ADULT MUM/ HEY, KING!/ JUSTIN RUTLEDGE/ WEATHER STATION/ MARIO BIONDI

Da hilft auch kein wetterfestes Aussenstereo. Aufenthalt an der frischen Luft geht nur in Verbindung mit Bewegung.

Also erst einmal Musik fürs Sofa. Ausgerechnet vom Label Epitaph, das in den 90ern mit, wie ich es nannte, MTV Punk‘ weltweit Verkaufserfolge erzielte. ‚The Times they are a-changing‘ sang Bob, und seit längerem gibt es dort auch leisere Töne. ADULT MUM ist ein solcher Versuch. Songwriter mit 2 ungenannten Gehilfinnen, Info ist dünn, ich weiss nicht wer welches Instrument, warum auch. „Driver“ liefert gekonnt arrangierte Songs, die akustische Gitarre dominiert hinter den Stimmen der Sängerinnen, Bass, Drums und andere vervollständigen. Inhaltlich ein wenig ‚Coming of Age‘, überzeugend vorgetragen und in unterschiedliche Stimmungen und Klänge gehüllt. Kein Furor, einfach schön und harmonisch.

Gleiche Marke, ähnliche Besetzung aber mehr wie früher. HEY,KING! starten Ihr gleichnamiges Album mit lauten Gitarren und flotten Tempi hinter der Sängerin, entdecken aber im Verlauf der Platte Melodie und etwas Drama. Die Sängerin bekommt zu Recht mehr Raum, der Background wird gezähmt. Auch die wird den Lauf der (Pop)-Welt nicht ändern, aber guter Versuch.

Justin Rutledge – Ernst aber gelassen

Richtig schön melancholisch wird’s mit der neuen CD von JUSTIN RUTLEDGE . In seiner Heimat Kanada ist der Songwriter bereits eine recht grosse Nummer, hier ist er mir vorher nicht aufgefallen. Er singt und spielt akustische Gitarre, hat im Hintergrund eine vollständige Band plus gelegentliche Chorstimmen. Eigentlich bräuchte er das nicht, auch Gitarre und Gesang pur überzeugen. Mit sanfter Stimme manövriert er sich durch ernste Themen, schafft beeindruckende Lieder, die ohne Verzierungen allein durch den Vortrag wirken. Virtuosität an den Instrumenten steht hier ganz klar hinter dem Sinn des Werks zurück. Keine Aufregung, „Islands“ strömt vom ersten Ton an Ruhe und Gelassenheit aus.

Weather Station

Und noch einmal Kanada. WEATHER STATION sind bereits bei Album Nummer 5 angekommen. Auf „Ignorance“ greift Sängerin Tamara Lindeman auf ein vergrössertes Musiker-Spektrum zu. Streicher, Flöten, Bläser, alle gekonnt eingebunden in ihre klar strukturierten Arrangements. Abwechslungsreich in Harmonie, Melodie und Rhythmus intoniert sie in 10 Songs ihre Ansichten, Eindrücke, Emotionen, bei denen mich der Bandsound an ein in den 80ern sehr erfolgreiches Label aus Neuseeland erinnert, dessen Name mir gerade nicht einfällt. Mehr gehaucht als gesungen, auch der Hintergrund bleibt bei der grossen Instrumentierung weitgehend zurückhaltend. Eine nicht mehr ganz junge Frau, die im Verlauf der letzten Jahre sehr gut gelernt hat ihre Vorstellungen präzise umzusetzen.

Mario Biondi – Der ‚Barry White‘ des Soul Jazz

Es gibt eine neue CD von MARIO BIONDI! . Auf „Dare“ traut er sich im wahrsten Wortsinn seine Karriere nachzuzeichnen und gleichzeitig einen Ausblick nach vorn zu geben. Der ‚Barry White‘ des Souljazz tritt hier zusammen mit seinen ehemaligen ‚High Five‘ an, singt zum Sound von Incognito und dem Olivia Trummer Trio und zieht dabei alle Register von feistem Groove zu dezenter Ballade, kooperiert mit den Stimmkünstlern von Il Volo und natürlich mit seiner gegenwärtigen Band, die ihn schon mehrmals rund um die Welt begleitet hat. Die richtige Musik um auch bei nachlässigem Wetter den A…. hoch zu kriegen.

Autor: Günter

Archivtexte Ohrenschmauch

GünterGünter

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