EMMET COHEN/ TOWER OF POWER/ TREMOLO BEER GUT/ ROLF ZIELKE/ MYLES SANKO

Entscheidungsnotstand! Nicht nur in Regierungs-Kreisen. Aus dieser Auswahl fällt es mir echt schwer nur eine Schönheit der Woche zu benennen.

Bislang hat Pianist EMMET COHEN in erster Linie mit einigen grossen Namen des Jazz Alben für die ‚Master Legacy Serie‘ eingespielt, die Vergangenheit des Genres beispielhaft aufgearbeitet. Mit „Future Stride“ legt er nun sein erstes überwiegend selbst komponiertes Werk im Trio mit Bass und Drums vor. Hier verbindet er die Frühzeit des Jazz, Ragtime und Stride – kurz gefasst Piano-Begleitungen, wie z.B. für Stummfilme etc., mit zeitgemässem Trio Jazz. Weniger theoretisch als vielmehr beseelt die Vergangenheit des Instruments mit viel Gefühl und brillantem Handwerk in die aktuellen Klangwelten zu überführen. Auch aufnahmetechnisch ein grosses Vergnügen.

Tower of Power – Die Legende lebt!

Die nächste muss ich nur wenig kommentieren. TOWER OF POWER , mit den knackigen Funk-Riffs und messerscharfen Bläsersätzen, sind seit dem Debut genau dafür legendär. In 2018 gab’s das Jubiläums-Konzert zum 50.(!) Band-Geburtstag. Das erscheint gerade als Doppel CD. Ausgewählte (Freunde) Gäste plus die ‚Tower of Power Funky Strings‘ arbeiten sich konzentriert durch Material aus fünf Jahrzehnten. Der Zahn der Zeit hat zwar an Figur und Gesicht Spuren hinterlassen, konnte Schwung, Energie und Spielfreude aber nicht bremsen. Das ‚Heimspiel‘ in Oakland kann m/f sich in diesem Fall auch auf der beigefügten DVD mit Konzert, Bonus Songs und --Features auch optisch zu Gemüte führen.

Tremolo Beer Gut – Erfrischend unangepasst

TREMOLO BEER GUT kriegen von mir den Extra-Preis für ‚Is mir doch egal, was modisch ist‘ für ihr neues Werk „You can’t handle...“! In Zeiten, in denen der optische Auftritt und der (pseudo?) Seelen-Striptease die Klick-Listen anführen, braucht es ordentlich Selbstbewusstsein, ein fast rein instrumentales Album herauszugeben mit: Surf-Music! Twang Gitarren in bester Link Wray Manier und rumpelnde Drums führen auf 16 Titeln durch diverse rhythmische und melodische Variationen, wagen einzelne Adaptionen aus Klassik oder Brasil. Ein wohltuender, kräftiger Tritt (symbolisch!) gegen das Schienbein der Trendhopper.

Dagegen klingt „Beaches in your Soul“, die CD von Pianist ROLF ZIELKE und seinem mit Sax, Perkussion und Cello besetzten Quartett wirklich dezent zurückhaltend. In den selbst-komponierten oder -adaptierten Titeln greift er dabei in Klang, Harmonik und Rhythmik auf unterschiedlichste Quellen des Globus zurück, bindet gelegentlich Trompete oder Oud ein und erschafft so, wie er selbst sagt, eine mit gekonnten Improvisationen gespickte Musik zum Tagträumen, von Bildern der Zukunft, die zu Klängen werden.

Myles Sanko – Who the Hell is Gregory P.?

Besser spät, als gar nicht. Bereits seit März gibt es das 4. Album von MYLES SANKO . Songwriter und exzellenter Sänger zwischen Soul und Jazz. Mit passend ausgestatteter Combo, inkl. Hammond, Bläsern und Back-up SängerInnen liefert er 10 persönliche Statements seiner Sicht des Lebens, die die Band raffiniert ausmalt und ihm den Rahmen geben, seine Fähigkeiten überzeugend auszuleben. Dringend empfohlen!

Autor: Günter

Archivtexte Ohrenschmauch

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