiel, von irdischen Rhythmen und inspirierten solistischen Einlagen. Fein abgestimmte, wohlklingende Bläsersätze oder auch riskantere Tonfolgen, mit 9 Mann können sie abwechslungsreiche Sounds erschaffen, zu denen auch das Keyboard oder die elektrische Gitarre wichtige Anteile beisteuern. In Tracks zwischen 6 und 11 Minuten Spielzeit kann Mann sein kreatives Potential ausschöpfen. Ausnahme Titel 3. Gesprochener Vokalpart auf Perkussion und schon nach gut 2 Min. vorbei. Wer sich gelegentlich an ‚The Creator has a Masterplan‘ erinnert, sollte hier nicht vorbeihören.

Indaba is – Frisch, fromm, fröhlich, frei!

Ein echter Frischmacher ist „INDABA IS“ . Eine Zusammenstellung aktueller südafrikanischer Klänge zwischen improvisierter Musik und Jazz mit natürlich deutlich durchscheinenden heimischen Elementen. Zusammengestellt für Gilles Petersons Brownswood Label von 2 Mitgliedern der Band The Brother moves on‘, die auch mit einem von insgesamt 8 Titeln vertreten ist. Hier gibt’s von elektronisch angelegten Rhythmen über Afro Beats und unterschiedlich eingearbeitete traditionelle Rhythmen einen abwechslungsreichen Einblick in die Musikwelt des südlichen Afrika ohne die schweren Schäden, die ‚MTV ist überall‘ (heutzutage Youtube) verursacht hat. Hören und freuen!

Autor: Günter

Archivtexte Ohrenschmauch

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