AIALA/ NOA/ SUN MI HONG/ VERONICA SWIFT/ MARIANNE FAITHFULL/ TAMARA LUKASHEVA

Wie es der Zufall (besser: das Veröffentlichungs-Timing) will, in dieser Ausgabe gibt es nur Musik von Künstlerinnen.

AIALA ist ein spanisches Pop-Sternchen, dass sich an den erfolgreichen britischen Role-Models orientiert und diesen in nichts nachsteht, ausgenommen Marketing-Budget. Der bunte Mix aus diversen Stilen, R’n’B, Hip Hop Beats, etwas Retro Soul und eine Dosis Pop macht „2021-An Earth Oddity“ zum modischen Vergnügen. Mit variabler Stimme, dem richtigen Ausdruck und kompakter Combo auf CD gebrannt.

Zumindest in MS ist NOA eine ‚alte Bekannte‘. Im Duo mit ‚ihrem‘ Gitarristen Gil Dor intoniert sie auf „Afterallogy“ neben wenigen Eigenkompositionen eine sehr individuelle Auswahl aus dem Great American Songbook. Werke von Sondheim über Rogers & Hart zu Porter und Strayhorn. Ebenso inspiriert vorgetragen, wie vom zurückhaltenden Saiten-Spieler begleitet. Ein intimes Duett, Zeugnis langjähriger gemeinsamer Arbeit und Leidenschaft.

Sun Mi Hong – Die Chefin am Schlagzeug

Eine Schlagzeug-Spielerin als Band-Chefin ist noch nicht Standard. Im Quintett mit 2 Bläsern, Piano, Bass und Drums plus 2 Gästen für Effekte und Stimmen, folgt SUN MI HONG weder der Charlie Trampolini noch der Alfons Muskat Schule. Im Gegenteil, eher wie Paul Motion sieht sie sich weniger als rhythmischen Motor, als vielmehr als Ausmalerin des Hintergrunds, auf dem die anderen Instrumentalisten ihre Melodien und Improvisationen auf einem sensibel gestalteten Fundament entwickeln können. Von harmonisch wohlklingend bis abstrakt und frei reichen die Eigenkompositionen auf „Second Page: A self-strewn Portrait. Nicht modisch, sondern modern.

Veronica Swift – Diesen Namen merken!

Noch eine Sängerin. Noch einmal das eben zitierte Songbook. In diesem Fall jedoch mit Titeln, die auch dem und der VielhörerIn nicht aus dem Stand geläufig sind. VERONICA SWIFT ist der Name, den m/f sich schon mal merken sollte. Grösstenteils nur von Piano, Bass und Drums begleitet, gibt sie den 13 Titeln auf „This bitter Earth“ ihren sehr persönlichen Ausdruck. Das thematisch gezielt ausgesuchte Material interpretiert sie emotional überzeugend mit ausdrucksstarker Stimme. Zielsichere Dynamik und perfektes Timing machen sie zu einer der talentiertesten Jazz Sängerinnen ihrer Generation.

Jetzt 2 mal Poesie und Musik. MARIANNE FAITHFULL rezitiert auf „She walks in Beauty“ 11 Werke englischer Dichter der Romantik. Gedichte, die sie ihr Leben lang begleiteten vorgetragen in ihrer unnachahmlichen Art, mit sicherem Sprach-Rhythmus und angemessenem Tonfall. Adäquat vertont von Warren Ellis, Nick Cave, Eno und dem Cellisten Vince Segal. Ohne Song-Struktur, in melodischen Ambient-Klängen, geben sie den gewählten Worten und der Stimme den angemessenen Rahmen.

Tamara Lukasheva – Frei von Konventionen

Vergleichbares Sujet, ganz anderer Ansatz. Auch TAMARA LUKASHEVA vertont ausgesuchte Gedichte. Von u.a. Brentano, Rilke, Novalis oder Clara Müller-Jahnke. Unterschied: Sie singt die Zeilen, begleitet sie mit selbstgeschaffenen Tonfolgen am Piano. Kurze instrumentale Zwischenspiele geben den Hörenden Raum, den Worten nachzuhängen und werfen dabei ein Licht auf ihre Fähigkeiten am Instrument und dessen exzellentem Klang. Dabei ist ihre Art des Gesangs-Vortrags mindestens so einfallsreich und vielseitig wie ihr handwerkliches Können am Piano. „Gleichung“ ist weder Jazz noch Klassik, einfach der individuelle Ausdruck einer hervorragend ausgebildeten und in diversen musikalischen Umfeldern trainierten Künstlerin. Frei von Vorgaben oder Konventionen.

Autor: Günter

Archivtexte Ohrenschmauch

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