JOTA MARTINEZ & ENSEMBLE ALFONSI / PAUL HELLER / PHILLIP DORNBUSCHS PROJEKTOR / BLACK PISTOL FIRE / MATTHEW ROBB

Das nenne ich mal eine Langzeitaufgabe. 15 Jahre lang hat JOTA MARTINEZ für sein ENSEMBLE ALFONSI geforscht, dokumentiert und schliesslich 60 Instrumente aus der Zeit des König Alfons X rekonstruieren lassen. Auf diesen, wenn m/f so will, Original-Instrumenten intonieren er und seine musikalischen Archäologen „Instruments to praise Holy Mary“. Musik, wie sie im 13. Jahrhundert geklungen hat, deren historische Instrumente im gesamten Mittelmeerraum zu finden waren. Aus heutiger Pop-Musik-Sicht durchaus gewöhnungsbedürftig, aber katholisch muss m/f dafür nicht sein.

Längst nicht so alt, aber immerhin schon vor gut 20 Jahren aufgenommen ist PAUL HELLER’s „Remembering“ ein lebendiges Beispiel für musikalische Interaktion und Improvisation. Im Quartett mit Achim Kaufmann am Piano, Ingmar Heller am Kontrabass und John Hollenbeck am Drumset führt der Saxofonist seine Combo, die er auf 2 Titeln um Norbert Scholly an der Gitarre ergänzt, durch 7 eigene Kompositionen. Lyrische, durchkomponierte Passagen verbinden mit ‚klassischem‘ modernen Jazz, solistische Ausflüge der Kollegen an den Instrumenten zeigen Willen und Können zur Erweiterung der klanglichen Ausdrucksmöglichkeiten. Stammt aus dem Jahr 2000, könnte genauso gut aus diesem Jahr sein. Zeitlos modern.

Phillip Dornbuschs Reflektor – Immer auf der Suche

Das Jahr hat kaum angefangen, schon erscheint ‚Jazz Thing Next Generation Vol. 86‘. Kurz vor knapp, am 28.2.2020 an einem Tag eingespielt, bietet PHILLIP DORNBUSCHS PROJEKTOR mit „Reflex“ einen Einblick in seine permanente Suche. In 7 selbstkomponierten Titeln agiert das Quintett aus Sax/Klarinette, Piano, Gitarre, Bass und Drums grösstenteils frei, im Sinne von nicht vor-arrangiert, beeindruckt durch handwerkliches Können, emotionale Tiefe und beherztes Spiel und Auslassen. Wie im Plattentütenrückseitentext beschrieben, geht es hier nicht um das Finden, sondern den immer währenden Prozess der Suche nach dem ultimativen Ausdruck, der, wie jeder Tag, immer wieder neu beginnt.

Black Pistol Fire – Laut, geradeaus und vorwärts

So, jetzt einfacher, laut, geradeaus und vorwärts. BLACK PISTOL FIRE sind bereits beim 6. Longplayer angekommen. Das kanadische Duo aus Drums und Gitarre plus Effekte hat sich inzwischen in Austin/Texas angesiedelt und bedient sich auf „Look alive“ ausgiebig an ‚Rock- und Blues- und alles Andere‘ der amerikanischen Musikwelt. Reste aus den punkigen Anfängen wechseln sich ab mit hart rockenden Tracks, Südstaaten-Riffs und dem Schielen auf Pop und Funk. Effektiv eingesetzte Gitarrenarbeit und die Stramme Produktion lassen weitere Instrumente nicht vermissen. Gäste auf einzelnen Tracks runden das Bild und ein fettes Plus ist die überzeugende Stimme des Sängers. White Stripes, Black Keys, Black Pistol Fire?

Matthew Robb – Songwriter / Poet

Ohne Effekte, lediglich mit Begleitung durch Drums, Bass und elektrische Gitarre, kommt der britische Singer/Songwriter MATTHEW ROBB auf seiner „Dead Men have no Dreams“ aus. Selten greift er auf Tonfall und Harmonien der keltischen Tradition zurück, im Wesentlichen bewegen sich seine Songs zwischen Blues und Country mit einem Spritzer Rock. Den Unterschied zur Masse der Troubadoure machen sein sympathischer Gesangsvortrag und seine sowohl realitätsnahen wie auch poetischen Texte. Ehrlich, ungekünstelt eingespielt, dazu warm und authentisch klingend produziert, zeigt er uns wortreich seinen Blick auf die Welt. Texte liegen bei.

Autor: Günter

Archivtexte Ohrenschmauch

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