RAUL DE SOUZA/ SOLOMUN/ KLAUS DOLDINGER/ BAMBOOS/ GOGO PENGUIN

Da bin ich mal gespannt ob es was wird mit dem ersten sturmfreien und sonnigen Wochenende seit langem. Und wenn nicht, dann habe ich zumindest eine schöne neue Musik, die auch bei geschlossenen Jalousien sommerliche Gefühle ausstrahlt.

Raul de Souza – Urgestein aus Brasilien

Brasilianisch leichter Jazz, aufgenommen in Hamburg, in ungewöhnlicher Besetzung. Zwei Posaunen, Keyboards (Rhodes!), Bass und Drums. Inszeniert von einem ‚Urgestein‘ unter den Musikern aus dem Land von Bossa und Samba, RAUL DE SOUZA und seiner jungen Band. Leicht heisst in diesem Fall nicht einfach Easy Listening, sondern dass es trotz instrumentaler Ausflüge, Improvisationen und ungerader Takte nie in Richtung frei oder frickelig geht. Eine Handvoll eigene Stücke und gut ausgesuchte Covers von Kollegen von früher (G. Duke, W. Shorter, C. Buarque…), denen er eine kurze, gesprochene Widmung voranstellt und seine ungebrochene Vorliebe für eingängige Riffs und Themen lassen die durchaus lange Spielzeit wie im Flug vergehen. Für die positive Erinnerung sind auch seine beiden ehemaligen ‚Disco-Hits‘ ‚Sweet Lucy‘ und ‚Daisy Mae‘ auf „Plenitude“ mit an Bord, wobei die aktuellen Versionen deutlich mehr Jazz als unbedingt Tanzrhythmus enthalten.

Solomun – Für Club und daheim

Nach dem ersten Durchlauf dachte ich: Und dafür hat er solange gebraucht? Mit jedem weiteren Hören geriet das aber weiter in den Hintergrund. SOLOMUN hat ein Händchen für oberflächlich total simple Songs und Strukturen. Für diese Minimal-Konstruktionen sucht er sich die passende Stimme (u.a. Anne Clark!, Zoot Woman, Jamie Foxx), füllt Hintergrund und Lücken mit intelligent eingesetzten Sounds und täuscht damit geschickt über den 4 to the Floor Beat hinweg. Verzichtet auf den brachialen Bass, lässt lieber Melodien und Fragmente solcher aus den Lautsprechern quellen. Auf „Nobody is not loved“ stört selbst die ‚Plattenbau-Poetry-Romantik‘ von Isolation Berlin nicht.

Klaus Doldinger – Das Beste aus 50 Jahren

Nicht tagesaktuell, aber wichtig! Zum 85. Von KLAUS DOLDINGER zusammengestellt „The first 50 Years of Passport“. 30 Tracks aus der langen und einflussreichen Schaffenszeit seiner vielfach umbesetzten Erfolgsformation, inkl. Tatort, Das Boot und Die unendliche Geschichte. Handverlesen und klangtechnisch auf den Stand gebracht sind diese Tracks klingendes Zeugnis seines auch in 50 Jahren nie gebremsten Kreativ-Potentials. Ausnahmsweise als Doppel-CD empfohlen, wg. zweimal so viel Inhalt wie die LP.

Erstaunlich wie viele Combos auf dem Retro Rhythm’n’Soul Pfad unterwegs sind. Und wie gut die sein können. Hier und heute sind es die BAMBOOS , die mich mit ihrem so geradlinigen wie vielseitigen „Hard up“ überraschen. Klar, als ‚alter Sack‘ sind mir die Ursprünge bekannt, ich höre Motown (ohne die ‚Über-Produktion‘), Atlantic, Stax, James Brown, Average White Bd., jedoch nicht als anbiedernde Kopie, sondern als Arrangement-Vorgabe für eigene Ideen. Voll besetzt, 9 Personen inkl. Sängerin Kylie Auldist plus Gäste, fusionieren sie alte Muster mit jungen Klängen und schaffen einen zeitlos modernen Soul Sound.

GOGO PENGUIN-„GGP-RMX“ ist logische Folge. Tänzeln doch deren Kompositionen ständig um die Schnittstellen zwischen Jazz, Elektronika und Club-Kultur. Für diese Neubearbeitungen haben sie sich weltweit renommierte Produzenten und Mixer ausgesucht, die aus den mehr oder weniger akustischen Vorlagen neue Phänomene basteln. Temporeiche Tanzbeats, fast rhythmusfreie Klanglandschaften und verspielte Techno-Klänge lassen wenig Rückschlüsse auf die Vorlagen zu. Wenn schon Re-Mix, dann ist dies der interessante Ansatz.

Autor: Günter

Archivtexte Ohrenschmauch

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