DE-PHAZZ UND FREUNDE/ STEFANO BOLLANI/ TORTUSA/ WOODEN PEAK

De-Phazz – Geschmack für den Nachwuchs

Einen ähnlichen Einstieg gab es vor kurzem schon einmal. Der erste Tipp der Woche richtet sich an Eltern (eher Grosseltern..). DE-PHAZZ , die heimischen Könige der jazzigen Lounge-Klänge wenden sich mit ihrem „Unsere Welt“ an den sehr jungen Nachwuchs. Songs für die Kleinen, kindgerecht formulierte Texte und Geschichten, mit unterschiedlichen SängerInnen / ErzählerInnen, nicht vordergründig lustig sondern humorvoll informativ. Zu den kurzen Gedichten und Geschichten die passenden Hintergrundgeräusche und zu den Liedern der elegant swingende De-Phazz Sound. Und der ist wirklich, auch bei dieser ‚Kinderplatte‘ exzellent. Wer also schon beim Gedanken an die x-te Wiederholung der Generationen strapazierenden Werke von Zuckowski und Jöcker (ist überhaupt nicht böse gemeint, die waren und sind für das Genre wichtig) Albträume bekommt, geniesst mit ‚Unsere Welt‘ auch stundenlange Fahrten mit den Kids.

Zurück zum Ernst der Erwachsenen. „El Chakracanta“ heisst das neue Werk des Pianisten STEFANO BOLLANI . Vier Werke für Klavier und Orchester, 2 jeweils 3-sätzige Eigenkompositionen dazu 2 Tango-Klassiker. Live aufgenommen in Buenos Aires mit dem Orquesta Sin Fin, dazu Gäste an Kontrabass, Drums und Bandoneon. Er verbindet seine klassische Ausbildung in Komposition und Spiel elegant fliessend mit den improvisatorischen Fähigkeiten eines renommierten Jazzers. Ein so grosser Klangkörper als Partner bremst zwar ein wenig die Spontanität, was aber nichts daran ändert, dass, besonders in den Tangos, Orchester und Instrumente sich sehr lebendig und emotional ergänzen.

Tortusa – Abstrakt und sehr modern

Von der vorgegebenen Partitur zur experimentellen Freiheit. TORTUSA macht auf seinem 4. Album alles allein. Im Prinzip. Er erfindet und verfremdet seine eigenen Sounds mit diverser elektro-akustischer Hardware, benutzt extra für ihn eingespielte Töne, Akkorde und Trommel-Muster, die Arve Henriksen, Eivind Aarset und Erland Dahlen beisteuerten und kreiert daraus seine ganz eigene Klangwelt. Da gibt’s auch schon mal eine erkennbare rhythmische Struktur, die jedoch nicht geradlinig verläuft. Der grösste Teil von „Bre“ besteht aus geschickt verwobenen, durchaus harmonischen Geräuschen, die sich ohne einen definierten Rhythmus entwickeln, kleine Höhepunkte setzen und sich in ihrem Fortschreiten permanent ändern. Eher abstrakt, aber sehr modern.

Wooden Peak – Meine Schönheit der Woche

Von der nächsten weiss ich nur, dass es sie als LP zumindest bei Bandcamp gibt. Also eher nicht beim Händler Eurer Wahl. Schade, denn so intelligent und sparsam wohlklingend kenne ich nicht nur in diesem Land wenige. WOODEN PEAK besteht aus 2 Musikern, die sowohl elektronisch als auch konventionell kleine Geschichten in entsprechendes musikalisches Gewand kleiden. Vor 2 Jahren erschien „Yellow Walls“ (gibt es auf LP, sehr empfohlen), jetzt legen sie die „Electric Versions“ nach. 4 neu arrangierte Tracks des Vorgängers plus 5 Neuerfindungen. Wohltuend dezent instrumentiert, die meist elektronischen Basis überdeckt durch sonoren Gesang, oft in 2 Stimmen, dazu zwei sehr passend ausgesuchte Kolleginnen (Wencke Wollny, Antonia Hausmann) an Bassklarinette und Posaune, die dem beinahe klinisch klaren Sound durch ihre Tonfolgen und Harmonien die nötige Wärme und den entspannten Fluss hinzufügen. Wunderbar! Einen Vergleich habe ich nicht, sie erinnern mich an die frühen Songs von The Blue Nile. Aber ohne deren Romantik und Herzschmerz. Neugierig? Live-Stream-Konzert am 28.3., findet Herr Kuckl sofort.

Autor: Günter

Archivtexte Ohrenschmauch

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