MARTIN MÜLLER/ YELENA ECKEMOFF/ MARKUS SCHIEFERDECKER/ MABEL FLORES/ KALI TRIO

Brazilguitar – Meister der Nylon-Saiten

In dieser Woche beginne ich mit zart, leise und virtuos. MARTIN MÜLLER
ist hier im Norden wohl nur den Akustik-Gitarren Fans ein Begriff. Dabei veröffentlicht er seit ca. 30 Jahren regelmässig neue Werke. Zu zweit oder auch mit mehr Kollegen huldigt er dabei der brasilianischen Musik, die sich in seinen Kompositionen deutlich widerspiegelt. Auch finden sich eigene Interpretationen berühmter oder weniger bekannter Songs aus der brasilianischen Musikwelt. Auf seiner neuen Platte „Brazilguitar-Bossa Esperanca“ macht er es ganz allein. Eigene Stücke, Vorlagen von Vinicius über Baden Powell zu Egberto Gismonti, dazu als Bonus-Tracks 3 Titel im Duo mit Oscar Ferreira, die aus älteren Veröffentlichungen stammen, sorgsam ausgewählt und akribisch ausgeführt lassen das Herz der Freunde der Nylonsaiten-Gitarre höher schlagen.

Ausgesprochen fleissig diese YELENA ECKEMOFF . Nach ihren ‚Nocturnal Animals‘ aus dem vergangenen Jahr hat sie jetzt mit ihrem finnischen Quintett bereits die Doppel-CD „Adventures of the Wildflower“ fertig gestellt. Auf 2 Discs verteilt 18 meist wohlklingende Kompositionen, in denen alle Beteiligten Gelegenheit bekommen zu glänzen. Die Musik erzählt / begleitet die liebevoll geschriebene, im Booklet abgedruckte Lebensgeschichte der Akelei, um die sich das ganze dreht. Alles in allem vielleicht ein wenig romantisch, aber schön zu hören, trotz raffinierter Arrangements und langer Ausflüge der Instrumentalisten.

Markus Schieferdecker – Aussergewöhnliche Standards

Etwas freier und improvisierter klingt „Asteroid 7881-Standards“ von MARKUS SCHIEFERDECKER und seinem Quartett. Zwei Titel von ihm, einer vom Pianisten Xavier Davis, die anderen 5 von F. Hubbard, H.Mancini usw., eben ‚Standards‘. 4 Exzellente Instrumentalisten, die sich gegenseitig genügend Raum lassen, Themen vorstellen (Moon River!) sie in Gruppe ‚ausdiskutieren‘ und dehnen, dabei die Harmonien nicht aus den Augen verlieren und trotz aller Freiheiten nicht radikal klingen. Aufgenommen bereits 2015, erst in diesem Jahr auf CD. Vermutlich ein Beispiel, wie schwer es sein kann ohne einen ‚grossen‘ Namen einen Verlag / Vertrieb zu finden.

Nur kurz: Sehr poppig, aber die Stimme gefällt mir. MABEL FLORES‘
„Meraki“ stecke ich in die Schublade ‚Mestizo-Pop‘, also spanische Seele trifft die Musik der Welt. Erinnert mich an die frühe Miami Sound Machine. Unterschied: Statt Latin Rhythm scheint hier der heimische Flamenco durch.

Kali Trio – Meine Schönheit der Woche

Eine ganz eigenständige Variante Jazz liefert das KALI TRIO
mit der Besetzung Piano, Gitarre, Drums. Minimalistische Klänge, ostinate Rhythmen und ungewöhnliche Sounds kennzeichnen die 4 Titel auf „Loom“. Langsam, wie in einer Trance entwickeln sich Tonfolgen, kristallisieren sich Strukturen heraus, steigern sich Intensität und Spannung. Als einziges Instrument klingt das Schlagzeug, wie m/f es kennt, Gitarre und Piano liefern ihren Beitrag in verfremdeten, geräuschartigen Klängen. Fein miteinander verwoben und durchsetzt von gezielt reduziert eingesetzter Energie. Experimentell im Sound, rhythmisch absolut nachvollziehbar und bei Interesse sicher problemlos tanzbar. Das hat kaum Berührungspunkte mit europäischem oder gar amerikanischem Jazz, viel eher mit experimentellen Sounds der britischen Electro-/Ambient-Scene. Endlich mal was wirklich Anderes! Unangefochten meine ‚Schönheit der Woche‘.

Autor: Günter

Archivtexte Ohrenschmauch

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